Über Motivationsgerüch(t)e

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Quelle: transferio.at

Der Blogger Stephen Downes ist für mich eine kreative und faszinierende Informationsquelle zum Thema Bildung & Lernen 4.0. In einem seiner Newsletter dokumentiert er folgenden Satz aus einem Gespräch mit einem Kollegen:

Essentially, intrinsic motivation exists only if there is autonomy, competence and relatedness. Worse – extrinsic motivation kills intrinsic motivation. As soon as we start getting rewards or punishments, we have lost intrinsic motivation. So, Dron says, education systems are systematically demotivating.

(Im Prinzip existiert intrinsische Motivation nur aufgrund von Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit. Extrinsische Motivation tötet intrinsische Motivation. Sobald wir mit Belohnung und Bestrafung anfangen, haben wir die intrinsische Motivation bereits verloren. Deshalb sind Bildungs- und Erziehungssysteme auf systematische Weise demotivierend.)

Wie sehen alternative Lernsettings aus, die die intrinsische Motivation nicht nur stärken sondern auf ihr aufbauen? Auch hier finde ich Antworten bei Downes:

The focus on the ‚4Ps‘ of creative learning:

  • Projects – We learn best when we are actively working on projects – generating new ideas, designing prototypes, making improvements, and creating final products.
  • Peers – Learning flourishes as a social activity, with people sharing ideas, collaborating on projects, and building on one another’s work.
  • Passion – When we focus on things we care about, we are likely to work longer and harder, to persist in the face of challenges, and to learn more in the process.
  • Play – Learning involves playful experimentation — trying new things, tinkering with materials, testing boundaries, taking risks, iterating again and again.

Und welche Lernumgebungen braucht es für dieses „neue Lernen“?

Ganz sicher wird das Klassenzimmer für solche Formen des Lernens nicht mehr funktionieren. Es braucht „Learning Landscapes“, in denen ich Strategien entwickeln kann, um in chaotischen, schwach strukturierten Umgebungen zu lernen. Dieses Lernen ist nämlich viel weniger kontrolliert, weniger zertifiziert, dafür hoch kollaborativ. Es geht um „Lernen im Chaos“ und darum, selbstständig Lernentscheidungen zu treffen, um in vielfältigen Teams anschluss- und arbeitsfähig zu bleiben. Lebenslang: It is about operating and interacting in a complex and multi-dimensional environment“.

Wohin mit all den Lehrer*innen? Kommt jetzt der Lern-Coach?

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Quelle

Entgegen der Annahme, dass der Lehrerberuf einer der wenigen sei, die der Digitalen Transformation nicht zum Opfer fallen, gehe ich davon aus, dass es ihn in der jetzigen Form nur deswegen noch gibt, weil er staatlich geschützt ist wie nichts anderes. In diesem Blog-Post geht es mir deshalb um die Frage: Was kommt nach dem Lehrer? Der Coach?

Wenn ich Bildung im Digital Age auf den Punkt bringe, dann geht es nicht mehr darum, was gelehrt wird, sondern wie gelernt wird. Es geht nicht mehr um Inhalte, Fächer und Lernziele, sondern um das Lernen selbst. Alles andere steht immer, überall und jeder zur Verfügung. Der Raum, in dem wir lernen, ist nicht mehr das didaktische Gehege und das pädagogische Reservat, sondern der Digital Space, der überall ist, wo Menschen jeden Alters leben und arbeiten – und also lernen. Wir benötigen keine künstlichen Lernräume mehr, aus denen Menschen am Ende ihrer Bildungskarriere ausgewildert werden müssen, um dann später für punktuelle Weiterbildungen dorthin zurückzukehren wie an eine Ladestation. Die Organisation von Bildung und Lernen vollzieht sich vielmehr in dezentralen Netzwerken, wie ich sie hier beschrieben habe. Um es mit einem Begriff des spanischen Soziologen Manuel Castells zu benamsen: im „Space of Flows“.

In diesem Setting ist der Beruf der Lehrenden in seinen vielen Facetten, Ausbildungs- und Gehaltsstufen nicht mehr gefragt. Die Omnipräsenz und mythisch überhöhte Alternativlosigkeit des Lehrerberufs verdankt sich im Moment nur noch der Tatsache, dass „der Staat“ das Bildungsmonopol hält. Er bestimmt über Inhalte, Ziele, Lehrerausbildung, Zulassung, Zertifizierung und Zugänge zu Berufen. Solange der Staat die Oberhand der Regulierung hat und Bildung ein derart geschlossenes System ist, wird die Lehrerprofession als geschützter Beruf problemlos überleben.

Die Dynamik der Digitalen Transformation weiß dieses Monopol jedoch täglich besser zu umgehen. Menschen, Firmen und Institutionen organisieren Bildung und Lernen um dieses Monopol herum, weil es nicht mehr anders geht. Leben und Arbeiten im Digital Age erfordern ein so hohes Maß an Wissen und Fähigkeiten, die im Bildungssystem nicht entwickelt werden können, dass sich derzeit rund um den Globus völlig neuartige, digital vernetzte, auch vom Kapital getragene Lernformen und Lernformate entwickeln – und zwar sehr erfolgreich.

