Der Pilot ist tot. Es lebe der Pilot!

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Ein beliebtes Motiv von Katastrophenfilmen in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren Verkehrsflugzeuge, die abzustürzen drohen – etwa weil die Piloten kurzerhand an einer Lebensmittelvergiftung sterben. Was jetzt?

Solche Geschichten spielen einerseits mit dem uralten Mythos des Helden. Irgendjemand an Bord übernimmt nämlich dann das Cockpit und bringt den Flieger zum Landen. Andererseits spielen solche Stories auch mit unserer Angst vor Abhängigkeit – gekoppelt mit Hilf- und Ausweglosigkeit: Wenn du im Flugzeug Platz genommen hast und die Türen geschlossen sind, dann bestimmt bis zu dem Zeitpunkt, wenn sie wieder aufgehen, der Captain über dein Schicksal. Du hast sämtliche Verantwortung abgegeben: Zurück in die Unmündigkeit. Wenn es jetzt heißt: Beide Piloten sind tot, und du oder einer von euch muss die Maschine landen, kommt Panik auf: Das können wir nicht. Jemand muss uns sicher führen!

Digitalisierung heißt: Das alte System wird abstürzen. Also erfinde dich jetzt neu!

Genau an diesem Punkt steht derzeit die Mehrheit von uns im Kontext der Digitalisierung. So erklären sich für mich auch die zahlreichen Angstreaktionen: Das können wir nicht, das funktioniert bei uns nicht. Wir sind dafür nicht gemacht oder ausgebildet. Das stimmt zu 100 Prozent, weil es bisher so war. Nun ist es anders. Wir sind jetzt aufgefordert, uns zu autonomen Selbstlernern (Selbstfliegern) zu entwickeln. Bereits nach den neuen Regeln, obwohl wir oft noch im alten Flugzeug fliegen. Denn der Ernstfall wird eintreten – und zwar für uns alle: Der so genannte „Absturz“ des alten Systems. Gemeint ist damit der vollständige Kulturwandel, der durch die Digitalisierung ausgelöst wurde und vorangetrieben wird.

Wenn ich dieses Bild übersetze, dann bedeutet „Digitalisierung“ für mich ganz persönlich: Ich falle aus der Rolle des Transportierten heraus und finde mich in der Funktion dessen wieder, der sich selbstbestimmt und selbstverantwortlich bewegen lernt. Ich muss selber dafür sorgen, dass ich „vom Fleck komme“. Für diese radikale Veränderung gibt es noch eine andere Metapher. Eine vielleicht sogar positive:

Von der Safari zur Expedition

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Aus meinem aktuellen Buch „Digitalisierung für Nachzügler“. Die Illustration stammt von Melanie Vetterli in Winterthur.

In einer digitalen Kultur gibt es keine „Touristen“ mehr. Keine Menschen, die dafür (u.a. mit ihren Daten) bezahlen, dass ihnen eine faszinierende, fremde Welt vorgeführt wird: In Schule und Hochschule, in Aus- und Weiterbildung, „im Netz“. Diese innere Haltung, mit der sehr viele derzeit noch unterwegs sind: sich führen lassen und konsumieren, die muss sich konsequent weiterentwickeln zur Haltung des Scouts, des Pathfinders, der Kartographin.

Die „Safari“ als postkolonialistisches Vergnügen, geschützt und geführt durch die herrliche Wildnis zu fahren, weicht also der „Expedition“, auf der jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer für das Ganze und sein Gelingen verantwortlich ist.

Offenbar stellt uns die Digitalisierung vor eine große Herausforderung. Wir müssen radikal umdenken und radikal umlernen – und dann auch institutionelles Lernen völlig neu konzipieren.

Die Digitale Transformation fordert von mir eine Besinnung auf radikale Formen der Selbstorganisation. Anders ist Lernen und Arbeiten, anders ist Leben im Digital Age qualitativ nicht mehr zu haben. Nicht als eine Methode unter anderen, sondern als Handlungsprinzip für Mensch und Organisation.

Sehr konkret werde ich diesbezüglich auf meinem Blog:

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Bitte strecken sie auf, wenn sie etwas sagen möchten!

Noch immer fordern lehrende Menschen ganz selbstverständlich, dass sich Schüler*innen per Handzeichen melden, wenn sie einen verbalen Beitrag zum Unterricht leisten möchten. Lehrkräfte erteilen das Wort und entziehen es. Sie versuchen damit eine Führungsfunktion auszuüben und Disziplin in den Laden zu bringen. In Wahrheit führt es dazu, dass Schüler*innen lernen, nicht aufeinander und auf den Verlauf des Prozesses zu achten. Du lernst nie nichts…

Stattdessen lernen sie, dass dafür die Lehrkräfte zuständig sind, die ihnen oder eben ihnen nicht das Wort erteilen. Später sind das dann Vorgesetzte und Vereinsvorstände. Ohne Aufstrecken keine ORDNUNG und keine DISZIPLIN!

Dieses „Aufstrecken“ war etwas vom Ersten, was ich als Lehrer abgeschafft habe. Entsprechend häufig tauchte es in den Rückmeldungen der Lernenden auf:

  • „Das Reden ohne Strecken ist eine sehr gute Methode, alle sich beteiligen zu lassen, weil es viele Lehrer gibt, die nur bestimmte Schüler reden lassen“ (9. Klasse)

In einem Setting, in dem nur bestimmte Menschen reden dürfen, erhalten selbstgeteuerte Wortbeiträge a priori den Charakter von „Störungen“. Dabei gehört es doch in eine soziale Kompetenz hinein, dass ich lerne, einem Gespräch, einem Dialog, einem Diskurs so aufmerksam zu folgen, dass ich meine Beiträge gut und rücksichtsvoll platzieren kann, ohne dabei den Gesprächsverlauf aus den Augen zu verlieren. In zwei Feedbacks aus der neunten Klasse ist dazu zu lesen:

  • „Ebenfalls merkte ich, dass wir, wenn wir nicht [auf-]strecken müssen, eigentlich eine viel ruhigere Klasse sind. Wir hören einander auch besser zu, das fand ich immer sehr positiv im Unterricht.“
  • „Ich fand es sehr gut, dass man nicht [auf-]strecken musste. Dadurch musste man auf die anderen mehr eingehen und ihnen zuhören! Dadurch ist auch eine richtige Diskussion entstanden.“

Und aus einer siebten Klasse kommt folgende Rückmeldung:

  • „Es war auch cool, dass man nicht strecken sollte, denn man redet zu Hause ja auch einfach und streckt nicht. Obwohl man einfach reden kann, ist es kein Durcheinander.“

Und aus einer achten Klasse:

  • „Das mit einfach reden, ohne zu strecken, finde ich gut, weil man da lernt, wann einer fertig geredet hat, und Rücksicht nimmt, nicht einfach dreinredet.“

Wenn ich als Lehrperson meinen Unterricht durch Aufrufen und Handzeichen „dirigiere“, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn außerhalb dieser künstlichen Situation des frontal gesteuerten Meldewesens, zum Beispiel in Gruppenarbeiten, nach kurzer Zeit ein Durcheinander entsteht, in dem keiner auf die andere hört und wild durcheinander geredet wird, wenn das Ganze ziemlich rasch aus dem Ruder läuft, wenn Jugendliche während der Schulzeit die Anliegen und Chancen von „Lernen im Team“ trotz unzähliger sogenannter „Gruppenarbeiten“ nicht wirklich verstanden oder für sich genutzt haben.

Das ist übrigens auch oft der Grund, warum Lehrpersonen von echten Gruppenarbeiten Abstand nehmen. Dabei sehen sie nicht, dass ihr Unterricht die Hauptursache für das Chaos ist, das sie befürchten. Wenn Jugendliche nicht lernen, sich in einfachen, aber durchaus geführten und moderierten Gesprächssituationen am Gespräch selbst und dessen Verlauf zu orientieren, wie sollten sie dann lernen, selbstständig und professionell Gespräche, Dialoge oder gar Diskurse zu führen?

