»Digitalisierung für Nachzügler«

Gallus Zahno, ein sehr engagierter Pädagoge im Bereich der berufsschulischen Bildung, hat mein e-book „Digitalisierung für Nachzügler“ besprochen – und er hat dazu tief in die Digitalkiste gegriffen. Das Ergebnis finde ich beeindruckend: Wie es ihm gelingt, durch die Bildersequenzen im Video zentrale Gedanken aus dem Buch aufzugreifen und frei weiter zu entwickeln!

Staufbergsicht

Christoph Schmitt formuliert seine Einsichten zum Megathema ‚Digitalisierung‘ aus Sicht eines digitalen Immigranten. Melanie Vetterli steuert Illustrationen dazu bei. Das eBook ist bei Amazon erhältlich.

Schmitt ist optimistischer Immigrant ins Land Digitalien. Obwohl die Digitalisierung  praktisch alle Lebens- und Arbeitsbereiche seiner „alten“ Welt Analogistan stark beeinflusst, sieht er vorallem die Chance, dabei mitzugestalten und mitzureden. Digitalisierung kann uns von sinnleerer Arbeit befreien und dafür mit ihrem Potenzial kreative und individuelle Projekte in Netzwerken ermöglichen. Er zeichnet im eBook seinen Weg vom Bewohner Analogistans zum Aktivbürger Digitaliens nach.

Ich habe versucht, einige Ideen und Aussagen von Christoph Schmitt, die mich beeindruckten, im Video zusammenzufassen. Seine präzise formulierten Begründungen und Einsichten und die treffenden Metaphern dazu kommen dabei zu kurz – dafür ist die Lektüre des eBooks empfohlen.

Weniger explizit angesprochen werden mögliche gesellschafts- und staatspolitische Auswirkungen der Digitalisierung. Diese Rahmenbedingungen zu diskutieren und zu gestalten, wären ein weiteres eBook wert.

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Faule Ausreden

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Dass jede Ausrede faul sei, ist eine kühne Behauptung – und in Zeiten von „fake-true-Polaritäten“ weder be- noch widerlegbar. Sind Ausreden wirklich immer faul? Dann gäbe es ja auch keine mehr oder weniger faulen. Denn streng genommen ist „faul“ ein Adjektiv, das nicht gesteigert werden kann. „Der ist aber fauler als ich“ – das ist Sandkastenrhetorik. 

Was es jedoch gibt: den Fall, dass jemand felsenfest davon überzeugt ist, soeben eine Begründung geliefert zu haben, während sein (oder ihr) Gegenüber bloß eine Ausrede gehört hat. Das kommt besonders häufig an den Schnittstellen von Festhalten und Loslassen vor. Von Beharren und Verändern. Von gleich oder anders. Von Bewegung und Starre. Die formale Struktur der Ausrede ist dabei immer dieselbe, wie blumig auch immer sie daherkommt. Sie lautet: Es geht nicht, weil es nicht geht.

Dass so viele Menschen einfach überfordert seien mit Wandel und Entwicklung und Selbstverantwortung: das ist so eine Ausrede. Egal ob es um ein Teammitglied geht, das einfach nicht kooperativ sein will, um einen Schüler, der das selbstorganisierte Arbeiten einfach nicht hinkriegt, oder um Donald Trump, den narzisstischen Nerd. Diese drei und alle anderen tun etwas und anderes nicht und sind auf eine Weise, dass alles so sein muss, wie es ist, und sie sind der Grund dafür, dass es nicht anders werden kann. Soweit die Ausrede.

Mit Ausreden begründen wir jeweils den Status Quo, und zwar so: „Es ist, wie es ist, weil es so ist.“ Bequemer geht’s nicht, und auch nicht fauler (!). Unser Repertoire ist diesbezüglich unerschöpflich – und es passt immer. Darum pflegen wir es auch so liebevoll: Systeme, Politiker, Schüler, Banker, Lehrer: Sie sind halt so. Das ist ein ganz alter Hut: „Wir können Frauen das Wahlrecht nicht geben, oder Homosexuellen das gleiche Recht auf Be- und Erziehung, weil sie damit völlig überfordert sind. Verstehen sie das denn nicht? Sie haben das doch noch nie gemacht: Wie sollten sie es dann jetzt plötzlich können?“

Ausreden sorgen dafür, dass etwas so bleibt, wie es ist, weil es so ist, wie es ist. 