Was bedeutet das für Menschen, die in lehrenden Berufen unterwegs sind bzw. sich dafür entschieden haben, einen auszuüben?

Sie müssen sich bald einmal weiterbilden. Und zwar selbstverantwortet, dezentral, digital vernetzt und außerhalb ihres eigenen Systems. Ganz wichtig dabei: Das wird ein „Umbilden“ sein. Ein durchaus schmerzhaftes und unausweichliches Verlernen tiefsitzender Rollen- und Menschenbilder, ein Verlernen von Beziehungsmustern im Sinne von „Lehrer und Schüler“. Ein Abschied nehmen von der Mär der eigenen Unverzichtbarkeit – nicht als Mensch, sondern als Profession.

Meine Vermutung ist: Das wird nur Wenigen gelingen.

Solche Prozesse des Umlernens und Umbildens werden nicht mehr in den bekannten Formen und Formaten der Lehreraus- und weiterbildung stattfinden. Nicht mehr in exakt umzirkelten Kursen, die mit Bolognapunkten behängt sind. Diese Formate haben ja ausgedient – bis auf den derzeit noch entscheiden Aspekt der Zertifizierung. Wenn der einmal fällt, fällt das System in sich zusammen. Was mache ich dann, wenn ich ein Lehrer bin? „Dann“ ist es womöglich zu spät, denn du musst den Löwen hören. Wenn du ihn siehst, ist es zu spät.

Welche Perspektiven bieten sich da für lehrende Berufe?

Diese Frage kann ich von zwei Positionen aus beantworten. Erstens: Welche Profession tritt an die Stelle des Lehrerberufs? Zweitens: Wie und wohin entwickle ich mich als Lehrer*in oder Dozent*in weiter?

Zuerst: Eine neue Profession wird es vorderhand nicht geben, weil die Kernfunktionen der alten hinfällig sind. Es wird die alte Profession geben, solange sie „geschützt“ ist. Der Beruf als solcher läuft jedoch langsam aus. Umso absurder ist es IMHO, eine milliardenschwere Industrie am Leben zu erhalten, die ein Professions-System alimentiert, das in einer digital transformierten Kultur nicht mehr gebraucht wird.

Was es hingegen massiv geben wird, sind neue Aufgaben und Funktionen, die sich aus den sich völlig neu formatierenden Bildungsbiografien von uns Menschen entwickeln. Das geschieht ja schon heute in zügigem Tempo. Solche Funktionen platzieren und verteilen sich vor allem in digitalen Kontexten, wo sie ohne Zeitverzögerung („instantan“), in hoher Qualität und in neun von zehn Fällen kostenlos aufgerufen werden können. Von lernenden Individuen jeden Alters ebenso wie von lernenden & arbeitenden Teams: als Text, als Video, in Form einer Community, als Helpline, als MOOC, Tutorial, Online-Kongress, als Online-Forum, und mehr und mehr als „Personal Learning Network“, das sich heute immer mehr Menschen jeden Alters zusammenbauen. Unerreicht ist für mich in diesem Kontext nach wie vor Anja C. Wagners entsprechender Video-Post.

Funktionen, die angesichts dieser rasanten Entwicklungen in den nächsten Jahren wichtig werden, sind begleitende, unterstützende und beratende – und zwar vor allem an den Schnittstellen und Übergängen ins Digitale Zeitalter, und gerade was das Lernen und Arbeiten in diesen neuen technischen, ökonomischen und kulturellen Kontexten betrifft. Diese Übergänge und das „Auswildern“ sind von den allermeisten lernenden und arbeitenden Menschen noch nicht annähernd erreicht, auch nicht von den Angehörigen lehrender Berufe, ihrer Ausbilder und Ausbildungsstrukturen. Aus eben diesem Grund sind lehrende Berufe auch nicht für beratende und unterstützende Aufgaben im Kontext der Digitalisierung geeignet, ungeachtet der Tatsache, dass es in diesen Berufen vereinzelt Menschen gibt, die digital affin sind. Aber Hand aufs Herz: Wie viele vegetarische Fleischer kennen Sie?

Warum aus dem Lehrer kein Coach wird

Wird aus dem Lehrer also in Zukunft ein Coach, wie hier und da zu hören ist? Immerhin weisen das ja (sehr) viele Lehrer vehement zurück. Ich denke auch nicht, dass es so kommen wird. Zum einen ist der ausgebildete und professionell arbeitende Coach nicht wirklich ein Beruf, sondern eine hoch differenzierte Funktion, die weder an Lehr-Lern-Settings gebunden ist noch an sie gebunden werden kann. Sie bezieht ihren Nutzen gerade daraus, dass sie in allen erdenklichen beruflichen Kontexten wirksam wird, wenn es um menschliche Entwicklung geht – und sie wird von Menschen aus freien Stücken nachgefragt.