Natürlich gab es mehr als eine Hand voll Schüler*innen, die einige Mühe damit hatten, auf das Aufstrecken zu verzichten. Wir haben das als Lerngemeinschaft locker genommen. Es gab kein „Streckverbot“, denn das hätte ja bedeutet, dass eine Verordnung die andere ablöst. Es dauert halt seine Zeit, bis schlechte Gewohnheiten sich verlieren.

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Diese Zeilen sind ein bearbeiteter Auszug aus meinem Buch „Bildung auf Augenhöhe“.

Bildung auf Augenhöhe

Die Angst vor dem Lernen

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Die beliebteste Erklärung dafür, dass Organisationen und die Menschen in ihr entwicklungsfaul sind, lautet: Sie haben Angst vor Veränderung. Nun ist Angst aber dafür da, um mit ihr umzugehen: um etwas aus und mit ihr zu lernen, um die Kräfte, die mit ihr verbunden sind, nutzbar zu machen. Angst ist vor allem ein Antrieb. Das haben wir gründlich vergessen. Wir haben Angst vor der Angst. Wir lassen uns vor allem von ihr lähmen. Und das, obwohl die Ursachen für lähmende Angst heute so gut wie ausgestorben sind in unseren Breiten.

Wir sind in unseren hochgezüchteten, westlichen Versorgergesellschaften in keinem Moment mehr Gefahren ausgesetzt, die einen Totstell-Reflex von uns verlangen würden. Dennoch praktizieren wir vor allem diesen Reflex: Nicht bewegen, bis alles vorbei ist.

Die Angst vor der Veränderung

Wer keinen Grund sieht, sich und die Umstände, in denen er lebt zu verändern, verändert sich nicht – und auch nicht die Umstände. Soweit alles klar. Damit ist aber noch nicht gesagt, dass er oder sie gleichzeitig verhindern sollte, dass um ihn oder sie herum Entwicklung stattfindet. Warum also sorgen jene Menschen, die sich selbst nicht verändern wollen, dennoch systematisch dafür, dass in ihrem Umfeld Veränderung unterbleibt? Der Grund dafür hat wieder mit Angst zu tun: Wenn ich zulasse oder zumindest nicht verhindere, dass um mich herum Entwicklung möglich wird, dann muss ich mich auch (irgendwann) verändern – und das will ich nicht. Soweit der Status Quo – vor allem dort, wo Führung im Spiel ist. Leadership.

Faul ist nicht gleich untätig: Simulation strengt ziemlich an

Ein weiterer Grund für Entwicklungsfaulheit ist: Ständig entwickelt sich alles überall irgendwie. Da mache ich doch nicht mit. Je mehr sich die Welt und alles in ihr verändert, umso mehr will ich Kontinuität. Mann muss doch nicht jeden Scheiß mitmachen! Deshalb haben wir eine souveräne Strategie entwickelt: Wir simulieren Veränderungsbereitschaft, damit wir „dahinter“ alles beim Alten lassen können. Eine der beliebtesten Simulationen ist übrigens das „Arbeiten bis zum Umfallen“. Das ist eine besonders geschickte Form der Faulheit, denn sie versteckt sich hinter Aktionismus.

Ich habe da so eine Vermutung: Dass all die mehr oder weniger schlüssigen Erklärungen dafür, warum Menschen sich nicht verändern wollen, selber ein Teil dieser Entwicklungsfaulheit sind. Es sind Ausreden auf hohem Niveau. Etwas genauer gehe ich auf unsere Ausredenkultur in diesem Blogpost ein. Wir haben uns mit Erklärungen darüber eingedeckt, warum es völlig normal ist – und deswegen eben auch total ok, dass wir veränderungsscheu sind. Die Begründungen, die wir uns dafür liefern, bilden den Freibrief dafür, um entwicklungsfaul bleiben zu dürfen. Absurder Quatsch – aber hoch effizient.

Die rationalisierte Angst vor dem Lernen

Hinter all diesem Schmierentheater haben wir tatsächlich vor allem Angst. Wir haben Schiss. Nachdem ich jetzt bereits einigen Menschen auf dem Online-Kongress „Spiel dein Leben“ von Anna und Nando Stöcklin zugehört habe, wächst in mir die Vermutung, dass es die Angst vor dem Lernen ist. Die Angst davor, diese gewaltige Macht und auch Lust des Lernens in mir selbst – spielend – wieder zu entdecken, die mir durch einen kulturell definierten Bildungs- und Erziehungsprozess systematisch und gründlich ausgetrieben worden ist.

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Wir haben Angst vor dem Lernen. Einerseits Angst davor, als Erwachsene wieder in diese Strukturen zurückversetzt zu werden, in denen wir als Kinder und Jugendliche „zu lernen“ hatten. Andererseits fürchten wir, an die Energie dahinter erinnert zu werden, die uns einstmals mit dem Leben bekannt machen wollte: Die Lernkraft.

Wir haben Angst vor dem Lernen. Dadurch schneiden wir uns von der einzigen Kraft ab, mit deren Hilfe allein wir einer Chance hätten, diese gewaltigen Herausforderungen anzugehen, vor denen wir heute stehen – und die uns nur deshalb so Angst machen, weil wir verlernt haben zu lernen.

Aus dieser Situation gibt es – wie immer und aus jeder – nur einen Ausweg.

Learning in networks. A sketch of the future of learning

We do not only need new visions, but people who are capable of developing them. That’s why we reinvent education and learning. Not by sort of „new school“, but by something radically different. I call it the „Learning Network“. An idea, that is already realized in many places. Now it’s time to link them. As an alternative to an education system that at least was unable to prevent the planetary catastrophe.

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by Christoph Schmitt
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Graffiti in Lisbon. Photo by Christoph Schmitt

A vision of education requires a vision of society. An idea of ​​how we as a community of people want to live together (or against each other or side by side) – and how we shape it. This is also about organizing – but not only. At the end it’s all about learning.

Our societies have started to change radically. This is indicated by all observations, analyzes, researches and personal experience. These changes are economic, cultural and social. At the same time, we’re running out of natural resources – through your and my actions.

Facing these global urgencies, famous thinkers have called for new ways of thinking and acting. For example Albert Einstein: „You can not solve a problem with the same parameters by which it was caused.“ So the way we organize education and learning to this day is part of the problem – not its solution.

A vision of education requires first a vision of society

How do we come to a sustainable vision of our future that – at the same time – makes those, who share the vision, sustainable? This duplication of sustainability is a key feature of the vision sought: it will not be designed by the few for the many and then „somehow transferred“, that is, re-taught. It will be a vision that consists of many visions, of people who organize themselves in networks around the world for the purpose of saving our natural resources, to conquer the historical, political and economic restrictions and blockages, that prohibit the invention of much needed solutions until this moment.

It will be a vision developed jointly by all those who just live and share it in their place. Most importantly, the atmosphere in which this vision is developed, will already breathe its spirit as it arises. The design of such approaching has been superbly articulated by David Bohm, within his highly up-to-date essay on dialogue, by Carolin Emckes writings on basic civilization, by Rutger Bregmans „Utopien für Realisten“ or by Carlos Strengers „Zivilisierte Verachtung“. These and many other writings are primarily about cultural issues: How do we want and need to talk to each other, how will we treat each other?

Only learning helps

This is where our human core competence is joining the game: learning. The ability – as an individual as well as a collective – not to react to radical demands with „more stupid things“, but to respond with creative solutions: learning.

The fact that we are only just starting to use our creative potential is mainly due to the fact that there are still too many people (actually men) who are convinced that creativity leads to „children dancing about their names“ at Rudolf-Steiner-Schools.

On the contrary, creativity is one of the most important bundles of competence at all: individually as well as collectively – in order to counteract the complex challenges of the present days. We will only be able to handle complexity through creativity, not any more by reducing it.

We will only reach the next cultural stage of humanity if we work together to find solutions for our ecological and anthropological resources – in no other way than through a radical reorganization of our learning – as individuals with our enormous learning potential as well as collectives with our enormous cultural resources.

How to start rethinking

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First, we take societies, cultures and „their“ people as are learning systems. Therefore, we give back the responsibility and organization of all learning to these learning systems.

