Jetzt legt mal das Tablet wieder weg, Kinder.

Wenn Schulen und Lehrer*innen über Digitalisierung sprechen, dann meinen sie den skuzessiven Einbau digitaler Technologie in das bestehende System. Tablets & Co als didaktisch-methodische Hilfsmittel. Pädagogische Hochschulen legen umfangreiche Weiterbildungen und Kurskonzepte auf, um Lehrpersonen bei diesem Einsatz zu unterstützen. Es entstehen Wartelisten. Schulleitungen müssen entscheiden, wer aus ihrem Kollegium die Kurse besuchen darf, weil die Nachfrage groß ist.

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Zum Artikel

Allein diese Anekdote aus dem Artikel des Tagesanzeigers weist auf das fundamentale Missverständnis hin, das sich in pädagogischen Kreisen festgesetzt hat im Zusammenhang mit der Digitalen Transformation. Da fahren wir nach Zürich, setzen uns in einen Seminarraum und lassen uns das Digitalding zeigen und erklären. Dann fahren wir zurück in unsere Schule und zeigen und erklären es den Kleinen. Finde den Fehler.

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Ein Gynmasiallehrer aus der Zentralschweiz weist mein „pauschales Schul-Bashing“ mit der Einladung zurück, doch mal wieder den Unterricht an seiner Schule zu besuchen, dann würde ich schon sehen, dass sie längst mit diesen Geräten arbeiten und sogar ein neues Fach eingeführt haben. Finde den Fehler.

Digitalisierung ist nicht dasselbe wie Digitale Transformation. Digitalisierung hat längst stattgefunden. Überall und durchgehend. Jetzt transformieren sich unsere kulturellen Systeme digital. Das ist gemeint, wenn von Internet of Things, von Künstlicher Intelligenz, von New Work, von Agilität, von radikalen Veränderungen der Arbeitsmärkte gesprochen wird. Von völlig neuen Berufsbildern und davon, dass wir uns in dieser dynamischen Entwicklung völlig anders bewegen, bilden, orientieren und ernähren werden. Radikal anders kommunizieren, uns fortbewegen, das Zusammenleben gestalten.

Von alldem ist in Schulen und Hochschulen nichts zu spüren oder zu sehen.

Es geht nicht um das Einführen digitaler Geräte in den Unterricht. Es geht nicht um das nächste Fach und Curriculum. Es geht jetzt darum, mit Schule aufzuhören. Mit Beschulung, Unterrichten, Wissensvermittlung.

Schulen bewegen sich, wenn sie überhaupt „auf Digitalisierung machen“, auf der Ebene der Substitution des bekannten SAMR-Modells, wie die Aussage einer Lehrerin im Artikel des Tagesanzeigers sehr schön zum Ausdruck bringt: „Das Tablet sei aber nicht immer auf dem Pult. ‚Wir legen es weg wie jedes andere Schulbuch auch.‘“). SAMR

Das Tablet-Projekt, über das im Artikel berichtet wird, ist ein wunderbares Beispiel für diese aufwändige und teure Integration digitaler Technologien in bestehende Strukturen und Kulturen, ohne letztere wirklich in einen Prozess der Digitalen Transformation zu bringen.

Da werden hier und da auch e-assessments eingeführt, in ganz seltenen Fällen kommt „Flipped Classroom“ zum Einsatz – doch auch hier wird eigentlich nie von einem „functional improvement“ gesprochen, sondern von „unerträglichem Mehraufwand“. Die Plausibilität und Überzeugung für den Nutzen und die Nachhaltigkeit solcher Entwicklungen wird nach wie vor bandbreit in Frage gestellt – von „Augmentation“ keine Spur.

Das grundlegende Missverständnis liegt im Mindset, das im Moment nicht nur nicht in Bewegung kommt, sondern durch die bevorstehende Integration Digitaler Spielzeuge in die Gewächshäuser des Lernens mit Sicherheit nochmals neue Nahrung erhält, wie die Folie von Anja C. Wagner wunderbar zeigt:

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Kontext: https://twitter.com/hashtag/hhsbarcamp?src=hash

Es ist allerhöchste Zeit, das Lernen und die Bildung aus dem Schulsystem zu befreien, diesen Mief hinter sich zu lassen – und ganz neue Wege zu erfinden, indem wir sie gehen.

Bitte lernen lassen. Danke. 

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Immer wollen sie spielen. Phase 1. (Photo: Christoph Schmitt)

Was, wenn „selbstbestimmt und selbstorganisiert lernen“ keine Fähigkeit wäre, sondern eine grundsätzliche Eigenschaft des Lernens? Was, wenn Lernen an sich selbstbestimmt und selbstorganisiert wäre? Wenn also diese beiden Eigenschaften das Lernen auszeichnen würden? Wenn Lernen also Selbstorganisation wäre und Selbstbestimmung, egal was Erziehung und Pädagogik tun und was nicht? Wenn das also Eigenschaften wären, die zum Lernen nicht noch irgendwie hinzukommen würden, sondern immer schon Merkmale des Lernens wären? Welchen Sinn würde es dann machen, von selbstorganisiertem und selbstbestimmtem Lernen als einer Fähigkeit zu sprechen, die ein Mensch unter bestimmten Umständen entwickelt und unter anderen nicht oder nur schlecht?

Keinen.

Was, wenn auch ein auf den ersten Blick als Lernverweigerung oder Lernverzögerung daherkommendes Verhaltensmuster nichts anderes wäre als eine Funktion des sich auch in dieser Situation selbst organisierenden und selbst bestimmenden Lernens? Was, wenn das Lernen selbst dort, wo es stark eingeengt würde auf formalisierte Lernprozesse, diese Eigenschaft nicht und nie verlieren würde – sondern z.B. selbstbestimmt und selbstorganisiert nach Auswegen suchen würde, die das erziehende System als defizitär interpretiert?