Der Hauptgrund, warum Lehren und Coachen nicht zusammengehen und sich auch nicht ergänzen, hängt eng mit dem Menschenbild zusammen, dem sich – exemplarisch – das Beratungsverständnis des Schweizerischen Berufsverbands (bso) verpflichtet, der als verantwortliche Institution für die (u.a. eidgenössische) Anerkennung aller diesbezüglichen Ausbildungen und deren Wirksamkeit steht. Im professionellen Coaching trägt der Klient und trägt die Klientin die volle Verantwortung für die Inhalte und Ergebnisse, während der Coach in größtmöglicher Offenheit, Transparenz und in ausnahmslosem Respekt vor den Entscheidungen der Klientin „lediglich“ für den Prozess und seinerseits für die Wahrung der Klienten-Autonomie verantwortlich zeichnet.

Ziel eines jeden Coachings ist, dass der Klient auf selbstbestimmte Weise zu seinen Ressourcen und zu seinen Lösungen findet. Der Coach repräsentiert in keinem Moment gegenüber der Klientin einen Lehr- oder Lernplan. Er vermittelt keinerlei Inhalte und veranstaltet schon gar keine Kontrollsettings, in denen der Klient gegenüber dem Coach Rechenschaft abgibt über seine „Lernfortschritte“. Coaching ist Befähigung zur Selbstführung und zur Selbstorganisation. Bedürfnisse von Klientinnen nach Ratschlag und Unterweisung nimmt der Coach stets zum Anlass, um mit ihnen darüber zu reflektieren, diese Bedürfnisse zu klären und sich klar dagegen abzugrenzen, ohne solche Bedürfnisse dadurch zu entwerten. Coaching ist also ein äusserst anspruchsvolles Setting – und gerade deshalb hoch wirksam.

Wie werde ich ein Coach?

Wer sich also als Lehrende*r über eine offizielle Ausbildung oder auf anderen Wegen zum Coach entwickelt, nimmt sukzessive Abschied von den Kernannahmen des pädagogisch-didaktischen Verhältnisses zwischen Lehrer und Schüler – und überhaupt zwischen Menschen. Wenn ich mich dafür entscheide, Menschen als Coach auf professionelle Weise in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu begleiten, kommen folgende Themen und Entwicklungsschritte auf mich zu:

  • Ich mache mich kundig über die drei fundamentalen, theoretischen Bezugspunkte des Coachings: (I) Den systemischen Zugang zum Menschsein und zu unseren Kommunikationen, (II) zum Wirklichkeitsmodell des systemischen Konstruktivismus, und (III) zur Theorie der Selbstorganisation von Mensch und Gemeinschaft.
  • Auf diesem Hintergrund entwickle ich ein Verständnis vom Lernen als Selbstorganisation von Individuen, von Gruppen und Organisationen. Ich setze mich intensiv mit der eigenen Lernbiografie auseinander, mit den vielfältigen Zusammenhängen von Lernen und Krise und mit der Reflexion auf meine persönlichen Krisenmuster.
  • Ich lerne nach und nach zu unterscheiden zwischen kausalen und systemisch-konstruktivistischen Grundlagen der Beratung (sprich: von der Fachberatung zur Problemlösekompetenz), indem ich diese Unterschiede praktiziere und mit anderen zusammen auf diesem Lernweg reflektiere. Ich entwickle eine eigenständige Ethik des Beratens.
  • Ich finde immer mehr heraus über den Sinn von und den Umgang mit Lernstrategien.
  • Ich übe und reflektiere mit anderen zusammen – manchmal durchaus unter professioneller Anleitung
    • die Moderation von Lerngruppen aus der Perspektive des systemischen Coachings,
    • das Konfliktmanagement in Lerngruppen,
    • Digitale und analoge Methoden und Instrumente des Coachings mit einzelnen Personen und mit Lerngruppen.
  • Ich vernetze mich im Verlauf dieser Prozesse immer mehr mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen und Arbeitsfeldern, die ähnlich interessiert sind an diesem Phänomen des Coachings.
  • Ich entdecke mehr und mehr Angebote zur Reflexion, zur Vertiefung, zur Verknüpfung von Coaching-Kompetenz: digital und im Meatspace.

Wenn Sie sich für einen solchen Weg interessieren, empfehle ich Ihnen zwei Anbieter: Das Institut für Angewandte Psychologie, und das Institut für Systemische Impulse – beide in Zürich. Wenn Sie sich einen Überblick über das Beratungsverständnis des Schweizer Berufsverbandes verschaffen möchten, empfehle ich Ihnen die Homepage des bso. Sehr wertvolle Erfahrungen habe ich auch mit dem nach wie vor kostenlosen MOOC „Leading from the Emerging Future“ vom Team um Otto Scharmer am MIT gemacht. Auch hier geht es an vielen Stellen um waschechte Coaching-Kompetenz – die beim Auswandern nach Digitalien äußerst wertvolle Dienste leisten kann.

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Digitale Transformation als Kontrastmittel im Organismus Schule

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Digitale Transformation wirkt wie ein Kontrastmittel. Sobald sie in den „Organismus“ des Bildungssystems gelangt, macht sie sichtbar, in welchem Zustand dieses System ist: sklerotisch im Sinne der Verhärtung von Organen und Gewebe (wie sinnig), verkalkt und verengt. Infarktös.