Second, we finally say goodbye to teaching. That’s a pretty big deal.

What are we going to do instead? The visionary architect and designer Richard Buckminster Fuller has worded a principle of successful future work, which has gained worldwide recognition: „You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolete.“ (Google it). That means: Neither criticism of existing education systems nor the innumerable attempts to reform schools and their didactics lead to changes that meet the challenges we face. What we need is „the new model“ that fortunately already exists in many places.

There are world-wide fascinating alternatives not only to traditional ideas of education and learning. At present, concepts are also being developed for how our resources can be rescued with the help of appropriate research, the networking of highly committed people and the continuous creation of new solutions for ecological, social and economic challenges.

The movie „Tomorrow“ gives a fascinating insight into these initiatives, which are almost without exception „grassroot-movements“ – and these movements can also benefit from  a radically reconsidering and developing of the learning of people. I have featured some of these initiatives over the last two years in my blog posts on linkedIn (google it).

One of the most important features of Learning Networks is that they are always need-based and need-focused: Learning seeks its networks because people of all ages find themselves constantly in situations in which they have a current „need for solutions“ that makes them using a network. The wonderful thing about this is that all people involved with such needs & tasks continue to develop towards mutually responsible solutions. By need or demand I mean on the one hand a precise cause in the life and work of people, and on the other hand the drive to do everything to solve the case – and to develop appropriate competencies and strategies – by using the Learning Network.

And what’s new about the „new learning“?

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Graffiti in Lisbon. Photo by Christoph Schmitt

In the future, learning will be what it has always been: self-organized and self-directed – and not just by those whom we now refer to as pupils and students, but also by those who support them. Learning affects all parties involved. The more we let learning power take effect in the future, the less teaching power will be needed. People who accompany each other on these tracks are no longer state-trained, certified and employed teachers, but everyone & everything else.

Learning, be it children or adolescents, students or people who are continuing their education, will no longer take place in schools but decentralised. People will not go to any school for the purpose of any kind of learning, but will learn where they live, where they work. They will deal with issues and problems that directly affect them. The novelty of new learning goes even further. Organization and support of this learning is no longer delivered by schooling. The pedagogical-didactic construct of institutionalized learning no longer occurs in the future of learning. Schooling as a paradigm has had its day. Instead, we will be learning in networks throughout our lives, just as we are already on our way in networks in many cultural areas: communicating, producing, trading and forming all sizes of interest groups to solve specific problems.

The modeling and implementation of learning networks is an answer to the needs of future people as well as future living and working environments, which otherwise can not be controlled and organized any more than by self-organized learning and working networks. In this respect, the ideas painted here for learning in networks are above all a response to the needs of future generations and their worlds of life.

„Learing Network“ means: Everyone learns and everything learns

Learning cannot be devided into learners here and people being responsible for learning over there. Although schools exactly work this way: While students „learn“ and teachers teach, it’s teachers responsibility how and what students learn. That’s bizarre but still commonplace. The truth ist: „To learn“ is something that is the responsibility of everyone involved into learning – not into teaching.

Our education system is conditioning people in a different direction: My / your / our learning and its organization has always to be organized by any kind of teacher. Therefore, e.g. „Digital Transformation“ in educational contexts ist without exception (!) understood in a way – be it affirmative or negative, favorable or fearful – that teachers and their functions could be „replaced“ by digital media and artificial intelligence („learning analytics“).

In contrast, the idea and culture of Learning Networks is convinced that the responsibility for learning of any kind is currently not delegated. Neither to a teaching profession, nor to intelligent machines. Both are no longer needed in a Learning Network. The idea of ​​the Learning Network leaves the responsibility in the hands of  learners, because in my notion of Larning Network there are only learners.

As long as we define education and learning as events, whose organization we equate and confuse with institutionalized organization, we are unable to grasp or make the crucial difference. Today, when we use terms such as „self-organization“ and „self-organized learning“ in the context of education and schooling, we are primarily targeting pupils, students, and people involved in further education. We focus on learners as a target group of teaching action. We do not include schools or related systems such as teaching professions, school administrations or services from the housekeeping up to the business managementas as learners. Nor do we incorporate the „home systems“ of pupils and students into our idea of ​​self-organized learning: families, circles of friends, the fields of profession.

Teaching systems consider „self-organized learning“ as a method provided by the school system, as a possible way alongside other pedagogically-didactically organized approaches. Why? Because learning, which comes into view in the context of school, is always related to and dependent on teaching activities. It’s always the learning of those who are educated and taught by a school system. Hence we are always talking about learning that is constructed and organized using the parameters of pedagogical-didactic paradigms.

To this day, in our view of learning, we always refer to seemingly limited target groups of „learners“ and hide the systems within they are learning. As if learning from people could take place independently of the systems in which it is embedded – and without consequences for those systems. This idea of ​​learning is wrong and it still forms the basis of all schooling activities.

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Graffiti in Lisbon. Photo by Christoph Schmitt

But it is always systems that learn. Learning is not an isolated activity of individuals. Learning always leads to changes in systems that are always coupled with other systems. Therefore, the results and impacts of learning can not be controlled at all – unless the teaching systems shut off learning. And even then, „scholastic learning“ affects family systems – and vice versa. As soon as children become compulsory, families as systems start to change fundamentally – especially with regard to the way they organize themselves. The same applies to schools: If they are located in so-called „social hotspots“ or if they take in a particularly large number of learners from refugee families, they organize themselves differently than schools that are mostly visited by learners who share a so-called wealthy and „domestic“ background.

A systemically widening concept of learning shows how all participants in learning operations are affected by learning. Those who speak of „self-organized learning“ must realize that they are talking about „learning in systems“ as well as about „learning systems“; and he or she is actually saying that this and all learning is self-organized – and not in an isolated sense, as if every single pupil „would somehow learn to himself.“

How Learning Networks organize

Learning Networks as successors to traditional education systems are conceivably simple ways of organization. They make use of the phenomenon of self-organization at a high level, as has been demonstrated for many years in a great deal of research on this topic. Evidence can be found again in the writings of Felix Frei (Switzerland), Frederic Laloux (Belgium) and Noah Juval Harari (google it).

The ideal organization of  learning is a Network, a Learning Network. Learning explicitly understood as a specific form of linking the known and the unknown through a learning individual. Such a individual can be a human being, a group of people or an organization, which also consists of people and their communications.

Learning is about deliberately controlled and reflected creating, discovering, rejecting, using and linking of resources of any origin and nature in order to solve identified problems – and to identify them as such. What happens in any case is firstly networking and secondly education („formation“). When I look at learning and education as a „networking thing“, the ideal place of learning is not a „school“ but a „node“ in a network. The ideal place for/of learning is a network node.

This place gets its quality for learning people mainly by the density of the network he represents – which means nothing else than this: The place of learning is a network node. It receives its quality for learning people through the node with as many as possible connecting lines (Processes and communications), with as many as possible other nodes in the network. So a network node is not simply „connected to others or not“. Networks are not static but highly dynamic (see Gerald Hüther and Manfred Spitzer for more informations):  „What fires together, wires together“.

Unlike traditional notions of scholastic learning organization, where learners are primarily „cared for“, Learning Networks are real communities in which networking exists solely through the activity of the linked and the linking ones which are the same. This difference is very important for using the network metaphor: I do not „have“ a network other than that I and each individual network partner „fires“ it by using, curating, developing, feeding and expanding it. Networking is not a „state“ but a qualified and qualifying process of networking. Learning Networks maintain stability by being in motion. And this movement is called learning.

So a Learning Network is not something that others could set up and manage for me as a service. It is a way of self-organization. Learning Networks construct and organize their learning architectures themselves.  A learning location („spot“) is independent of preprogrammed, classical teaching-learning infrastructures. Every „learning spot“ does not derive his quality from the geographical spot where a learning person or organization is situated, but rather this way:

The quality & quantity of being linked within a Learning Network, realized and condensed in any geographical location, makes this & every place a learning space.