Obacht.

Die Auffassung, selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Lernen sei eine Fähigkeit, würde dann das, was eine Voraussetzung für das Entwickeln von Fähigkeiten ist,  zu einer Folge dieser Entwicklung erklären. Und auf dem Hintergrund dieses Vertauschens von Voraussetzung und Folge würde DANN die Überzeugung Sinn machen, dass wir selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Lernen entwickeln können, denn DANN ist dieses Lernen ja nicht (mehr) die Voraussetzung für das Entwickeln und Entfalten irgendwelcher Fähigkeiten, sondern die Folge einer Entwicklung, die wir JETZT natürlich fördern müssen. Und schon brauchen wir Pädagogik und Didaktik.

Merken sie was?

Dabei ist es mit dem Lernen doch wie mit dem Atmen. Auch Atmen ist keine Fähigkeit sondern eine Eigenschaft lebender Wesen: Sie atmen. Und was auch immer in der Luft ist, wie sauber oder verpestet die sein mag, wie „richtig“ oder „falsch“ einer atmet, oder wie stark diese Funktion eingeschränkt sein mag: solange der Mensch lebt, atmet er und sie. Atmen ist keine Fähigkeit, die ich entwickle. Es ist jederzeit eine (mir) gegebene Voraussetzung. Von selbstbestimmtem und selbstorganisiertem Atmen zu sprechen, wäre sinnlose Rede, denn es gibt das Gegenteil nicht.

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Diese faulen Säcke. (Photo: Christoph Schmitt)

Mein Atmen kann ich so oder so „einsetzen“. Nie aber einstellen. Es organisiert sich jederzeit selbst und selbstbestimmt – allen kreativen Interventionen zum Trotz. So auch beim Lernen. Beide sind eine Voraussetzung für alles andere. Lernen wird nicht erst durch seinen irgendwie pädagogisch unterstützten oder behinderten Einsatz zu mehr oder weniger selbstorganisiertem und selbstbestimmtem Lernen, weil es das jederzeit ist.

Aber passt denn die Metapher mit dem Atmen hier wirklich? Schließlich gibt es ja auch die „künstliche Beatmung“ in Fällen, in denen jemand nicht mehr von selbst atmen kann. Dann sind wir aber lebensgefährlich krank. Dies gleichzusetzen mit dem pädagogisch konstruierten „lernschwachen Menschen“ ist zynisch, denn was Schule in Wahrheit tut, ist dies: Sie verhindert durch ihr Handeln systematisch, dass lernende Menschen – hier wieder metaphorisch gesprochen – ihre Lungen frei von der Leber weg gebrauchen. Unterricht beatmet kerngesunde Menschen jahrlang künstlich (das nennt sich „Didaktik“). Anschließend geben Unterrichtende zu Protokoll, dass die wenigsten Lernenden über die Fähigkeit des selbstbestimmten und selbstorganisierten Atmens verfügen. Bis auf ein, zwei besonders begabte Atmer. Aber schließlich müsse man ja alle mitnehmen.

Merken sie was?

Die Annahme, dass es zwei grundsätzlich unterschiedliche Formen von Lernen gibt: hier das selbstbestimmte, dort das fremdbestimmte, ist falsch, weil Lernen nicht fremdbestimmbar ist. Was auch immer wir einem lernenden Menschen antun, verweigern, ermöglichen: sein und ihr Lernen ist und bleibt selbstorganisiert und selbstbestimmt. Es macht keinen Sinn, von fremdbestimmtem Lernen zu sprechen, so wenig es Sinn macht, von fremdbestimmtem Atmen zu sprechen. Dass die erschreckende Mehrheit der Menschen große Probleme mit dem selbstbestimmten Lernen hat, kommt nicht daher, dass ihnen eine Fähigkeit fehlen würde. Vielmehr ist der Moment, wenn du zum ersten Mal in deinem Leben ohne Schlauch atmen sollst, angstbesetzt – und nicht selten schmerzhaft.

Wenn wir von Lernen sprechen, sprechen wir von einem selbstorganisierten und selbstbestimmten Prozess. Lebende Systeme lernen immer selbstbestimmt und selbstorganisiert – völlig unabhängig davon, wie stark äußere Manipulationen auf den Menschen einwirken, also auch „mit einem Schlauch im Hals“: Sein und ihr Lernen ist und bleibt selbstorganisiert und selbstbestimmt. Auch wenn es aufgrund irgendwelcher Umstände selbstbestimmt und selbstorganisiert in die Hose geht.

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Immer wollen sie spielen. Phase 2. (Photo: Christoph Schmitt)

Die Pädagogik kommt hier an ihre Grenze. Hat sie sich doch zu dem Zweck erfunden, um bestimmte Fähigkeiten zu entwickeln (und andere zu verhindern). Ein beliebtes Narrativ in der Pädagogik lautet, dass es da „Anlagen“ gibt und „Potenziale“, die durch pädagogische Intervention erst entwickelt werden und entfaltet. Sie geht also davon aus, dass junge Menschen etwas noch nicht haben, dass sie bestimmte Fähigkeiten noch nicht (entwickelt) haben, und dass die dann mit Hilfe ausgefeilter pädagogischer Interventionen entwickelt werden – und in jedem Fall besser und zielgerichteter als ohne diese Interventionen – oder gar selbstbestimmt 😆.

Und diese Überzeugung wendet die Pädagogik dann ganz selbstverständlich auf das Lernen selbst an. Dabei übersieht sie, dass das Lernen für sie als Wissenschaft und Praxis eine Voraussetzung bildet, über die sie nicht bestimmen kann.

Hartes Brot.