Die Digitale Transformation verursacht diesen Zustand nicht. Sie macht bloß die Kontraste sichtbar. Sie „macht“ nichts mit dem Bildungssystem und der Schule, außer eben deren Zustand sichtbar. Sie schafft einen Kontrast.

Den Kontrast zwischen Geschlossenheit, Hierarchie, Hermetik und Transparenz, Offenheit, Allverfügbarkeit. Den Kontrast zwischen Zuteilen, Vorenthalten, Kanalisieren und Zugänglichkeit, Zugriff, Netzwerken.

Was immer eineR sucht und braucht: Inhalt, Hilfe, Kompetenz, Wissen, Kontakte, Netzwerke. Die Digitale Transformation macht’s möglich.

Sie „macht“  nichts mit dem Schulsystem. Sie macht einfach Unterschiede sichtbar, die einen Unterschied machen. Sie macht’s einfach & möglich.

Daher diese panische Angst vor ihr. Oder um es mit Verena Gonsch zu sagen:

„Es gibt sie tatsächlich noch, die Dinosaurier, die auch im Jahr 2018 die ‚Digitale Demenz‘ von Manfred Spitzer vor sich hertragen. Ich traf sie in Gestalt von Cord Santelmann vom Philologenverband Baden-Württemberg. Er verglich die Digitalisierung mit der Asbest-Gefahr oder den Risiken der Kernenergie. Nicht alles, was machbar sei, sei gut. Er verkörpert genau die Beharrungskräfte, die dem digitalen Aufbruch in den Klassenzimmern im Weg stehen. Oder wie es Christian Schlöndorf vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätssicherung nach der Veranstaltung zur Digitalen Bildung der Kultusministerkonferenz in Hamburg im Juni so schön auf Twitter schreibt: ‚Generelle Unsicherheitsvermeidungsstrategien und egozentrische Selbstverwirklichungsbedürfnisse der Akteure verhindern den erforderlichen Paradigmenwechsel und Kulturwandel wenn es um Bildung und Digitalisierung geht.‘ Armes Deutschland!“

Die Rettung der kognitiven Libido

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Was muss eine Absolventin an erster Stelle wissen, wenn sie eine Aus- oder Weiterbildung abschließt? Sie muss wissen, wie sie mit Wissen umgeht. Aber das alleine wird nicht reichen. Sie muss das auch können. Sie muss mit Wissen umgehen können.

Wer die „Vermittlung von Wissen“ gegen eine „Entwicklung von Kompetenzen“ ausspielt, wie das selbst ernannte Untergangspropheten gerne tun (z.B.  Konrad Liessmann), der oder die hat nicht begriffen, dass sich Wissen und Können gar nicht gegenüberstehen. Der Umgang mit Wissen ist ein Können und muss gelernt werden. Es handelt sich um eine zentrale Kulturtechnik, um eine der wichtigsten Kompetenzen der Gegenwart. Für die Frage, wie erfolgreich sich ein Mensch in Kultur, Ökonomie und Gesellschaft zu Recht finden wird, ist dieses Können der entscheidende Maßstab.

Wissen ist Information in Bewegung

Ein Zweites: In vielen Köpfen herrscht noch hartnäckig die Überzeugung, Wissen sei ein „Bestand“. Viel zu wissen, heißt für allzu viele immer noch, Wissen auf Halde zu haben. Volle Speicher. Aber das ist ein Irrtum, der sich vor allem im Bildungssystem konsequent hält und reproduziert. Was in diesen Speichern wirklich lagert, ob es sich nun um Gehirne, Festplatten oder Clouds handelt, sind Nullen und Einsen. Es sind Daten, im besten Fall Informationen. „Wissen“ ist das alles nicht, denn Wissen lässt sich nicht speichern, sondern nur gewinnen – und zwar gerade aus dem riesigen Kosmos an Informationen, die in den Speichern dieser Welt angelegt sind. Wissen ist nicht der Rohstoff, sondern das Produkt. Wenn überhaupt.

Wissen ist Information in Bewegung, im Kontext, in Anwendung. Wissen entsteht im Austausch, im Einsatz, im Diskurs. Deshalb ist Wissen immer auch auf eine Situation bezogen, in der es gebraucht, vermisst oder erfolgreich angewendet wird. Wissen ist nicht „ewig“, sondern höchst situativ. Je situativer desto hochwertiger. Alles andere sind Daten.

Schulisches „Lernen“ verhindert Wissenskompetenz

Ein Drittes: Wissen geht kompetentem Handeln nicht voraus. Wissen ist Handeln. Auch hier wirkt unablässig der Irrtum fort, dass man zuerst „etwas“ wissen müsse, bevor man zur Tat schreiten könne. Auch das ist ein Irrtum, der im Bildungssystem zum Programm gehört. Richtig ist: Wissen, vor allem solches, das ich brauchen kann, entsteht ausschließlich und nur durch Handeln. Von daher kann ich sogar sagen: Was ich wirklich weiß, das weiß ich durch Handeln. Durch die Praxis von Versuch, Irrtum, Austausch, Fragen, Testen, Ausprobieren, Schlussfolgern, Konsequenzen ziehen, Reflektieren, neue Anläufe nehmen, mit einem Wort: durch Lernen.