Der Trick und der Unterschied zu wirklichen Begründungen ist, dass Ausreden das, was sie zu begründen vorgeben, zum Hauptteil der Begründung machen. Was erklärt werden soll, wird zur Erklärung herangezogen. Ein alter, hoch wirksamer Taschenspielertrick. Dass wir Menschen nun mal nicht in selbstorganisierte Lernprozesse verwickeln können, wird damit begründet, dass sie nicht selbstorganisiert lernen können. Dass wir Menschen keine Verantwortung für sich und ihre Lernprozesse geben können liegt daran, dass sie keine Verantwortung für sich selbst und ihre Lernprozesse übernehmen können. Diese Logik ist bestechend.

Ausreden treten also an die Stelle von Begründungen. Sie machen keine Aussagen über das, was sie zu begründen vorgeben, sondern über den, der die (faule) Ausrede macht. Ausreden sind Selbst-Aussagen von Menschen, die sich etwas nicht vorstellen können. Womöglich. Womöglich können sie es aber doch, und greifen deshalb erst recht zur Ausrede, denn: Wo kämen wir denn hin, wenn plötzlich alle irgendetwas könnten, ja beherrschten oder einfach von ihren Rechten Gebrauch machen würden? So ganz ohne Zertifikat.

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Digitalisierung für Nachzügler. Einsichten eines digitalen Immigranten

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Wie finde ich mich in Digitalien zurecht? Wie komme ich klar mit dieser Revolution? Was ist Digitalisierung jenseits der Schlagworte? Wie wird sich mein Leben ändern? Wie nutze ich die Möglichkeiten der Digitalisierung beruflich und privat?

Um solche Fragen geht es in meinem Buch. Aber nicht theoretisch. Ich bringe meine persönliche Erfahrung der letzten zwei Jahre ein, in denen schon so viel passiert ist. Es geht nämlich schnell mit der Digitalisierung. Sie stellt alle unsere Lebens- und Arbeitsbereiche auf den Kopf. Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben. So viel steht heute fest.

Ob das eine gute oder eine weniger gute Nachricht ist, das hängt mehr von mir selber ab, als es bisher den Anschein macht. Das ist meine Erfahrung, und von der erzähle ich. Digitalisierung ist keine Entmündigung. Sie ist ein nahezu kostenloses Angebot, die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Ich muss nur wissen, wie.

Für mich bedeutet Digitalisierung: Mehr Möglichkeiten für viel mehr Menschen. Mitgestalten und mitreden. Es geht mir um die Chancen, die jede und jeder selber ergreifen kann. Wenn wir das gemeinsam und richtig anpacken, dann liegt da eine Menge Lebensqualität für uns drin – jenseits von Konsum und Terror.

Zwar wird in Zukunft unglaublich viel Arbeit von Maschinen erledigt, aber darin liegen große Chancen: Wir befreien uns von den Bullshit-Jobs und von einer modernen Form der Versklavung an sinnleere Arbeit. Wir werden dadurch frei für andere Ideen und Projekte, die uns wirklich weiterbringen – angesichts des desolaten Zustands unseres Planeten.

Und weil die Digitalisierung eine so komplexe Sache ist, haben die Ilustratorin des Buches Melanie Vetterli und ich in einem Kapitel des Buches wichtige Begriffe metaphorisch umschrieben und illustriert. Damit möchten wir der Leserin und dem Leser den Zugang zu dieser spannenden Materie erleichtern. Manchmal sagen Bilder nämlich mehr als tausend Worte.

Warum ein e-book?

Weil ich als digitaler Immigrant unbedingt diese Erfahrung machen wollte. Digitalisierung bedeutet ja auch, dass wir unser Wissen und unsere Erfahrung digital zur Verfügung stellen. Digitale Bücher können viel schneller angepasst, verändert, korrigiert werden. Rückmeldungen von LeserInnen können umgehend eingebaut werden – und es braucht weniger vom wertvollen Rohstoff Papier.