Die landläufigen Probleme und Differenzen und Halbwahrheiten und Konflikte im Kontext des selbstorganisierten und selbstbestimmten Lernen entstehen dadurch, dass wir annehmen, es handle sich dabei um eine zu entwickelnde Fähigkeit. Diese falsche Annahme liegt unserem pädagogischen Denken zu Grunde. Erst wenn ich begriffen  habe, als Mensch ebenso wie als System, dass Lernen ein fundamental selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Phänomen ist, wenn ich verstanden habe, dass es hier um eine Eigenschaft menschlicher Existenz geht, um ein Merkmal menschlichen Lebens wie das Atmen, erst dann werde ich aufhören, an lernenden Menschen herumzudoktern und herum zu didaktisieren, „damit sie das selbstorganisierte und selbstbestimmte Lernen lernen“. Dann lasse ich davon endlich die Finger weg.

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Immer lassen sie alles liegen. (Photo: Christoph Schmitt)

Erst wenn ich verstanden habe, dass Lernen keine Fähigkeit ist, die sich durch pädagogische Intervention entwickelt, sondern eine Eigenschaft, die sich ihr jederzeit entzieht, haben neue Architekturen und Designs von Lernprozessen den Hauch einer Chance.

Bildung soll auf Digitale Transformation vorbereiten – aber wie bereitet sich die Bildung vor? Hier die Antwort.

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Die Ausgangslage

„Bildung ist die einzige Ressource der Schweiz.“ So tönt ein beliebter Einstieg in Referate zur Frage der ökonomischen Zukunft. Reflexartig wird darauf hingewiesen, dass die Digitalisierung nur „über ganz viel Aus- und Weiterbildung zu bewältigen“ sei.

Was konsequent ausgeblendet bleibt: Agilität und VUCA,  Digitales Plattform-Design und die Architektur der dezentralen Netzwerke, werden auch Aus- und Weiterbildung im Kern neu bestimmen. Anstatt die Tragweite dieser Herausforderungen anzugehen, beschränken sich die Träger institutioneller Aus- und Weiterbildung jedoch auf genau zwei Aspekte Digitaler Transformation:

  1. Integration digitaler Technik in Lehr-Lern-Settings, die ansonsten im Mindset traditioneller Wissensvermittlung verharren, sprich: Digitalisierung in der Bildung statt Digitaler Transformation der Bildung durch neue Formate, Designs und Settings.
  2. Aufnahme von Themen rund um „Digitalisierung“ ins Curriculum – sprich: Erweiterung der Angebotspalette.

Der ganzen Rest fällt unter den Tisch. Das Bildungssystem ist noch nicht bei der Frage angekommen, welchen Impact die Digitale Transformation auf die Organisation, auf die Struktur, die Prozesse und auf das Design von Bildung & Lernen hat. Es stellt sich diese und etliche weitere Fragen gar nicht – dabei gibt es davon mehr als eine Hand voll:

Fokusfragen

Währenddessen etabliert sich die digitale Konkurrenz im Schweizer Markt mit Angeboten sowohl für die Privatwirtschaft als auch für berufliche und private Weiterbildung.

  • Anbieter wie udacity, udemy, edx und coursera sind zunehmend Kooperationspartner in Fragen der betrieblichen Aus- und Weiterbildung.
  • Digital transformierte Formen des Corporate Learning, des Learning Development und Recruiting lösen traditionelle Konzepte nach und nach ab.
  • Die Zahl der Menschen, die ihre Weiterbildung eigeninitiiert im Netz organisieren, nimmt stetig zu. Sie fangen damit immer früher in ihrem Leben an.

 

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Die Hochschullandschaft hat noch nicht verstanden, dass sie gerade einen riesigen Trend verschläft: Die Gründer des Start Up „Polarstern Education“ im Interview.

 

Die Fragestellung

Wie muss auf dem Hintergrund dieser fundamentalen Veränderungen institutionelle Bildung agieren? Wie muss sie designt, konstruiert, entwickelt, konzipiert werden, um ihre veränderten gesellschaftlichen Funktionen im Kontext der Digitalen Transformation zu definieren und zu erfüllen? Welche Architektur muss sie selbst vorweisen?

Die Lösung

Ich bin davon überzeugt, dass jetzt vor allem intensive kollaborative Lösungen gebraucht werden, um das Schweizer Bildungssystem für die Digitale Transformation fit zu machen. Wir finden die Lösung nur durch eine intensive, gemeinsame und vernetzte Herangehensweise. Dabei geht es nicht primär um technologische Themen, sondern um die Entwicklung einer entsprechenden Lern- und Bildungskultur.

Wir schaffen dezentrale Plattformen, auf denen sich interessierte Player der Schweizer Bildungslandschaft (Sekundarschule, Mittel- und Hochschulen, Universitäten, Berufliche Weiterbildung) zusammenfinden, um gemeinsam Bildung im Kontext der Digitalen Transformation zu transformieren: bottom-up.

So brechen wir traditionelle Silo-Strukturen auf und entwickeln gemeinsam strategische Antworten auf die Herausforderungen, vor die uns die digitale Konkurrenz stellt: Durch ein dezentrales Netzwerk, das von engagierten Menschen und Institutionen getragen wird.

Diese selbstorganisierten Plattformen wirken Community bildend. Sie ermöglichen über konsequente Vernetzung den Austausch und machen „good practice“ sichtbar & skalierbar. Sie sind (digitale wie analoge) Hotspots für Bildungsinstitutionen, die sich auf den Weg nach Digitalien machen. Sog. „Hidden Champions“ bringen das Thema „Bildung und Digitale Transformation“ nach vorne.