Es ist gerade der klassische „schulische Kontext“, in dem wir Menschen mit Informationen beschallen, betexten und bedampfen, der die Entwicklung entscheidender „Wissenskompetenzen“ verhindert. Dieses „Mästen“ verhindert a priori, dass Lernende sich die Wissenskompetenzen des 21. Jahrhunderts erwerben können, sprich: Wissen eigenständig zu generieren statt Informationen aneinander zu hängen und zu repetieren. Sie müssten dringend lernen Methoden zu entwickeln, mit deren Hilfe sie das Gewicht, die Qualität und die kontextuelle Brauchbarkeit von Informationen einschätzen und beurteilen lernen, um sie kombinieren und verknüpfen zu können und zu gewichten. Darauf ist Schule leider nicht ausgelegt. Auch die tertiäre Bildung tut sich damit sehr schwer, ebenso wie die berufliche.

Die Art und Weise, wie unsere Bildungsinstitutionen mit Informationen umgehen, wie sie diese hin- und her transportieren um die mächtige Selektionsmaschinerie am Laufen zu halten, lehrt Menschen eines nicht: den kreativen und nachhaltigen, den produktiven und wertschöpfenden Umgang mit Wissen. Das ist angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen in Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft die eigentliche Katastrophe.

Die Rettung der kognitiven Libido

Warum ist das heute noch so? Der Philosoph Peter Sloterdijk sagt: „Die Desorientierung der modernen Gesellschaft über ihre eigenen Ziele spielt sich im Irritationssystem Schule ab wie nirgendwo sonst“. Deshalb würden sich viele darauf beschränken, die Dinge zu erklären, statt etwas zu tun.

Er schlägt eine Schule vor, „die den Eigensinn junger Menschen betont und sie nicht im Blick auf den Ernstfall kolonialisiert“. Er möchte Lernräume entwickeln, in denen „Menschen mit ihrer eigenen Intelligenz in ein libidinöses Verhältnis treten“. In solchen Lernräumen würde es also ganz klar um Lust gehen: um Wissenslust, Lernlust, Gestaltungslust; um Lust am Lernen.

Was wir brauchen, ist also nicht noch mehr Schule, oder eine andere, eine digitale Schule, oder neue Fächer oder andere Lehrer.

Wir brauchen ein komplett anderes Bildungsdesign.

Solidarität als Placebo. Ein Gedankenexperiment

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heilpraxisnet.de

Hier die Guten, dort die Bösen. Und wo sind die Solidarischen? Irgendwo dazwischen? Ich vermute: Es gibt sie nicht. Weder die Soldarischen noch die Solidarität. Letztere wurde durch Loyalität ersetzt. Lückenlos. Solidarität ist eine Schimäre, die uns erlaubt, das Gesicht zu wahren – nicht vor den Leidenden dieser Welt, sondern vor uns selbst. 

Am Anfang steht die Manipulation der Maschine Mensch

Die Psychologie sagt uns, dass wir die Menschen mit positiven Bildern fluten müssen, damit sie sich auf wünschbare Ziele hin bewegen. Wir müssen positive Bilder zur Verfügung stellen. Das ist ebenso Manipulation wie das Gegenteil: Mit negativen Bildern zu feuern. Der Gedanke dahinter, dass wir Menschen mit Bildern zu versorgen haben, ist von der Manipulation motiviert. Weil wir sie damit zu etwas bewegen möchten. Damit sind wir schwupps im Führungskräfteseminar und bei der Frage, wie wir Mitarbeitende motivieren. Oder Schüler, oder Kunden, oder Patienten. Wir haben ein technoides Verständnis vom Menschen, der wie eine Maschine mit Treibstoff versorgt werden muss, um überhaupt vom Fleck zu kommen. Betankt. Deshalb sind wir auch schnell bei Metaphern wie der Versorgung des Körpers mit Nahrung und Wasser – damit er überhaupt „funktionieren“ kann.

Nächste Zutat: Die Verkindlichung des Menschen

Solche Bilder zeigen die Verkindlichung des Menschen an. Wir gehen davon aus, dass er weder in der Lage ist, seinen Nährstoffhaushalt selbstständig zu organisieren, noch sein soziales Leben. Er muss (wir sagen: will) geführt werden. Er muss (wir sagen: will) gesagt Bildschirmfoto 2018-07-23 um 12.15.20und gezeigt bekommen, wo es lang geht. Er muss (wir sagen: will) gefüttert werden. Omnipräsente Verkindlichung. Wir verlängern eine Lebensphase der Abhängigkeit ins Unendliche, ins Kultürliche. Das Ergebnis ist der versorgte Mensch. Der loyale. Das ist unsere Kultur heute. Und damit das so bleibt, versorgen wir den Menschen mit Bildern. Wir fragen ihn, was er dabei sieht und geben ihm zwei Alternativen zum Ankreuzen vor.