This is an reversal of the omnipresence of our classical conceptions of institutional „learning places“. In the conception of Learning Networks learning can only be as good as the network and its quality, which is a matter and concern of everyone.

Learning and its organizing in the future means designing and strengthening Learning Networks, which are at the same time learning networks by themselves. Everyone involved in a learning system perceives him- und herselve as an important part of this network, where there are no teachers but only learners. Teaching as a knowledge-transferring function is no longer needed in the Learning Network.

Learning Networks are colearning-spaces based on the culture of coworking and makerspaces, which are fundamentally defined by the sharing of resources (keyword: „sharing economy“): knowledge, experience, time, material, financial resources, human attention etc. „Learning“ is above all organized as sharing resources and needs.

What benefits does this new way of learning bring?

Learning cannot be taught (Klaus Holzkamp), as little as knowledge or knowledge content can be taught (Rolf Arnold). Everything that people in Learning Networks need to support their learning, they will explore by themselves from an appropriate environment that is maximally geared to support discovery learning. This applies to primary school children based on their opportunities and needs, as well as to adults who are continuously educating themselves.

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Prater-Ferris-Wheel, Vienna Photo by Christoph Schmitt

The consistent self-organization of learning and education inside Learning Networks frees up enormous human and physical resources that have hitherto been bonded to the organization, implementation and control of state-mandated educational procedures. In Learning Networks, instead, learning is an act of those who share & shape life and working contexts.

When learning no longer occurs at tightly timed indoor beat in purpose-built buildings, no longer conforming to superior plans that substitute learner’s potential and needs with learning content and learning objectives; when learning becomes aware of its capabilities and needs and conditions, the input of enormous resources for logistics, mobility, organization in families, and for coordination with gainful employment is no longer necessary.

There will be completely new ways in which we organize our own learning, the learning of children, adolescents and adults, so that it takes place either directly in the contexts in which we live or in low-threshold organized „learning communities“, forming and dissolving unspectacular and spontaneous. Every neighborly, cooperative, club or corporate-organized „colearning space“ offers livelier, more creative and situational opportunities for learning than school-based learning inspired by a culture of assessment and selection.

Such Learning Networks expand in terms of needs and solutions to include further dimensions of society and economy. There are – depending on need – other players in the educational game: craftsmen, companies, social and cultural institutions from the Meatspace as well as from cyberspace.

Learning Networks are therefore intensive („active“) and closely linked with actors from science and research. Not in the sense of „teaching“, but in the sense of encounter, exchange, networking and condensation. People who accompany other people in these learning contexts at their own request are, above all, experts in learning: for the unfolding of learning and life processes. They are not experts in teaching, testing and grading.

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The Broken Globe, by Karl Anton Wolf. Vienna: Sigmund-Freud-Park. Photo by Christoph Schmitt

Anyone who prepares or develops a profession will draw on resources in various areas of society, which are part of the Learning Network: from the farmer to the architect, from the nutritionist to the development worker to the representatives of the trades, the Arts and the broad field of digital technologies. The „Neue Oberstufe“ concept, which is currently being successfully developed at ESBZ in Berlin and is linked from there across Europe, is a practical and successful example of this. (google it)

Learning Networks are on the one hand designed as linked learning places in the Meatspace, that is to say in a physical space of life. They settle in places where learning people live. These are e.g. Neighborhoods, studios („Ateliers“) in the sense I outlined in my book „Digitalisieung für Nachzügler“, networks of entrepreneurs, sole proprietors or classic SMEs – or places where people stop in transit: Digital Nomads, Digital Expads, Families or even people learning on the(ir) way.

On the other hand, these networks are shaped by a dense digital networking of local learning spots („colearning spaces“): together with cultural and media professionals, (innovators from the) craft, industry and social organizations. One of the reasons why Learning Networks are connected to social and economic contexts is because they are part of the network. Therefore, Learning Networks are not alternatives or opposites to places of vocational education. They have what it takes to replace traditional education systems.

Such Learning Networks may be supported by parent initiatives that wire together for this purpose. As initiators, however, all bearers of social (not necessarily governmental) responsibility are conceivable to organize such Learning Networks – in diverse composition and with completely different interests, which have at least one thing in common: they link together for the purpose of intensive and sustainable learning.

Last but not least, learning in Learning Networks organizes itself quite naturally and successively in the digital space, which is not a counterpart and no alternative to the analogue space, but its supportive extension and consistent network.

What need does this movement respond to?

It responds to an already increasing movement of self-organizing people and their institutions. The kind of learning that enables us to develop common solutions to the great challenges of the present day is no longer supported in traditional school systems. Too much of the demands on us and our learning have strayed from what the education system has to offer.

Therefore, learning from children and adolescents, from students or people who continue to educate themselves, seeks other paths and places. Already nowadays – increasingly supported by the Digital Space. People will stop visiting schools and colleges to learn. And the novelty of this „new learning“ goes even further: The Organizing of all learning business will no longer relate to the scholastic tradition. The pedagogical-didactic construct of institutionalized learning will not occur in the future. „Schooling“ as a concept has served its purpose. It’s all about networking now.

On the one hand, the upcoming of Learning Networks is already a reaction to the emergence of new ideas, practices and needs, how people organize themselves, their work, their relationships and their (self-) care. On the other hand, Learning Networks are increasingly becoming possible because of that.

Learning Networks are our answer to the increasing need to organize life ourselves – in whatever „ways“. Through learning networks we enable ourselves and each other to tackle the increasingly complex challenge called „future“ in a sustainable and enjoyable way.

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Bildung, die schmeckt – neue Trends und attraktive Formen

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Die plusbildung-Tagung in Morschach bot den Teilnehmenden einen einführenden Einblick in die schier unbegrenzten Möglichkeiten für Zusammenarbeit, Vernetzung und Lernen in Zeiten der Digitalisierung – eine Entwicklung, die fasziniert, herausfordert, aber auch überfordert und polarisiert.

Eine Wahrnehmung stand am Anfang: Die Bildungswelt befindet sich stark im Umbruch und kreiert neue Trends und digitale Formen der Bildung. Was damit aber genau verbunden ist, und welche Perspektiven sich daraus für die eigene Bildungsarbeit ergeben – mit diesen Fragen setzte sich die Tagung vertiefter auseinander.

Die Einführung durch den Fachreferenten Christoph Schmitt machte schnell einmal klar, dass es beim Thema neue Formen von Bildung bzw. Digitalisierung nicht einfach um die Anwendung dieses neuen Sozialen Mediums oder jenes zusätzlichen elektronischen Tools geht, sondern dass mit der Digitalisierung ein gravierender kultureller Wandel verbunden ist. Auf den Punkt bringen lässt sich diese Veränderung vielleicht im Ausdruck „Netzwerkkultur“.

Demnach wird man als Anbieter einer Dienstleistung oder eines Bildungsangebots künftig ungleich stärker als bislang gefordert sein, in Kooperationen zu denken und sich mit anderen Partnern analog oder digital zu vernetzen. Bezogen auf Bildungsangebote zeichnet sich dabei ab, dass die digitale Kultur sich weg entwickelt von geplanten, gesteuerten, klar nachvollziehbaren und strukturierten Angeboten, hin zu gleichberechtigten, kooperativen, mitgestalteten, individuell-offenen Angeboten des vernetzten Lernens. In der Konsequenz sind für Bildungsanbieter damit längerfristige Herausforderungen des Umdenkens und der kulturellen Veränderung verbunden, welche sich nicht von einem Tag auf den anderen bewerkstelligen lassen.

Die Tagung zeigte aber mögliche erste, gangbare Schritte in die digitale Welt auf: etwa durch den Aufbau einer E-Plattform oder eines WiKi, durch einen Blog oder Podcast, mit einigen Tipps zu Tools, mit denen sich verstärkt online arbeiten und mit Gleichgesinnten vernetzen lässt – oder gar mit dem Versuch, einen Online-Bildungskurs (MOOC) zu skizzieren.

Wie weit man sich in die digitale Welt hineingeben und vertiefen möchte, bleibt aber auch in Zeiten der Digitalisierung stets der Abwägung und Entscheidung jedes einzelnen anheimgestellt.