Das alles beginnt mit einem Kernteam jenseits von Politik und Ökonomie, das eine Road-Map entwirft und loslegt. So ein Team lanciert gezielte digitale und analoge Veranstaltungsformate (Barcamps, Hackathons, Online-Sessions, Lern-Festivals, Communities of Practice), die Wissen, Knowhow und Kompetenz vernetzen, Sichtbarkeit herstellen und Commitment ermöglichen.

Soweit das Warum, das Was und das Wie. Kostenlos.

Wenn sie jetzt Lust haben, das anzupacken und Ressourcen zu investieren, geben sie bitte Bescheid:

christoph.schmitt@bildungsdesign.ch

Wider die Bedeutungslosigkeit: Wie wir dem Digital Age den Sinn abringen

 

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Lisbon 2018

Unser Ziel ist nicht die Digitalisierung des Lernens und Arbeitens. Unser Ziel ist es, gemeinsam eine neue Kultur des Lernens und Arbeitens zu entwickeln, die uns befähigt, die Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalen Transformation aktiv zu gestalten. Es geht jetzt darum, dass wir uns neu erfinden. Als Menschen, als Gemein- und Gesellschaften. Die Frage, welchen Sinn individuelle Existenz und das Zusammenleben von Menschen haben, stellt sich gerade radikal neu.

 

Unter zunehmendem politischem Druck interpretieren Schulen die Digitalisierung rein technologisch und fangen damit an, Klassenzimmer und Infrastrukturen digital aufzurüsten – während sie den Einsatz individueller Devices großflächig untersagen. Sie importieren digitale Tools und Medien in die klassischen Unterrichtsformate und stiften dadurch mehr Verwirrung als sie Unterstützung bieten – bei allen Beteiligten. Zugleich reduzieren sie den dringend nötigen Diskurs über die Zukunft des Lernens auf Fragen und Probleme der technischen Infrastruktur.

Was Schulen und andere Bildungsinstitutionen übersehen, ist der kulturelle Impact der Digitalisierung. Der wird mit dem Begriff „Digitale Transformation“ erfasst. Hier geht es nicht mehr um technische Auf- und Ausrüstung, die mittlerweile völlig selbstverständlich ist. Es geht um eine tiefgreifende (!) Veränderung unserer Kultur: Kommunikation, Abläufe und Prozesse, Projekte, Organisation, Zusammenarbeit, das alles verändert sich im Moment und in Zukunft radikal. Digitale Transformation bedeutet, dass alle Formate, in denen wir als Menschen unterwegs sind, dass das Framing unseres individuellen, sozialen und ökonomischen Handelns sich völlig verändert – und damit auch die Spiel- und Handlungsfelder.

Unser Dasein in Raum und Zeit verändert sich

Die Ansprüche an unser Menschsein (Lernen, Arbeiten, Gesellschaft gestalten) und die Art, wie wir damit umgehen: beides verändert sich durch digitale Technologien völlig. Wir entwickeln z.B. eine ganz andere Beziehung zum Raum, in dem wir leben, lernen und arbeiten, in dem wir uns aufhalten und bewegen, in dem wir „sind“. Auch unsere Beziehung zur Zeit verändert sich. Warum wir in welcher Zeit wohin fahren oder gehen sollten, im Stau stecken oder in überfüllten Zügen, um uns hier oder dort aufzuhalten, um Dienstleistungen zu erbringen, um etwas zu kaufen, um Wissen zu generieren, um uns aus- und weiterzubilden, um unsere Arbeit zu machen: diese Notwendigkeiten fallen nach und nach weg. Der Grund dafür liegt in den Gelegenheiten, die uns die Digitalisierung als technologisches Phänomen gibt, es anders zu machen: menschlicher, verträglicher, ökologischer.  Durch die Digitalisierung verändert sich unser Verhältnis zu physischen Räumen, weil wir sie jetzt und in Zukunft anders nutzen können: viel offener, spontaner, vielfältiger. Zwei besonders eindrückliche Beispiele für Orte, die sich in ihrem Wesen radikal verändern, sind der „Arbeitsplatz“ und der Ort, an dem wir lernen.

Zitat
Zitat von Tim Leberecht vom https://houseofbeautifulbusiness.com/

Zuerst einmal fallen mit diesen neuen Gelegenheiten bestimmte Notwendigkeiten weg. Wir müssen nicht mehr an einen eigens gestalteten Arbeitsort fahren, dort ein- und wieder auschecken. Lernende müssen nicht mehr an einen eigens dafür gestalteten Lehrort fahren, nicht an eine Uni, an eine Schule oder an ein Seminarzentrum. Warum nicht? Weil derzeit in den beiden zentralen gesellschaftlichen Funktionen des Lernens und des Arbeitens das für die Digitale Transformation charakteristische Phänomen der Dezentralisierung greift. Dadurch wurde zuerst eine Flexibilisierung möglich: entweder am Arbeitsplatz oder zuhause arbeiten. Mittlerweile werden die Alternativen immer vielfältiger – „Zentralen“ und zentrale Orte werden von Netzwerken abgelöst.

Zentren und Zentralen werden durch Netzwerke abgelöst

In wenigen Jahren schon ist es nicht nur für die Arbeit selbst einigermaßen irrelevant, wo ich sie erledige. Die Art von Arbeit, die für Menschen übrig bleibt oder neu entsteht, ist nicht mehr an Orte gebunden und auch nicht an fixe Zeiten. Vielmehr kann ich an jedem beliebigen Ort jederzeit „meine Zelte aufschlagen“, weil ich jederzeit Zugang zum Internet oder zu physischen Netzwerkknoten habe, wo ich meine Arbeitskolleginnen und Geschäftspartner finde. Den Takt geben dabei nicht mehr die Büro- oder andere Öffnungszeiten vor, sondern die Absprachen, die Menschen miteinander treffen, wann sie welche Aufgaben miteinander bearbeiten. Exakt darauf müssen Schule und Ausbildung vorbereiten – und das können sie nur, wenn sie selber nach diesem Prinzip funktionieren – und das können sie nur, wenn sie das Prinzip verstanden haben. Dass unsere Schulen hier noch nirgends sind und völlig in ihren alten Mindsets gefangen, wird langsam aber sicher zu einem echten Problem – jenseits der Frage nach digitaler Aufrüstung.