Diese Bilder werden gegenwärtig hoch ambivalent: Hier die apokalyptischen, dort die paradiesischen. Hier Flüchtlingskrise und Weltuntergang, Flüchtlingsuntergang und Weltkrise, dort Grillparty und Malediven. Hier die vollen Regale, dort vom Plastikmüll verseuchte Meere. In ihrer Ambivalenz driften die Bilder auseinander. Sie zeichnen sich klar gegeneinander ab und sind zeitgleich präsent. Als Bilder, nicht als Welt.

Die konsequente Unterbindung menschlichen Reifens

Das steigert die Hilflosigkeit und Überforderung der verkindlichten Massen. Denn die werden und wurden konsequent mit Bildern (und Wahrheiten) nur gefüttert – und zwar ab ovo. Deshalb haben sie nicht gelernt zu unterscheiden. Unterschiede werden ihnen immer schon präsentiert. Ethik als Multiple Choice. Sie haben nicht gelernt zu entscheiden, weil die Alternativen immer schon bewertet vorliegen. Sie müssen nur richtig ankreuzen. Sie haben nicht gelernt, Zusammenhänge zu erkennen, weil sie ihnen immer schon erklärt werden. Deshalb können sie sie nicht verstehen, nur zustimmen oder ablehnen. Sie haben nicht gelernt, eine innere Stimme zu entwickeln, die ihnen erlaubt, Ambivalenz auszuhalten und aus Empathie heraus zu agieren. So wird Loyalität zu einer Überlebenstechnik. Niemand beißt die Hand, die ihn füttert.

Wo Solidarität war soll Loyalität werden

Solidarität bedeutet an der Wurzel, den Schutzraum der eigenen Herde zu verlassen um für einen Moment die Seite zu wechseln. Der möglichen Konsequenzen gewahr. Solidarität macht auf einen Schlag einsam, weil sie den Schutz der Herde aussetzt. Hingegen sind Solidaritätsbekundungen heute tribale Selbstvergewisserungsmanöver. Selbstinszenierung mit Sieh-Her-Effekt. Gegen die CSU zu sein, verbindet. Die Empörung gegen das medial präsent gehaltene Elend ist das scharfe Gewürz im Einheitsbrei der individuellen Sinnsuche. Und mit meiner Spende delegiere ich meine persönliche Verantwortung an dafür zuständige Organisationen. Gutes zu tun bedeutet jene zu unterstützen, die Gutes tun. So halte ich mich raus. Skin off the game.

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Die einen haben Angst, angesichts voller Teller zu verhungern und geifern gegen jeden Hungrigen, der sich dem Tisch auch nur nähert. Die anderen haben Angst vor den Geifernden und davor, im Kontakt mit ihnen kontaminiert zu werden. Beide Parteien nehmen die Siechenden als Geiseln für das Zurechtrücken des eigenen Weltbildes. So bleibt allen nichts als die Loyalität mit der eigenen Gruppe. Das Ergebnis ist eine sich selbst potenzierende Angst – und zwar voreinander.

Wir sind nur noch loyal. Es kann uns nur noch um uns gehen. Solidarität ist ein Mittel zu diesem Zweck geworden. Zementiert durch die kontradiktorische Omnipräsenz der Bilder. Währenddessen nehmen die Dinge ihren Lauf. Exponentiell.

Deutsche Bildungsmisere und Lehrermangel. Ein Rundumschlag

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In einem Kommentar zur deutschen Bildungsmisere und dem „totgeschwiegenen Lehrermangel“ holt die für die Bildungswelten zuständige Korrespondentin der FAZ, Heike Schmoll, zu einem Rundumschlag gegen die Ursachen für den Untergang des Abendlandes aus, die da wären: unterqualifizierte Lehrerbildung und unterqualifizierter Unterricht.

Das schafft sie, ohne auch nur einen Satz über die konkrete Kernherausforderung der Digitalen Transformation zu verlieren, und ohne einen einzigen Blick auf diejenigen zu werfen, um die es eigenlich geht: Die Lernenden.

Beim Lesen bin ich über folgende sieben Punkte gestolpert.

Punkt eins: „Unterrichtsausfall, häufige Lehrerwechsel oder unterqualifizierter Unterricht gehören zu den größten Elternärgernissen.“

Als ob es bei Schule, Lernen oder Bildung darum gehen würde, dass Eltern sich ärgern oder nicht. Es geht um lernende Menschen. Die aber kommen im gesamten Artikel nicht vor. Die Autorin führt einzig ein Plädoyer für den Erhalt eines Bildungssystems, das nichts mehr mit den gegenwärtigen Entwicklungen in und um uns herum zu tun hat. Dabei helfen Leerformeln wie „unterqualifizierter Unterricht“ in keiner Weise oder Richtung weiter, weil es hierüber nicht den Hauch einer Chance auf Einigung gab und gibt, was darunter verstanden werden darf und soll und was nicht – und weil mit einigem Recht bezweifelt werden muss, dass „Unterricht“, in welcher Qualität auch immer, dasjenige Lernsetting ist, in dem lernende Menschen diejenigen Bedingungen vorfinden und entwickeln können, die sie brauchen, um Leben und Arbeiten im Digital Age zu lernen.