(Aus dem Newsletter von plusbildung)

Lernen in Netzwerken. Eine Skizze zur Zukunft des Lernens

Wir brauchen nicht bloß neue Visionen, sondern Menschen, die fähig sind, welche zu entwickeln. Deshalb werden wir Bildung und Lernen neu erfinden. Keine „neue Schule“, sondern etwas radikal Anderes. Ich nenne es das Lern-Netzwerk. Diese Idee keimt bereits an vielen Orten. Das Internet ist ein beredter Zeuge dafür. Jetzt ist es Zeit, diese Initiativen zu vernetzen. Als Alternative zu einem Bildungssystem, das die aufziehende planetare Katastrophe zumindest nicht zu verhindern wusste.

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Ein Beitrag von Christoph Schmitt
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Graffiti in Lissabon. Foto: Christoph Schmitt

Eine Vision von Bildung setzt eine Vision von Gesellschaft voraus. Eine Vorstellung davon, wie wir als Gemeinschaft von Menschen miteinander (oder gegeneinander oder nebeneinander her) leben wollen – und wie wir dieses „Leben“ gestalten. Das hat auch mit Organisieren zu tun. Es erschöpft sich aber nicht im Organisieren. Es geht dabei vor allem um Lernen.

Unsere Gesellschaften haben begonnen, sich radikal zu verändern. Darauf weisen alle Beobachtungen, Analysen, Forschungen und persönlichen Erfahrungen hin. Diese Veränderungen sind ökonomisch, kulturell und sozial. Gleichzeitig reduzieren sich unsere natürlichen Lebensgrundlagen dramatisch und unumkehrbar – und zwar durch menschliches, also durch dein und mein Handeln.

Angesichts dieser globalen Dringlichkeiten rufen wache Denker schon länger danach, radikal neue Formen des Denkens und des Handelns zu entwickeln.

Stellvertretend sei ein Diktum Albert Einsteins genannt: Du kannst ein Problem nicht mit denselben Parametern lösen, durch die es entstanden ist. Die Art, wie wir Bildung und Lernen bis heute organisieren, ist Teil des Problems – nicht seiner Lösung.

Eine Vision von Bildung braucht eine Vision von Gesellschaft

Wie kommen wir zu einer Vision, die zukunftsfähig ist und die zugleich jene, die diese Vision haben, zukunftsfähig macht? Diese Verdoppelung ist ein entscheidendes Merkmal der gesuchten Vision: Das wird keine sein, die von Wenigen für Viele entworfen wird und dann „irgendwie vermittelt“, also wieder gelehrt. Es wird eine Vision sein, die aus vielen Visionen besteht, von Menschen, die sich zum Zwecke der Rettung unserer natürlichen Lebensgrundlagen weltweit in Netzwerken organisieren, um auf diese Weise die bis heute gegebenen historischen, politischen und ökonomischen Einschränkungen und Blockaden zur Erfindung dringend benötigter Lösungen überwinden.

Es wird eine Vision sein, die von all jenen gemeinsam entwickelt wird, die sie an ihrem Ort und an ihrer Stelle umsetzen und leben. Und am wichtigsten: Die Atmosphäre, in der diese Vision entwickelt wird, wird bereits ihren Geist atmen, noch während sie entsteht. Zur Gestaltung solcher Prozesse haben sich auf hervorragende Weise geäußert: Stephan Lessenich mit seinen Reflexionen über die „Externalisierungsgesellschaft“, Harald Welzer in seinen gesellschaftskritschen Schriften, David Bohm mit seiner nach wie vor hoch aktuellen Schrift über den Dialog, Carolin Emckes Schriften über zivilisatorische Grundwerte, Rutger Bregmans „Utopien für Realisten“, Carlos Strengers „Zivilisierte Verachtung“ u.v.m. In diesen und vielen anderen Schriften geht es in erster Linie um kulturelle Fragen: Wie wollen und müssen wir miteinander sprechen, wie miteinander umgehen? Wie kommen wir ins Handeln?

Nur Lernen hilft

Hier kommt nun die (nicht eine, sondern die) menschliche Kernkompetenz ins Spiel: Lernen. Die Fähigkeit – als Individuum ebenso wie als Kollektiv – auf radikale Anforderungen und auf scheinbar Unüberwindliches nicht mit „mehr Desselben“ zu reagieren, sondern mit kreativen Lösungen zu antworten.

Dass wir bei der Nutzung dieses kreativen Potenzials erst ganz am Anfang stehen, hängt vor allem damit zusammen, dass an den Schaltstellen von Politik, Ökonomie und Bildung noch immer viel zu viele Menschen (eigentlich Männer) sitzen, die davon überzeugt sind, „Kreativität“ sei, wenn Kinder in Waldorfschulen ihren Namen tanzen.

Dabei ist Kreativität eines der wichtigsten Kompetenzbündel überhaupt für die so genannte „kombinatorische Innovation“ – individuell wie kollektiv, um den komplexen Herausforderungen der Gegenwart etwas entgegen setzen zu können. Komplexität bekommen wir heute und in Zukunft nur über Kreativität in den Griff – nicht mehr länger über Komplexitätsreduktion, die unsere Probleme ja erst hervorgebracht hat.

Eine nächste kulturelle Stufe der Menschheit erreichen wir, wenn wir gemeinsam nach Zukunftslösungen für unsere ökologischen und anthropologischen Lebensgrundlagen forschen und sie möglich machen: Im Denken, im Vorstellen, im Handeln und im Organisieren. Deshalb werden wir unser Lernen radikal neu organisieren – als Individuen mit unserem enormen Lernpotenzial ebenso wie als Kollektive mit unseren enormen kulturellen Ressourcen.

Womit das Umdenken beginnt

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Erstens: Gesellschaften, Kulturen und „ihre“ Menschen sind lernende Systeme. Deshalb geben wir die Verantwortung und die Organisation allen Lernens an diese lernenden Systeme zurück.

Zweitens: Auf dem Hintergrund dieser Erkenntnis verabschieden wir uns endgültig von lehrenden Systemen.

Wie gehen wir vor? Der visionär denkende Architekt, Konstrukteur und Designer Richard Buckminster Fuller hat ein Prinzip für Prozesse erfolgreicher Zukunftsarbeit formuliert, das weltweite Bekanntheit erlangt hat: „You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolete.” (google it).

Ich übersetze dieses Prinzip so, dass weder Kritik an bestehenden Bildungssystemen noch die unzählbaren Reformversuche von Schulen und ihrer Didaktik zu Veränderungen führen, die den Herausforderungen, vor die wir gestellt sind, gerecht werden können. Was wir brauchen, ist das neue Modell, das glücklicherweise vielerorts schon existiert.

Es gibt weltweit faszinierende Alternativen nicht nur zu traditionellen Formen von Bildung und Lernen. Es entstehen derzeit auch Konzepte, wie unsere Lebensgrundlagen mithilfe entsprechender Forschung, durch Vernetzung hoch engagierter Menschen und durch ein pausenloses, digital vernetztes Kreieren immer neuer Lösungsansätze für ökologische, soziale und ökonomische Probleme vor Ort gerettet werden können.

Der Film „Tomorrow“ gibt einen faszinierenden Einblick in diese Initiativen, die fast ausnahmslos „grassroot-movements“ sind. Von diesen Bewegungen profitieren auch Überlegungen, wie das Lernen und die Bildung des Menschen radikal neu entwickelt werden können. Einige dieser Initiativen habe ich im Verlauf der letzten zwei Jahre in meinen Blog-Posts auf linkedIn und auf lebendiglernen.ch vorgestellt (google it).