Was für die Arbeit der Zukunft gilt, gilt also auch für das Phänomen des Lernens. Bis heute binden wir es an fixe Zeiten und Zeitrhythmen, an Räume (Klassenzimmer, Hörsäle). Das Lernen ist also bereits heute viel stärker hierarchisch determiniert als das Arbeiten, weil es durch Lernziele, Lerninhalte (Curricula), eng gefasste Prüfungsformate, Bewertungskriterien ohne echte Aussagerelevanz, und am Ende durch Zertifikate (Zeugnisse, Diplome) strukturiert ist. Während sich die menschliche Arbeit mehr und mehr den gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Digitalen Transformation anzupassen weiß, ziehen sich Lehren und Lernen immer mehr zurück in die traditionellen Formate und beharren darauf, dass es sie genau so geben muss, wie es sie immer gegeben hat: In physischer Präsenz, zu fixen Zeiten, nach Jahrgängen und Fächern getrennt, durch Prüfungsrhythmen getaktet, von Wissensvermittlern überwacht. Doch genau diese Phalanx, diese Architektur von Lernen ist durch die Digitale Transformation hinfällig geworden.

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Jared Fricklin during his stunning speach in the House of beautiful Business.

Reaktionäre Reaktionen sind verständlich aber brandgefährlich

Die zunehmende Nomadisierung von Arbeit und Lernen spült im Moment krasse Gegenreaktionen an Land. So genannte Experten führen die Trägheit des Menschen und seine „analogen Bedürfnisse“ gegen offene Formen des Lernens ins Feld. Die Unverzichtbarkeit des physischen Raumes wird lautstark betont und mit der „Beschaffenheit“ arbeitender und lernender Menschen begründet. Es wird davor gewarnt, Arbeiten und Lernen „ins Internet“ zu verlegen.

Das übelste Argument lautet, dass sowohl arbeitende als auch lernende Menschen „das alles gar nicht können“: Arbeitsräume und -zeiten selbstverantwortet gestalten, Arbeits- und Lernprojekte kollaborativ organisieren. Aber gerade dieses Argument ist nichtig, weil sich Lernen ja gerade dadurch auszeichnet, dass Menschen lebenslang in Situationen kommen, in den sie etwas „noch nicht können“ und sich neue Fähigkeiten und Wissen anzueignen. Das ist Lernen!

Und woher sollen Menschen diese Kompetenz, ihr Lernen selbstverantwortlich und kollaborativ zu gestalten, heute bereits nehmen, wenn das staatliche Bildungswesen alles dafür tut, die Entwicklung dieser Kompetenzen zu vernachlässigen? Dass also „einige Menschen dann nicht (oder schwer) lernen, wenn man wenig Vorgaben macht, sondern vor allem Räume und Anregungen bietet, ist kein Freipass dafür, Fremdsteuerndes im Bildungssystem weiterzupflegen, sondern Anlass dazu, gemeinsam herauszufinden, wie Menschen Selbststeuerungsfähigkeit und Selbststeuerungsfreude auf- und ausbauen“ (Christof Arn in einem Beitrag auf agiledidaktik.ch)

Wie lösen wir das Problem statt es zu verstärken?

  1. Wir individualisieren das Lernen radikal. Damit ist keine Isolierung des Lernens gemeint, sondern eine technische, räumliche und zeitliche Erweiterung der Gelegenheiten: Wir nehmen lernende Menschen als Individuen wahr und ermöglichen ihnen, ihr Lernen gemäß ihren Bedürfnissen, Potenzialen, Interessen und Grenzen zu gestalten, Ihr eigenes Lerntempo zu finden und ihre Lernprozesse eigenverantwortlich zu gestalten. Schon diese Individualisierung führt zu einer fundamentalen Humanisierung des Lernens, weil lernende Menschen in ihren prägenden Lebensphasen nicht mehr jahrelang über einen Kamm geschoren werden und gemeinsam durch ein einziges Nadelöhr kriechen.
  2. Wir ermöglichen und fördern Strukturen, Räume und Orte, „die Scheitern zulassen und in Lernen überführen, weil sonst offene Prozesse nicht gewagt werden können. Qualitätsmanagement, Evaluation, Kontrolle in herkömmlichen Formen sind überwiegend schädlich. Es braucht dafür neue Ideen“. (Christof Arn)
  3. Kollaboratives Lernen: Wir vernetzen Lernen von Grund auf, indem wir Lernnetzwerke bilden: Colearning-Spaces und Colearning-Labs phyischer und digitaler Art (konkret: hier).
  4. Wir ersetzen Lehren durch reziproke Formen des Coaching. Wenn wir im Rahmen einer neuen Kultur des Lernens entsprechende Prozesse und Projekte etablieren, dann treten Funktionen des Coachings und der systemischen Beratung und Begleitung des Lernens an die Stelle des Lehrens. Unterstützung beim Lernen erhält dadurch den Charakter der Gegenseitigkeit. Begleitung beim Lernen und (Er-)Arbeiten von Lösungen erfolgt bedarfs- und situationsorientiert. Lernende lernen, sich Hilfe zu holen und selber als Coaches sichtbar zu sein.
  5. Lehrpläne, Modulbeschriebe, Prüfungsreglemente werden – wenn man denn unbedingt an ihnen festhalten muss – „so formuliert, dass die Lernenden eigene Ziele setzen und sie auf selbstgewählten Wegen anpacken können“ (Christof Arn).