Punkt zwei: „Viele der Lehramtsstudenten … springen ab und gehen lieber in die Wirtschaft als in die Schule.“

Das hat vielleicht mit dem absurden Referendariatssystem zu tun, womöglich mit der obsoleten Zuteilungspraxis und damit, dass der LehrerInnenberuf vor allem für sicherheitsbewusste Menschen attraktiv ist und nicht für solche, die innovativ, risikofreudig und zukunftsoffen unterwegs sind. Die sind deshalb eventuell ganz woanders zu finden. Gerade in der VUCA-Welt des 21. Jahrhunderts. Dass viele Menschen in lehrenden Berufen bereits heute mit den Bedingungen überfordert sind, die sie im Schulalltag vorfinden, kann auch damit zusammenhängen, dass sie womöglich einfach nicht für einen Job „gemacht“ sind, in dem sich die kulturellen und gesellschaftlichen Folgen der Digitalen Transformation niederschlagen wie fast nirgends sonst. Das wäre dann keine Entwertung ihrer Person, sondern ein Grund die eigene Berufsbiografie mutig zu überdenken.

Punkt drei: „Jedenfalls entscheiden sich die besten Abiturienten bestimmt nicht für ein Lehramtsstudium, sondern werden Juristen, Ärzte oder Ökonomen.“

Die „besten“ AbiturientInnen sind die Notenbesten unter ihnen, und da wissen wir schon sehr lange sehr genau, dass das überhaupt und rein gar nichts über Befähigung, Potenziale, Talente, Herzensbildung, Empathie, Vorststellungskraft oder Sozialkompetenz aussagt, sondern nur darüber, dass junge Menschen sich über I can do testsviele Jahre hinweg in einem absurden und hierarchischen Zertifizierungswesen unterzuordnen wussten. Wenn die jetzt gerade dadurch besonders geeignet sein sollen, LehrerIn zu werden, dass es ihnen besonders gut gelungen ist, den Notenterror mitzuspielen, dann wird erst recht deutlich, dass es hier vor allem um die Reproduktion eines Systems geht. Das ist zynisch.

Punkt vier: „Das ist nur in den skandinavischen Ländern anders. Dort hat Bildung einen anderen Stellenwert, und entsprechend ist der Lehrerberuf besser angesehen.“

„Dort“ ist „die“ „Gesellschaft“ eine andere und hat deshalb eine andere Schule. „Dort“ hat Solidarität einen anderen Stellenwert.  „Dort“ haben Menschen verstanden, dass Schulen mit der Zeit gehen müssen. Und überhaupt: Die dickeren Kartoffeln wachsen bekanntlich immer in Nachbars Garten.

Punkt fünf – ihre schärfste Waffe: „Hierzulande vollzieht sich … eine Abwärtsspirale, die über kurz oder lang alle Diskussionen über Unterrichtsqualität, kulturelle Basistechniken und grundlegende Handlungsfähigkeit im Keim ersticken wird.“

Und weiter: „Die Entprofessionalisierung des Lehramts ist inzwischen so weit vorangeschritten, dass mancher kaum noch einsehen will, wieso er eigentlich viele Semester lang studieren soll, wenn andere als Quereinsteiger mit Kusshand genommen werden, obwohl die nicht einmal das mindeste pädagogische Basiswissen besitzen, geschweige denn mit Inklusion, Digitalisierung, schwierigen und lernunwilligen Schülern und deren Eltern umzugehen verstehen.“

Diese Abwärtsspirale ist schon lange am Laufen – und sie hat nichts mit Keimersticken oder politischer Untätigkeit oder mit einer schwindenden Unterrichtsqualität zu tun, sondern damit, dass das traditionelle Schulsystem an sein Ende gekommen ist und als System nur noch funktioniert, weil es an einer staatlichen Herz-Lungen-Maschine hängt. Es gibt gar keine Entprofessionalisierung des Lehramts, weil das Qualifizierungssystem, über das in Deutschen Landen der Zugang zum Lehrerberuf geregelt wird, nach Kriterien funktioniert, die gar nicht in der Lage sind, die Professionalität dieser Profession zu garantieren.

Die Entprofessionalisierung ist also nicht vorangeschritten. Vielmehr wird jetzt, angesichts der kulturellen, ökonomischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Digitalen Transformation – die die Autorin sträflicher Weise nicht in ihre „Analyse“ einbezieht – offensichtlich, wie wenig die Lehrerprofession in der Lage ist, unter echten Arbeitsbedingungen in der offenen Gesellschaft eine entsprechende Dienstleistung zu erbringen. Denn ob einer „als Lehrer“ mit diesen Bedingungen klar kommt, hat nichts mit seiner oder ihrer Qualifizierung oder Zertifizierung zu tun.

Auch ist „pädagogisches Basiswissen“, wie es in Bildungssystemen vermittelt wird, nichts, was einen Menschen dazu befähigen würde, andere erfolgreich bei ihrem Lernen zu begleiten, denn die beiden Disziplinen Pädagogik und Didaktik sind aufgeblähte, selbstreferenzielle Glasperlenspiele, die Lehrern dabei helfen sollen, aus lernenden Menschen Schüler zu machen, die über ihre Schuljahre hinweg den Kontakt zu ihren persönlichen Lernressourcen, und zur Lust am Lernen verlieren. Hier verweise ich gerne noch einmal auf die wunderbar entlarvende und zugleich klärende Stellungnahme von Stephen Downes.