Eine der wichtigsten Eigenschaften dieser Lern-Netzwerke ist: Sie sind jederzeit bedarfs- und bedürfnisorientiert: Das Lernen sucht sich seine Netzwerke, weil Menschen jeden Alters sich ständig in Situationen finden, in denen sie einen konkreten „Bedarf an Lösungen“ haben, die sie mithilfe eines Netzwerks entwickeln. Das Wunderbare daran ist: Alle, die in solche Prozesse verwickelt sind, entwickeln dadurch bei sich selbst kontinuierlich die Kompetenz, mit anderen zusammen Lösungen zu finden. Mit „Bedarf“ ist hier ein konkreter Anlass in der Lebens- und Arbeitswelt von Menschen gemeint. „Bedürfnis“ hingegen meint den Antrieb, alles zum Lösen eines mit einem konkreten Bedarf verbundenen Bündels von Herausforderungen und Problemen zu tun – und dafür die entsprechenden Kompetenzen und Strategien zu entwickeln – in einem „Lern-Netzwerk“, das sich dadurch definiert, dass es ein „Netzwerk aus Netzwerken“ ist. So funktionieren bereits heute „Freie Schulen„.

Was ist das Neue am neuen Lernen?

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Graffiti in Lissabon. Foto: Christoph Schmitt

Lernen wird in Zukunft das sein, was es immer war: selbstorganisiert und selbstgesteuert – und zwar nicht nur das Lernen derer, die wir heute als Schülerinnen, Schüler und Studierende bezeichnen, sondern auch das Lernen derer, die sie dabei unterstützen. Lernen betrifft nämlich alle Beteiligte. Je mehr wir in Zukunft Lernkräfte wirksam werden lassen, umso weniger werden Lehrkräfte benötigt. Menschen, die sich dabei gegenseitig begleiten, sind keine staatlich ausgebildeten, zertifizierten und angestellten Lehrpersonen mehr, sondern alles andere.

Lernen, sei es das von Kindern und Jugendlichen, von Studierenden oder Menschen, die sich weiterbilden, wird in Zukunft nicht mehr in Schulen stattfinden, sondern dezentral, denn Netzwerke haben keine Zentren mehr. Sie folgen sehr anpassungsfähigen, offenen und dezentralisierten Strukturen (Manuel Castells). Menschen werden zum Zwecke jeder Art von Lernen keine Schulen mehr aufsuchen, sondern dort lernen, wo sie leben, wo sie arbeiten. Sie werden sich mit Themen und Problemen befassen, die sie unmittelbar angehen. Das Neue am neuen Lernen geht aber noch weiter. Die Organisation und Begleitung dieses Lernens findet nicht mehr in Form von Beschulung statt. Das pädagogisch-didaktische Konstrukt institutionalisierten Lernens kommt in der Zukunft des Lernens nicht mehr vor. Beschulung als Paradigma hat ausgedient. Stattdessen werden wir zeitlebens in Netzwerken lernen, so, wie wir bereits heute in etlichen kulturellen Bereichen in Netzwerken unterwegs sind: kommunizieren, produzieren, Handel treiben und Interessensgruppen jeglicher Größe bilden, um konkrete Probleme zu lösen.

Die sukzessive Modellierung und Umsetzung von Lern-Netzwerken ist eine Antwort auf die Bedürfnisse sowohl zukünftiger Menschen als auch zukünftiger Lebens- und Arbeitswelten, die anders gar nicht mehr gesteuert und organisiert werden können als durch selbstorganisierte Lern- und Arbeitsnetzwerke. Insofern sind die hier formulierten Ideen zum Lernen in Netzwerken vor allem eine Antwort auf die Bedürfnisse zukünftiger Generationen und ihrer Lebenswelten.

Die reflexiven Grundlagen zum Begriff „Netzwerk“ habe ich vor allem in der Auseinandersetzung mit den Publikationen von Anja C. Wagner gefunden. Ihr verdanken wir nicht nur die Aufarbeitung des Netzwerk-Begriffs von Manuel Castells. Sie macht diese innovative Form des Netzwerk-Paradigmas unermüdlich anschlussfähig an die Zukunftsdiskussionen zu Bildung, Arbeit und Gesellschaft. Zum Beispiel hier.

Lern-Netzwerk bedeutet: Alle lernen und alles lernt

Lern-Netzwerke als eine neue Kultur zu verstehen setzt voraus, dass ich die Gestaltung eines Lernprozesses als etwas begreife, das in der Verantwortung aller liegt, die daran beteiligt und darin verwickelt sind.

Unser Bildungssystem konditioniert Menschen bis heute systematisch in eine andere Richtung: Für mein/dein/unser Lernen und seine Organisation ist immer „eine Organisation“ und sind immer irgendwie geartete Lehrpersonen zuständig. Also andere als der und die Lernende. Aus diesem Grund wird z.B. „Digitalisierung“ in Bildungskontexten ausnahmslos (!) so verstanden, sei es zustimmend oder ablehnend, befürwortend oder befürchtend, dass Lehrkräfte und ihre Funktionen durch digitale Medien und Künstliche Intelligenz („Learning Analytics“) „ersetzt“ werden könn(t)en. Keiner kommt auf die Idee, dass die Lernenden selbst diese Funktionen übernehmen. Keiner. Das traditionelle Bildungssystem und seine VertreterInnen geht also ganz selbstverständlich davon aus, dass Lernen jeweils „von außen“ gesteuert, motiviert, organisiert, kontrolliert und bewertet wird. Mal von Menschen, mal von Künstlicher Intelligenz.

Im Unterschied dazu ist die Idee und die Kultur von Lern-Netzwerken davon überzeugt, dass die Verantwortung für Lernprozesse jeglicher Art gerade nicht delegiert wird. Weder an eine lehrende Profession, noch an intelligente Maschinen. Im Lern-Netzwerk braucht es beide nicht. Die Idee vom Lern-Netzwerk belässt die Verantwortung in den Prozessen selbst und bei den Lernenden, weil es in dieser Vorstellung von Netzwerk nur Lernende gibt.

Solange Bildung und Lernen in unseren Köpfen Veranstaltungen sind, deren Organisation wir mit institutionalisierter Organisation gleichsetzen und verwechseln, sind wir nicht in der Lage, den entscheidenden Unterschied zu begreifen und zu machen. Wenn wir heute im Kontext von Bildung und (Hoch-)Schule überhaupt Phänomene wie „Selbstorganisation“ und „selbstorganisiertes Lernen“ in Erwägung ziehen, dann zielen wir damit vor allem auf das Lernen von Schülerinnen, Schülern, Studierenden und Menschen in der beruflichen Weiterbildung. Wir nehmen auch dort, wo wir „selbstorganisiertes Lernen“ für möglich erachten, Lernende als eine Zielgruppe lehrenden Handelns in den Blick. Die „Organisation Schule“ oder mit ihr verwandte Systeme zählen wir nicht zur Gruppe der Lernenden. Auch nicht weitere AgentInnen der Schulsysteme wie lehrende Berufe, Schulleitungen, Schulverwaltungen oder flankierende Dienste von der Hauswartung bis hin zur betriebswirtschaftlichen Führung. Auch beziehen wir die „Heimatsysteme“ von Schülerinnen, Schülern und Studierenden nicht in unsere Vorstellung von selbstorganisiertem Lernen mit ein: Familien, Freundeskreise, das berufliche Umfeld.

Lehrende Systeme betrachten „selbstorganisiertes Lernen“ – wenn sie es überhaupt in den Blick nehmen – als eine vom Schulsystem zur Verfügung gestellte Methode, als einen möglichen Weg neben anderen pädagogisch-didaktisch organisierten Zugängen. Warum? Weil das Lernen, das im Kontext von Schule in den Blick kommt, ein Lehr-Lernen ist und damit schulisch organisiert. Es ist das Lernen derer, die das Schulsystem beschult und unterrichtet. Lehrende Systeme sprechen also immer, wenn sie von Lernen reden, über etwas, das mit Hilfe der Parameter pädagogisch-didaktischer Paradigmen konstruiert und organisiert wird.

Diesen Irrtum haben alle ganz selbstverständlich übernommen, die in einer Schule „lernen gelernt haben“. Bis heute beziehen wir uns in unserer Auffassung von Lernen immer auf eine scheinbar eingegrenzte Zielgruppe von „Lernenden“ und blenden die Systeme, innerhalb derer diese Menschen lernen, aus. Als ob das Lernen von Menschen unabhängig von den Systemen stattfinden könnte, in die es eingebettet ist –  und zwar in einer merkwürdig folgenlosen Weise für diese Systeme. Diese Vorstellung von Lernen ist falsch. Sie bildet aber bis heute die Grundlage alles schulischen Handelns an und mit lernenden Menschen.