 

Warum das Netz die Zukunft ist

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Quelle

Weil die alten Überzeugungen, Menschenbilder und Mächte noch wirksam sind, können viele von uns heute aufgrund politischer und ökonomischer Grenzen nicht dort hin, wo es uns hinzieht, wo wir sinnvolle Arbeit und Begegnung und das vollumfängliche Recht auf Menschsein finden würden. Die Grenzen, die uns gezogen werden durch Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht, soziale Schicht und Herkunft gehören einem Zeitalter an, das seinem Ende zugeht – und das sich deshalb im Moment noch einmal wuchtig aufbäumt und armiert.

Doch das digitale Netz erlaubt uns täglich mehr, diese Grenzen zu unterlaufen: Menschen und Ideen überall auf der Welt zu entdecken, mit ihnen in Kont(r)akt zu treten, uns auszutauschen. Voneinander zu lernen. Uns systematisch miteinander zu verbinden. Das Digitale Netz der Möglichkeiten hat längst seinen Siegeszug angetreten, weil es Menschen und ihre Träume verbindet. Ihre Fähigkeiten und Ängste, ihre Überzeugungen und Werte.

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Take a look inside.

Die physischen Ein- und Begrenzungen von Kultur und Kommunikation, auf die die alten Systeme so beharren, diese Zäune und Mauern, die Millionen von Menschen davon abhalten, in Freiheit und Sicherheit zu leben, werden durch die Möglichkeiten des Digitalen Netzes immer brüchiger. Sie werden am Ende wirkungslos sein.

Anstatt mit dem Finger auf jene zu zeigen, die diese Möglichkeiten auf unmenschliche Art einsetzen, sollten wir besser das Netz für unsere Zwecke nutzen – auf der Basis von Menschlichkeit und Augenhöhe, von Gleichheit und Respekt. Es gibt keinen Grund, das Netz denen zu überlassen, die in zerstörerischer Absicht unterwegs sind. Nichts und niemand hält uns davon ab, diese Welt mit Hilfe des Digitalen Netzes zu einem besseren Ort zu machen für alles, was lebt. Nichts außer den Bildern in unseren Köpfen – und die  grassierende Unwissenheit darüber, was alles möglich ist.

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(From the Business Romantic Society)

Die Chance, dass sich jene zusammenfinden, die ein vitales Interesse an einer menschlichen Zukunft haben und diese auch gemeinsam gestalten wollen, die wird größer durch die Möglichkeiten des digitalen Netzes. Es ist das einzig verbliebene Werkzeug, das wir haben, um jene Grenzen zu unterlaufen und zu hintergehen, in die uns die alten Siegermächte bannen mit ihrem Mindset des zeitverzögerten Weltuntergangs. Das digitale Netz ist die einzige Möglichkeit,  in einem globalen Chaos die guten Kräfte zu verbinden und stark zu machen.

Mit dieser Erfahrung, Erkenntnis und Überzeugung bin ich vom Beautiful House of Business zurückgekehrt.

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#houseofbeautifulbiz

At yesterday’s Conference of #BeautifulBusiness we entered an alternative world of visions and predictions, that are not necessarily our destiny. It’s our responsibility to decide what sorts of futures we’d prefer to move towards and – what ultimately makes us human. As Resident Gianpiero Petriglieri put it: „As humans, we have two immense capacities: to love and to learn“. Thanks to all residents who shared their radically beautiful opinions, stories, and dreams with us. And now, onwards to four days at the #HouseofBB.

 

Nutze das Netz: Es gehört dir!

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Fortschritt war für den Menschen immer verbunden mit Vernetzung. Die Versorgung mit Trinkwasser durch ein Leitungsnetz ebenso wie der Bau eines Straßennetzes oder der Abwassersysteme. Sie machten vielen Krankheiten und Seuchen den Garaus. Auch das Stromnetz war die Voraussetzung für eine nächsten zivilisatorischen Schritt. Jetzt stehen wir am Anfang der Digitalen Transformation. Jetzt wird das Internetz immer dichter. Viele haben Angst davor und verstehen das alles nicht. Sie fürchten den „Digitalen Hospitalismus“.

Es ist wie früher, als sie sagten: „Wasser aus der Leitung ist böse! Holt Euer Wasser weiterhin beim Brunnen, statt nur am Wasserhahn rum zu hängen! Wenn ihr nicht mehr ‚real kommuniziert‘ auf dem Weg zum Brunnen, dann vereinsamt und verödet ihr!“ Sie wollen lieber, dass alles so bleibt, wie es ist. Du nicht? Dann lies mal weiter.

Möchtest du weiterkommen? Bist du in letzter Zeit neugierig geworden, was in und hinter dem ganzen Hype um die Digitalisierung steckt? Dann geht’s dir ähnlich wie mir.

Wir realisieren, dass sich um uns herum in beruflicher Sicht eine Menge verändert. Die einen merken das am zunehmenden Organisationsaufwand in der Firma. Andere realisieren es anhand der Gerüchte über schlechte Zahlen, Stellenabbau, Fusionen. Womöglich nimmst du am Rand wahr, dass sich jemand nebenher was aufbaut. Vielleicht kennst du eine Kollegin, die mit anderen zusammen übers Internetz ein kleines Business gründet. Vielleicht spürst du aber auch bei dir selbst eine gewisse Unzufriedenheit und Enge mit deiner beruflichen Situation.

Und jetzt überall diese Digitalisierung. Allgegenwärtig. Das Internetz: ständig da. Ständig online. Immer verfügbar. Ein enormer Sog geht von ihm aus. Es zieht alles an, was in seine Nähe kommt, saugt offenbar alles auf.