Punkt sechs: „Dabei sind sich längst alle einig, dass ein anspruchsvoller Unterricht von hoher fachlicher und didaktischer Qualität zum Lernerfolg führt.“

Das ist leer. Die Diskussionen im Angesicht der Digitalen Transformation zeigen, dass diese Mischung von „anspruchsvoll“, „Unterricht“, „Fachlichkeit“ und „didaktischer Qualität“ eine Phalanx bunt schillernder Glasperlen ist. „Anspruchsvoll“ ist im Kontext geschlossener Lehr-Lernräume ein leerer Begriff, der von jedem und jeder mit den eigenen Vorstellungen gefüllt werden kann. Ebenso gibt es keinerlei Einigkeit über die Frage, was „Unterricht“ eigentlich im digitalisierten 21. Jahrhundert sein oder werden soll. „Fachlichkeit“, die den Namen verdient, ist überall anders heimischer als in belehrenden Einbahnsystemen, die bis heute den Begriff „Inter- oder Transdisziplinarität“ oder „Kollaboration“ als Kernkompetenz von Professionalität nur aus dem Fernsehen kennen – und Didaktik ist nichts anderes als der Versuch, ein dem menschlichen Lernvermögen systematisch Gewalt zufügendes mentales Dressursystem (das noch immer nach dem dreischichtigen Gesellschaftsmodell der Nachkriegsjahre zu funktionieren hat) irgendwie „messbar“ zu machen.

Punkt sieben: „Mit unausgebildeten Lehrern lässt sich dieses Ziel sicher nicht erreichen.“

Was auch immer sich mit aus- oder unausgebildeten Lehrern erreichen lässt – es hat nichts mit den Kompetenzen zu tun, die wir als Menschen im Digital Age brauchen.

Der Zukunft aus dem Weg gehen.

 

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Ich weiß nicht warum, aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir das Ruder rumreißen können, dass wir die vielen anschwellenden Probleme in den Griff bekommen und vor allem, dass wir Visionen für die Bündelung der Kräfte zusammenkriegen.

Und wenn wir das wollen, dannn müssen wir als erstes aufhören, die jungen Menschen in unserer Mitte zu belehren und zu beschulen. Wir müssen das Mindset verlassen, dass wir, die Generation der Er- und Entwachsenen den kommenden Generationen irgendetwas Zukunftsfähiges zu vermitteln hätten, denn der Konkurs von Natur, Demokratie und Menschenwürde geht auf unsere Kappe und auf deren Kosten. Wir sind es, die sich jetzt bewusst werden müssen, dass wir diesen Planeten mit unserer abgründigen Dekadenz zerstören, und zwar bis in die kleinsten sozialen und ökonomischen Verästelungen hinein, und mit einer Vorstellung von Verantwortung im Gepäck, die das Phänomen dahinter verhöhnt.

Wir halten uns nicht nur Millionen von Menschen als Arbeitssklaven, um uns hier auf diesem kleinen Flecken Europa ein angenehmes Leben zu leisten, wir nehmen mittlerweile auch die jungen Generationen als Geiseln dieses Wohlstands, der derzeit in eine grassierende Reflexionslosigkeit und Denkfaulheit mündet. Und der den Planeten zerstört. Die kulturellen und die ökologischen Lebensgrundlagen.

Die Ignoranz, mit der wir Normalzustand simulieren, ist widerwärtig.

Wir müssen aufhören, den jungen Menschen unter uns etwas als Zukunft zu verkaufen, das keine ist. Schule und Erziehung provozieren keine Zukunft. Sie blähen die Gegenwart auf. Wir müssen lernen, uns zurück- und unsere Hybris herauszuhalten. Unsere Überzeugung, wir wüssten es besser. Wir müssen diese Hybris endgültig ablegen. Als Systeme ebenso wie als erziehende und belehrende Menschen.

Wir müssen ganz grundsätzlich hinhören lernen auf das, was uns an Optionen und Fragen, an Hoffnungen und vor allem an Strategien begegnet aus einer Generation, die wir, die Alten, in fast allen mir zugänglichen Diskursen entwerten als verwöhnt, sicherheitsbedürftig, harmoniesüchtig und „merkwürdig positionslos“.

Dabei sind wir das ja selbst: Die Verwöhnten, die Harmoniesüchtigen, die Ängstlichen, die Hosenscheißer, die Sicherheitsbedürftigen, deren Positionsgehabe sich in Empörung und Biowarenkorb erschöpft – das sind wir. Die Alten. Von links bis rechts. Von Öko bis Kreuzfahrer – alles unsere Bilder, die wir auf die jungen Menschen projizieren, um unser Weltbild aufrecht erhalten zu können.

Wir stehen der Zukunft im Weg. Es ist Zeit, dass wir ihn frei machen und bei denen in die Lehre gehen, denen wir die Zukunft stehlen.