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Graffiti in Lissabon. Foto: Christoph Schmitt

Nun sind es aber immer Systeme, die lernen. Lernen ist nicht einfach Lernen von Individuen. Lernen führt immer auch zur Veränderung von Systemen, die immer auch mit anderen Systemen gekoppelt sind. Deshalb lassen sich die Folgen von Lernen gar nicht kontrollieren – außer, die Lehr-Systeme schotten das Lernen ab und organisieren es als eine Funktion von Lehren. Und selbst dann wirkt sich „schulisches Lernen“ auf familiäre Systeme aus und wirkt in sie hinein und verändert sie – und umgekehrt. Sobald Kinder schulpflichtig werden, verändern sich Familien(systeme) grundlegend – vor allem hinsichtlich der Art, wie sie sich selbst organisieren. Auch für Schulen gilt: Wenn sie in so genannten „sozialen Brennpunkten“ beheimatet sind, bzw. wenn sie besonders viele Lernende aus geflüchteten Familien aufnehmen, organisieren sie sich selbst anders als Schulen, die mehrheitlich von Lernenden besucht werden, die aus sogenannt wohlhabenden und „inländisch geordneten“ („geordnet“ durchaus im Sinne von „organisiert“) Verhältnissen stammen.

Ein systemisch geweiteter Begriff von Lernen zeigt, dass und wie alle an Lernprozessen Beteiligte davon betroffen sind. Alles andere ist ein Lernen, das um genau jene Aspekte reduziert ist, die es als Lernen von Menschen qualifizieren würden. Wer also von „selbstorganisiertem Lernen“ spricht, muss sich darüber klarwerden, dass er oder sie damit über Lernen in Systemen spricht, und zugleich über Lernen von Systemen; und er oder sie sagt damit recht eigentlich, dass dieses und damit alles Lernen selbstorganisiert ist – und zwar gerade nicht in einem isolierten Sinne, so als ob jedeR einzelne SchülerIn „irgendwie vor sich hin lernen“ würde.

Wie sich Lern-Netzwerke organisieren

Lern-Netzwerke als Nachfolgerinnen traditioneller Bildungssysteme sind denkbar einfache Formen der Organisation. Sie machen sich auf hohem Niveau das Phänomen der lebensweltlichen und systemisch wirkenden Kräfte von Selbstorganisation zunutze, wie sie seit vielen Jahren in etlichen Forschungen zu diesem Thema nachgewiesen werden. Belege dazu finden sich erneut bei Felix Frei, Frederic Laloux und Noah Juval Harari (google it).

Die ideale Organisationsform dieses Lernens ist ein Netz, ein Lern-Netzwerk. Lernen wird hier ausdrücklich als eine bestimmte Form der Vernetzungsarbeit von Bekanntem, Gewusstem, Unbekanntem, Halb- und Dreiviertelwahrem durch ein lernendes Subjekt verstanden. So ein Subjekt kann ein Mensch sein, eine Gruppe von Menschen oder eine Organisation, die ja auch aus Menschen und deren Kommunikationen besteht.

Lernen ist bewusst gesteuertes und reflektiertes Schaffen, Auffinden, Verwerfen, Nutzen und Vernetzen von Ressourcen jeglicher Herkunft und Art, um identifizierte Probleme zu lösen, und um sie als solche überhaupt identifizieren zu können. Was dabei in jedem Fall geschieht, ist erstens Vernetzung und zweitens Bildung. Wenn ich Lernen und Bildung jetzt noch als „Vernetzungsarbeit“ betrachte, als Lern-Arbeit an und in Netzwerken, dann ist der gesuchte Lernort keine Schule, sondern ein Knotenpunkt in einem Netzwerk. Der ideale Lernort ist ein Netzwerk-Knoten.

Seine Qualität für lernende Menschen bekommt dieser Netzwerk-Knoten vor allem durch die Dichte des Netzes, das er an dieser Stelle repräsentiert, was nichts Anderes heißt als dies: Ein Lernort als Netzwerk-Knoten erhält seine Qualität für lernende Menschen dadurch, dass der Knoten möglichst viele Verbindungslinien (Prozesse und Kommunikationen) mit möglichst vielen anderen Knoten im Netzwerk aufweist, wenn lernende Menschen „feuern“. Ein Netzwerk-Knoten ist also nicht einfach „mit anderen verbunden oder nicht“. Netzwerke sind nicht statisch, sondern hoch dynamisch (vgl. G. Hüther und M. Spitzer). „What fires together, wires together“: Was gemeinsam feuert, vernetzt sich dadurch.

Im Unterschied zu herkömmlichen Vorstellungen schulischer Lernorganisation, wo Lernende in erster Linie „versorgt werden“, sind Lern-Netzwerke echte Communities, in denen Vernetzung ausschließlich durch die Aktivität der sich Vernetzenden existiert. Dieser Unterschied ist für die Verwendung der Netzwerk-Metapher sehr wichtig. Ein Netzwerk „habe“ ich nicht anders, als dass ich und jedeR einzelne Netzwerk-PartnerIn es befeuert, indem wir es nutzen, kuratieren, entwickeln, füttern und erweitern. Vernetzung ist kein Zustand, sondern ein qualifizierter und qualifizierender Prozess des Vernetzens. Stabilität erhalten (alle, nicht nur) Lern-Netzwerke dadurch, dass sie in Bewegung sind. Diese Bewegung ist Lernen.

Ein Lern-Netzwerk ist also nichts, das andere im Sinne einer Dienstleistung für mich einrichten und bewirtschaften könnten. Es ist eine Form der Selbstorganisation. Lern-Netzwerke konstruieren und organisieren ihre Lern-Architekturen selbst und aus sich selbst heraus. Ein Lernort ist hier unabhängig von vorprogrammierten, klassischen Lehr-Lern-Infrastrukturen. Er bezieht seine Qualität nicht aus dem geographischen Ort, an dem ein Mensch oder eine Organisation lernt, sondern so:

Durch den Grad der Vernetzung mit einem Lern-Netzwerk, die sich an jedem geographischen Ort realisieren oder kondensieren kann, wird ein konkreter physischer Ort zu einem Lern-Ort.

Dies ist eine exakte Umkehr der Vorzeichen gegenüber unseren klassischen Vorstellungen institutioneller „Lernorte“. Lernen kann in der Vorstellung vom Lern-Netzwerk immer nur so gut sein, wie das Netz und seine Qualität, das eine Sache und ein Anliegen aller ist – und nicht weniger dafür zuständig Gemachter.

Lernen und das Organisieren dieses Lernens bedeutet in Zukunft die Gestaltung und Verstärkung von Lern-Netzwerken, die zugleich lernende Netzwerke sind. Alle am Lernen eines Systems beteiligte Menschen nehmen sich als Teil dieses Netzwerkes wahr, in dem es keine Lehrende, sondern nur Lernende gibt. Das Lehren als eine unterrichtende und wissensvermittelnde Funktion wird im Lern-Netzwerk nicht mehr gebraucht.

Lern-Netzwerke sind Colearning-Spaces, angelehnt an die Kultur der Coworking- und Makerspaces, die sich ganz fundamental durch das Teilen von Ressourcen definieren (Stichwort: „sharing economy“): Wissen, Erfahrung, Zeit, Material, finanzielle Mittel, menschliche Zuwendung u.v.m. „Lernen“ ist hier vor allem organisiert als Teilen von Ressourcen und Bedürfnissen.

Welchen Nutzen bringt diese neue Form von Lernen?

Lernen kann ebenso wenig gelehrt werden (Klaus Holzkamp), wie Wissen oder Wissensinhalte gelehrt werden können (Rolf Arnold). Alles, was Menschen in Lern-Netzwerken an Unterstützung für ihr Lernen brauchen, holen sie sich selbst in und aus einer entsprechenden Umgebung, die maximal darauf ausgerichtet ist, entdeckendes Lernen zu unterstützen. Das gilt für Kinder im Grundschulalter bezogen auf ihre Möglichkeiten und Bedürfnisse ebenso wie für Erwachsene, die sich kontinuierlich weiterbilden.