Stichworte aus dem Inhalt

Digitalisierung ist mehr und anderes als technische Aufrüstung – Über die weitreichenden kulturellen Folgen der Digitalisierung – Wir entwickeln ein „neues Lernen“, mit dem wir uns für das Digitale Zeitalter fit machen – Der digitale Umgang mit der Ressource „Wissen“ – Die wichtigsten Kompetenzen für ein erfolgreiches Leben in der Digitalisierung, und wie wir zu denen kommen – Ein konkretes Beispiel für digitale Lern- und Arbeitskultur – Meine Vision: Wie wir in Zukunft zusammen leben und arbeiten werden.

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To be read, shared and practiced

Zukunftsfähig durch digitale Transformation

Danke Anja C. Wagner Institut für kreative Flaneure
„Zukunftsfähig durch digitale Transformation heisst für mich, darüber nachzudenken, wie wir gemeinsam eine bessere Welt schaffen können. Angesichts von Klimawandel, Chancenungleichheit und regelmässigen Übergriffen in allen möglichen Bereichen gilt es die vorhandenen Potenziale einer kollektiven Intelligenz zu heben, um neue Rahmenbedingungen für ein friedliches Miteinander zu schaffen.

Die digitale Transformation hat das Potenzial dazu, da sie einen globalen Layer über die Weltgesellschaft legt, der einen neuen Kulturraum schafft. Diesen Raum als selbstverständliche Erweiterung des lokalen Raumes zu begreifen und dort wechselseitig gewinnbringend sich einzubringen, ist das Erfolgsgeheimnis langfristig erfolgreicher Unternehmen und sonstiger Player.

Der Ruf nach Bildung, der in diesem Zusammenhang immer wieder laut wird, da es die Menschen angeblich überfordere, diese Entwicklung begreifen und leben zu können, verfolgt nach unserer Einschätzung eine Alibi-Funktion. Solange man den kleinen Leuten unterstellen kann, sie wären nicht zukunftsfähig, braucht man sich selbst nicht bewegen…

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Islam – Westen – Religion – Kultur

Think different, argue rational, act with empathy.

SINNsorger

Lieber NN
Wie du weisst, bin ich katholischer Theologe (katholisch heisst wörtlich: das Ganze umfassend). Mich interessiert, was andere für eine Religion ausüben und v. a. wie sie das tun! In der Religion geht es m. E. um etwas Grösseres, als um Rituale und Bräuche. Es geht den Religionen um das Transzendente (das Überschreitende und Grenzen Überwindende) und um das, was die Welt im Innersten Zusammenhält, um das, was uns auf diesem blauen Planeten im unendlichen Universum verbindet. Wir Theologen nennen das in deutscher Sprache «Gott». Ich weiss darum, dass jeder Mensch, auch ich, nur eine begrenzte Perspektive hat. Darum bin ich froh um den Dialog und den Austausch mit andersdenkenden und -glaubenden Menschen. Hier kann ich dank anderer Perspektiven dazulernen!

Jede Religion hat auch das Bewahrende und Abgrenzende in sich. Das kennen wir in der römisch-katholischen und christlichen Tradition leider auch nur allzu gut. Voraufklärerisch waren wir und sind…

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Kehraus.

Bildschirmfoto 2017-10-12 um 09.36.06Wir betrügen die junge Generation um ihre Zukunft mit der Begründung, sie darauf vorzubereiten. Wir verweigern ihnen die dringend benötigten Kompetenzen für die Gestaltung ihres Lebens und ihrer Gesellschaft in der Zukunft. Dadurch, dass wir konsequent und unbeirrt an einem nutzlosen Bildungssystem festhalten, verweigern wir ihnen auf der ganzen Linie die Perspektiven auf eine Zukunft, die so radikal anders sein wird als das Gestern und das Heute. Weil wir uns das nicht vorstellen können, weil wir in unserem Mindset festsitzen, vergeuden wir die Lebenszeit der kommenden Generation.