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Ein kurzes Video zur Digitalisierung

Das Internetz hat eine unglaubliche Dynamik. Es bietet mittlerweile fast alles an, was ein Mensch brauchen kann (und was nicht), und vor allem: es bietet dir so gut wie alle Möglichkeiten der Welt, dich zu informieren, dich mit interessanten Menschen zu vernetzen, dich mit faszinierenden Leuten auszutauschen, von anderen zu lernen – und andere von dir.

„Weiterbildung“ und Lernen bekommen also eine ganz neue Seite: Sie tauchen nicht bloß an den gewohnten Orten (Schule) und in den gewohnten Formen (Unterricht) auf. Es gibt sie nicht mehr nur als fixfertige Kurse, in denen alles vorbereitet und vorgespurt ist. Du kannst das jetzt selber in die Hand nehmen. Dich selber bilden – und nicht über die Akademie soundso, die dafür stattliche Preise verlangt.

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Warum in ein Klassenzimmer sitzen um dir etwas anzuhören, was es im Netz viel lebendiger und vernetzter und kostenlos gibt? Auch wenn du persönliche Begleitung, Unterstützung oder Expertinnen suchst, berufliche Orientierung, Gesprächspartnerinnen, Antworten, Lösungen, Ideen: alles drin. Und du entscheidest, was du dir mit wem zusammen wann zu Gemüte führst.

Das Internetz bietet dir alle Möglichkeiten dazu. Du lernst das Lernen völlig neu kennen. Anders als du es in Schule und Ausbildung erlebt hast. Jetzt lernst du ganz anders: durch das Eintauchen ins Netz, das Surfen, das Googeln, das Vernetzen, das Anlegen eigener „Spaces“, in denen du das sammelst, was wichtig für dich ist. Du lernst die digitale Welt für dich und dein Weiterkommen zu nutzen, so wie du dir die schönsten Städte Europas durch die Nutzung ihres U-Bahn-Netzes zu erschließt. Wer die U-Bahn verstanden hat, versteht die Stadt viel besser. Wer das Internetz versteht, versteht die Welt.

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gif von Melanie Vetterli in meinem Buch Digitalisierung für Nachzügler

Du erschließt dir durch das Internetz neue, bisher unbekannte Welten – und zwar nicht nur zum Zweck der Belustigung und Erholung. Nicht nur für Freizeit und Konsum. Durch das Internetz erfährst du mittlerweile alles, was du brauchst, um dein Leben besser zu gestalten. Du begegnest durch das Internetz Menschen, die mit ähnlichen Fragen unterwegs sind wie du. Die dir auf der Suche nach Antworten genauso helfen werden wie du ihnen. Menschen und ihre Netzwerke, die in jeder erdenklichen Frage (Gesundheit, Beruf, Arbeit, Politik, Alter, Finanzen, Reisen, Politik, Technik und vieles mehr) unterwegs sind. Du entdeckst Menschen und Ideen, die dir vor dem Internetzzeitalter unbekannt waren oder unzugänglich. Das alles steht dir jetzt offen zur Verfügung: praktisch das ganze „Wissen der Welt“. Und zwar nicht nur als „Meer von Informationen“, in dem du ertrinken könntest. Das Schöne ist: Das Internetz ist ein großes Dorf mit Begegnung,  Austausch, mit gegenseitiger Beratung und Unterstützung. Es ist kein Chaos. Es ist ein quietschlebendiges Netz 😉

Du findest im Netz praktisch jede Form der Gemeinschaft von Menschen, die sich zu jedem erdenklichen Thema treffen, austauschen und gegenseitig weiterbringen. Auch in deiner Nachbarschaft! Auf youtube und vimeo gibt es zu jedem Thema der Welt, der Wissenschaft, der Kunst, der Technik oder der Wirtschaft Millionen von Videos, die dir verständlich erklären, was du bisher nicht verstehst: Mathe, Chemie, das Bauen einer Brücke, das Gründen einer Firma, das Fischen, das Anlegen eines Gartens mitten in der Stadt – was auch immer du suchst, was auch immer dich interessiert und weiterbringen kann: es ist offen und kostenlos im Netz – und einfach zu finden.

Fang einfach an. Zum Beispiel damit:

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Tipps für den Einstieg von acw

Digitalisierung vs. physische Begegnung, oder: Ein Gegensatz, der keiner ist.

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Quelle: symbolon.com

Die Angst geht um, dass das Kerngeschäft von Bildung digitalisiert wird, dass die Klassenzimmer wegrationalisiert werden. Bildende Berufe argumentieren eifrig, dass Lernen und Bildung unbedingt und unverzichtbar auf physische Begegnung angewiesen seien. Auf Mimik und Körperhaltung, auf Emotionalität und Haptik und Gestik, auf jene Unmittelbarkeit also, die durch nichts zu ersetzen sei. Das alles und noch viel mehr sei jetzt von der Digitalisierung bedroht, die alles ins Netz verlegen will. Das ist natürlich hanebüchen.

Denn die Formel der „physischen Begegnung“ ist pleonastisch. Auch Menschen, die sich im Netz begegnen, tun das physisch. Begegnung ist auch im Netz physisch, weil Menschen immer physisch sind. Und da geht nichts verloren, sondern es findet eine wunderbare Bereicherung statt: Eine Öffnung, Vertiefung, Vernetzung, Emanzipation. Der von Lehrenden behauptete Reduktionismus existiert nur in deren Köpfen – zumal sich Menschen nie „ins Internet hinein“ auflösen werden. Wie bizarr.