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Prater-Riesenrad, Wien. Foto: Christoph Schmitt

Durch die konsequente Selbstorganisation von Lernen und Bildung in Lern-Netzwerken werden enorme menschliche und materielle Ressourcen frei, die bisher in die Organisation, Durchführung und Kontrolle staatlich verordneter Bildungsprozesse investiert werden. In Lern-Netzwerken ist Lernen hingegen ein Vollzug derer, die Lebens- und Arbeitskontexte teilen, die diese Kontexte gestalten und organisieren.

Wenn das Lernen nicht mehr zu fest getakteten Zeiten in geschlossenen Räumen in dafür errichteten und unterhaltenen Gebäuden stattfindet, nicht mehr nach vorgesetzten Plänen, in denen die Potenziale und Bedürfnisse Lernender durch Lerninhalte und Lernziele ersetzt sind, wenn das Lernen sich seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen und Bedingungen entsprechend entfalten kann, dann entfällt auch der Einsatz enormer Ressourcen für Logistik, Mobilität, Organisation in Familien, und für die Koordination mit Erwerbsarbeit.

Es entstehen völlig neue Möglichkeiten, wie wir (selbst) das eigene Lernen, das Lernen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen organisieren, so dass es entweder direkt in den Kontexten stattfindet, in denen wir leben, oder in niederschwellig organisierten Formen von „Lern-Gemeinschaften“, die sich relativ unspektakulär und spontan bilden und wieder auflösen können. Jeder noch so improvisierte nachbarschaftlich, genossenschaftlich, vereinsmäßig oder von einer Unternehmensplattform organisierte „Colearning-Space“ bietet lebendigere, kreativere und situationsgerechtere Möglichkeiten des Lernens, als schulisch kaserniertes, von einer Kultur der Bewertung und Selektion angetriebenes Lehrlernen.

Solche Lern-Netzwerke erweitern sich bedarfs- und lösungsorientiert um weitere Dimensionen von Gesellschaft und Ökonomie. Es kommen – je nach Bedarf – weitere Player ins Lernspiel: Handwerker, Unternehmen, soziale und kulturelle Einrichtungen aus dem Meatspace ebenso wie aus dem Cyberspace.

Lern-Netzwerke sind also intensiv („aktiv“) und dicht vernetzt mit Agierenden aus Wissenschaft und Forschung. Nicht im Sinne von „Lehre“, sondern im Sinne von Begegnung, Austausch, Vernetzung und Verdichtung. Menschen, die andere Menschen in diesen Lernkontexten auf deren eigenen Wunsch hin begleiten, sind vor allem Expertinnen und Experten für Lernen: für das Entfalten von Lern- und Lebensprozessen. Sie sind keine Experten für Unterrichten, Prüfen und Benoten.

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The Broken Globe, by Karl Anton Wolf. Wien: Sigmund-Freud-Park. Foto: Christoph Schmitt

Wer sich auf einen Beruf vorbereitet oder sich weiterbildet, greift auf Ressourcen in vielfältigen gesellschaftlichen Bereichen zurück, die ein Teil des Lern-Netzwerks sind: Von der Landwirtin über die Architektin, von der Ernährungswissenschaftlerin über die Entwicklungshelferin bis hin zu Vertreterinnen des handfesten Handwerks, der Künste und aus dem weiten Feld der Digitaltechnologien. Das Konzept „Neue Oberstufe“, das zurzeit an der ESBZ erfolgreich entwickelt wird und sich von dort aus europaweit vernetzt, ist ein konkretes und gelungenes Beispiel dafür.

Lern-Netzwerke gestalten sich einerseits als vernetzte Lernorte im Meatspace, sprich an einem physischen Lebensort. Sie siedeln sich an Orten an, wo lernende Menschen leben. Das sind z.B. Nachbarschaften, Ateliers in dem Sinne, wie ich sie in meinem Buch „Digitalisierung für Nachzügler“ skizziert habe, Netzwerke von Entrepreneurs, Einzelunternehmen oder klassischen KMU – oder es sind Orte, an denen Menschen auf der Durchreise Halt machen: Digital Nomads, Digital Expads, Familien oder überhaupt lernende Menschen unterwegs.

Andererseits gestalten sich diese Netzwerke durch eine dichte digitale Vernetzung der lokalen Lernorte untereinander und mit relevanten PartnerInnen: Kultur- und Medienschaffende, (Innovatoren aus dem) Handwerk, Industrie und sozialen Organisationen. Lernnetzwerke sind unter anderem deshalb anschlussfähig an gesellschaftliche und ökonomische Kontexte, weil diese ja Teil des Netzwerks sind. Deshalb sind Lern-Netzwerke auch keine Alternativen oder Gegensätze zu Orten der Berufsausbildung. Sie haben das Zeug, um an die Stelle traditioneller Ausbildungssysteme zu treten.

Solche Lern-Netzwerke können von Eltern-Initiativen getragen sein, die sich zu diesem Zweck zusammenfinden. Als InitiantInnen sind jedoch sämtliche Träger gesellschaftlicher (nicht unbedingt staatlicher) Verantwortung denkbar, um solche Lern-Netzwerke zu organisieren – in vielfältiger Zusammensetzung und mit völlig unterschiedlichen Interessen, die mindestens eines gemeinsam haben: Sie sind zu Zwecken intensiven und nachhaltigen Lernens miteinander vernetzt. Und wo juristische Strukturen von Vorteil sind, gibt es bereits heute vielfältige Möglichkeiten einer solchen Selbstorganisation – wo nötig – das entsprechende Format zu geben.

Nicht zuletzt organisiert sich Lernen in Lern-Netzwerken ganz selbstverständlich und sukzessive auch im digitalen Raum, der kein Gegenüber und keine Alternative zum analogen Raum ist, sondern dessen unterstützende Erweiterung und konsequente Vernetzung.

Auf welches Bedürfnis reagiert diese Entwicklung?

Sie reagiert auf eine schon jetzt zunehmende Selbstorganisation von Menschen und ihren Institutionen. Das Lernen, mit dem wir uns befähigen, für die großen Herausforderungen der Gegenwart gemeinsame Lösungen zu entwickeln, findet in herkömmlichen schulischen Systemen keine Unterstützung mehr. Zu sehr haben sich die Anforderungen an uns und unser Lernen von dem entfernt, was das Bildungssystem zu bieten hat.

Deshalb sucht sich das Lernen von Kindern und Jugendlichen, von Studierenden oder Menschen, die sich weiterbilden, ganz von selbst andere Wege und Orte. Bereits heute – zunehmend unterstützt durch den Digital Space. Menschen werden keine Schulen und Hochschulen mehr aufsuchen um zu lernen. Das Neue am neuen Lernen geht aber noch weiter.

Die Organisation dieses Lernens wird ebenfalls nicht mehr in schulischen Formen daherkommen, sondern als Netzwerk. Das pädagogisch-didaktische Konstrukt institutionalisierten Lernens wird in der Zukunft nicht mehr vorkommen. „Beschulung“ als Konzept hat ausgedient.

Einerseits ist die Entwicklung von Lern-Netzwerken also bereits eine Reaktion auf das Entstehen neuer Bilder und Vorstellungen, Praktiken und Bedarfe, wie Menschen sich, ihre Arbeit, ihre Beziehungen und ihre (Selbst-)Versorgung organisieren. Andererseits werden Lern-Netzwerke immer mehr zu deren Ermöglichung.

Lern-Netzwerke sind unsere Antwort auf die zunehmende Notwendigkeit, das Leben – in welchen „Lebensformen“ auch immer – selbst zu organisieren. Durch Lern-Netzwerke befähigen wir uns selbst und gegenseitig, die immer komplexer werdende Herausforderung mit Namen „Zukunft“ nachhaltig und lustvoll anzupacken.

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