Und wir tun es mit Verve. Wir zelebrieren es. Wir sorgen jeden einzelnen Tag dafür, dass alles so bleibt, wie es ist. Vor allem in der Bildung. Wir kümmern uns nicht. Wir informieren uns nicht. Wir halten stattdessen in zweierlei Hinsicht am Alten fest. Erstens soll das Alte bleiben: Lehre, Besserwisserei, Bulimie-Pädagogik, Vermittlungsdidaktik, Reproduktion bestehender Verhältnisse. Malen nach Zahlen. Engstirnig und ums eigene Überleben im System besorgt, gefangen in der Vorstellung von der eigenen Unverzichtbarkeit. Überzeugt davon, dass der neue Wein unter allen Umständen in die alten Schläuche muss. Komme, was da wolle.

Zweitens: Wir halten nicht nur das Alte fest. Wir halten uns an ihm fest, wie sich die Passagiere der untergehenden Titanic an allem festgehalten haben, was in Griffweite war. Wir realisieren nicht, wie sinnlos es ist, sich in Überlebenshoffnung an etwas festzuhalten, das selbst im Untergang begriffen ist. Darum tun wir es.

Und wie sollen Menschen in so einer Haltung jungen Menschen Lust auf eine Reise machen können, die Zukunft heißt? Gar nicht.

Das ist eine bedeutsame Verantwortungslosigkeit. Der Verrat an der nächsten Generation ist auch ein Verrat an so vielen dringend zu ergreifenden Chancen, die wir dem Planeten schulden: Lösungen in den weltweiten Migrationsfragen, der geopolitischen und regionalen Neuordnungen, der ökologischen Radikalwende, der Erfindung neuer ökonomischer Systeme, der Entwicklung tragfähiger sozialer Konzepte für unser Zusammenleben: Partizipation. Ganz zu schweigen von den radikalen Veränderungen, die durch die Digitalisierung in all diesen Bereichen bereits am Anheben ist: Das Verschwinden von Arbeit, die Entstehung und Vernetzung digitaler Intelligenzen.

Diese Agenda ist mit dem Mindset, an dem unser Bildungssystem auf allen Ebenen und in allen Formaten so unbeirrt festhält, nicht nur nicht zu schaffen. Wir verhindern durch unsere mal weinerliche, mal polternde Ignoranz eine entsprechende Bildung und Ausbildung. Wir verhindern, dass sich ein Geist der Vernetzung und der Kollaboration entwickeln kann, der die Grundlage für das Lösen all jener Herausforderungen ist, die wir konsequent vertagen.

Wir sind das Problem, zu dessen Lösung wir antreten.

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Wir erfinden Schule und Lernen neu!

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Foto: Christoph Laib

Der Intrinsic Campus hat ein großes Ziel: Eine neue Haltung zum Lernen in allen Bereichen der Gesellschaft zu entwickeln. Mit einem Barcamp in Zürich ist jetzt der Startschuss gefallen. Um die 40 Frauen und Männer kamen zusammen und gaben dem spannenden Thema ein Gesicht. 

Christian Müller und Daniel Straub sind das Kernteam des „Institut Zukunft“. Die beiden haben vor einiger Zeit in der Schweiz die Volksinitiative zum Bedingungslosen Grundeinkommen lanciert. Jetzt gehen sie das nächste große Projekt an: Intrinsic Campus. Ihr Anliegen hat große Relevanz und Aktualität. Es geht um die Erneuerung der schulischen Bildung und des Lernens in der Gesellschaft.

Am 30. September haben wir uns im Kulturpark Zürich zu einem Barcamp getroffen. Da es um den Aufbruch in eine neue Welt von Schule und Lernen geht, liegt es nahe, gleich zu Beginn eine Form zu finden, die den Anforderungen an Bildung und Lernen 4.0 gerecht wird: Barcamp ist eine relativ junge Form der „Un-Konferenz“: Es gibt im Vorfeld kein Programm und vor Ort keine Keynote-Speaker oder „ReferentInnen“. Die Themen werden live unter den TeilnehmerInnen erfasst und in Sessions bearbeitet. Auf einem Barcamp gibt es also keine Gäste, sondern nur aktive Gestalterinnen. Der Grad der Selbstorganisation ist hoch, der Output noch höher. Die Vernetzungsleistung ist enorm.

Klicken Sie hier für einen Einblick in das Barcamp, das ich vorbereitet und moderiert habe. Auf Twitter finden Sie das Barcamp unter #incabamp. Den Blog des Intrinsic Campus finden Sie hier.

Foto: Christoph Schmitt