Wir sind heute digital. Wir sind immer online. Ob wir in einen Bildschirm schauen und sprechen oder nicht. Ob wir mit jemandem chatten oder ihm oder ihr unvermittelt durch digitale Medien gegenüberstehen. Wir wechseln mühelos die Medien, wenn es nötig wird und die Dinge vereinfacht. Wir kommunizieren in einer Mischung aus allen uns zur Verfügung stehenden Formen. Wenn wir es denn können.

Die Lehrer*innen an die Hand und ihnen die Angst nehmen?

Pädagogik-affine Digitalier schlagen vor, dass wir lehrenden Berufen mit ganz viel Geduld und Langmut begegnen, damit sie langsam ihre Widerstände abbauen können. Wir sollen sie an die Hand nehmen und ihnen auf diversen Safaris nach Digitalien zeigen, welche Möglichkeiten die Digitalisierung bietet, um die physische Begegnung zu erhalten und zugleich ein wenig  Digitalisierung zuzulassen. Hier mal ein digitales Quiz, da mal eine „elektronische Prüfung“. Oder gar Tablet-Klassen mit schicken Lernprogrammen drauf und „the latest Learning Analytics Software“.

Ich glaube nicht an diesen Weg, denn hier wird nicht am Mindset gearbeitet. Das Mindset wird vielmehr zementiert. Die Kontrolle wird digitalisiert. Ich würde es mit Klärung versuchen wollen.

Begegnung ist immer physisch. Was um alles in der Welt denn sonst?

Begegnung ist immer physisch, weil Menschen physisch sind. Es gibt hier kein entweder oder. Es gibt nur Begegnung. Menschen begegnen Menschen (und allem anderen auf dieser schönen Welt), auf welche Weise auch immer sie das tun. Die Vorstellung, dass Lernen, oder feierlicher formuliert, dass Bildung physische Begegnung „braucht“, kann nicht gegen dezentrale, digitale, nomadische und selbstgesteuerte Lerndesigns ausgespielt werden. Die Forderung nach physischer Begegnung ist ein pleonastisches, pädagogisches Konstrukt, mit dem lehrende Berufe ihren Job retten wollen.

Mehr noch: Weil Menschen immer lernen und dabei immer Begegnung stattfindet, die immer physisch ist, braucht es das pädagogisch-didaktische Setting gar nicht mehr. Denn die Digitale Transformation weitet die Möglichkeiten der (jederzeit physischen) Begegnung unendlich aus. Das pädagogisch-didkatische Setting schränkt Begegnung (und Lernen!) sogar enorm ein und funktionalisiert sie für pädagogische Beziehungen und Strukturen. Es reduziert Lernen auf kontrollierbare Einheiten. Entsprechend sieht „die Bildung“ aus, die dabei rauskommt – im Vergleich zu dem, was offene, dezentrale und vernetzte Lern- und Bildungsszenarien heute emöglichen!

Lehrer brauchen Schüler – nicht umgekehrt

Im klassischen, pädagogisch-didaktischen Mindset sind es deshalb heute nicht mehr die Schüler, die die Lehrer brauchen. Es ist umgekehrt: Die Lehrer brauchen das Konstrukt vom Schüler, denn es geht mittlerweile um die Daseinsberechtigung eines ganzen Berufsstandes. Hinter der Formel von der „echten physischen Begegnung“ steckt der verzweifelte Versuch, ein Menschen- und ein Berufsbild aufrecht zu erhalten. Ich halte dagegen: Diese „physische Begegnung“ ist ja überall möglich und überall besser, breiter, lustvoller, heterogener, lebendiger, vielfältiger und „bildender“, faszinierender, herausfordernder und vielschichtiger als in jedem noch so kreativen pädagogisch-didaktischen Setting.

Digitalisierung bedeutet Emanzipation des Lernens

Es ist also nicht legitim zu sagen: „Lernen braucht physische Begegnung“, oder „Bildung braucht physische Begegnung“, weil es das Gegenteil nicht gibt. So sehr es die Lehrer*innen der Digitalisierung auch unterstellen mögen. Im Kontext der Digitalen Transformation findet schlicht und einfach eine langsame, gründliche und unaufhaltsame Emanzipation des Lernens und damit der (Selbst-)Bildungsprozesse aus den engen Grenzen dessen statt, was Pädagogik und Didaktik daraus gemacht haben. Und das versetzt dieses System und seine Agent*innen in Alarmbereitschaft. Ich verstehe das, denn hier kommt ein Konzept an sein Ende. Das tut weh.

Ein guter Anfang wäre es jetzt, die eigenen Bedürfnisse als Lehrer*in nicht mit den Fähigkeiten und Potenzialen der Mitmenschen – hier: Schüler*innen – zu verwechseln. Es ist nämlich zuerst einmal das Bedürfnis der Lehrenden nach etwas, das sie „physische Begegnung“ nennen, damit sie ihren Job machen können. Mit Lernenden oder gar mit Lernen hat das erst einmal gar nichts zu tun.

Es ist auch überhaupt nicht gesagt oder annähernd sicher, dass Schüler*innen quasi ein „natürliches Bedürfnis“ nach physischer Begegnung mit Lehrenden haben. Sie haben im traditionellen pädagogischen Setting einfach keine andere Möglichkeit als diesen physischen Kontakt mit Lehrenden, dem ja immer mehr Lernende ins Netz ausweichen um sich zu bilden, und nicht um Zeit totzuschlagen.

Wir sollten endlich begreifen, dass dieses Bildungsystem eine historische Erfindung ist. Jemand hat es erfunden – und aus genau diesem Grund können wir etwas Neues erfinden. That’s it.

Also lasst endlich das Lernen frei. Und auf diesem Weg die Bildung. Baut Lernnetzwerke. Entwickelt gemeinsame Visionen, werdet agil in Kopf, Herz und Hand. Werdet konkret.

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