Die 3 Ansprüche der Millennial Generation an den Arbeitgeber

In diesem Gastbeitrag blickt Diego Beck kritisch auf die aktuell noch vorherrschenden Denkweisen und Anstellungsbedingungen bei Gross- und Kleinunternehmen. Er nimmt bewusst den Blickwinkel der Millennial Generation ein und zeigt auf, was Unternehmen zwingend ändern müssen, um langfristig den eigenen Personalbestand mit sogenannten «jungen Talenten» zu sichern. Es gilt als attraktiver Arbeitgeber gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, den Menschen wieder ins Zentrum zu stellen und obsolete Business-Modelle durch Innovation abzulösen.

Meiner Ansicht nach haben sich Unternehmen zu lange der gezielten Rekrutierung und Förderung junger Mitarbeiter entzogen. Mitarbeiter sind in den Augen von Unternehmen nur ein Mittel zum Zweck, und das Arbeitsklima sowie junge Talente werden nur mit dem nötigen Minimum gefördert. Das Aufzeigen von Chancengleichheit und klar definierten Entwicklungsmöglichkeiten mit regelmässigem und konstruktivem Feedback kommt einer Utopie gleich. Und falls doch mal ein Versuch gewagt wird, sind die verantwortlichen Manager und Teamleiter entweder überfordert, oder das gemeinsame Verständnis für konstruktive Personalführung driftet komplett auseinander.

Ich stelle mir also vermehrt die Frage, ob heutige Führungskräfte sich der personellen Verantwortung nicht bewusst sein wollen, oder ob sie es ganz einfach nicht können. Ich glaube es ist eine Mischung aus beidem. Ja, unsere Generation (Millennials / Generation Y) hat im Vergleich zu früheren Generationen (Baby Boomers / Generation X) andere Wertvorstellungen und eine andere Erwartungshaltung was einen potenziellen Arbeitgeber betrifft. Doch statt sich über die Eigenheiten und Ansprüche unserer Generation zu beklagen, sollten die heutigen Manager und Teamleiter sich lieber mit der Veränderung auseinandersetzen, Massnahmen einleiten und sich als Unternehmen attraktiver gegenüber den Millennials auf dem Arbeitsmarkt positionieren.

Warum Millennials ein Umdenken einfordern

Die Millennial Generation, Geburtsjahrgänge zwischen 1983 und 1994, werden innerhalb der nächsten 10 Jahren 75% der Arbeitskräfte ausmachen. Es besteht also eine gewisse „Dringlichkeit“. Und mit diesem Generationenwechsel werden sich wie bereits angedeutet die Wertvorstellungen und Erwartungshaltungen gegenüber potenziellen Arbeitgebern drastisch ändern. Doch was heisst das genau?

Die Millennial Generation empfindet im Vergleich zu früheren Generationen ein viel grösseres Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft und setzt sich für nachhaltiges bzw. langfristiges unternehmerisches Handeln ein. Zudem ist das Thema Chancengleichheit und Verdienst in Bezug auf das Geschlecht unumgänglich. Mehr dazu hier. Es ist für die Millennial Generation somit bei der Auswahl des Arbeitgebers essenziell, was die wahren Werte einer Unternehmung sind und vor allem, wie diese Werte auch im realen Unternehmensalltag gelebt und gefördert werden. Wie sich ein Unternehmen vordergründig in der Presse darstellt hat keine Bedeutung mehr. Gemäss der „Deloitte Millennial Survey 2018“ bemängelten 75% der befragten Millennials, dass sich heutige Unternehmen nach wie vor nur auf den eigenen Vorteil konzentrieren. Gesellschaftliches Engagement und die eigenen Mitarbeiter, egal ob Mann oder Frau, als wertvolles Gut und eine Investition zu betrachten sind nach wie vor fehl am Platz. Man merkt also, dass unsere Generation bestehende Strukturen hinterfragt und vor einer Bewerbung auch gerne mal einen Blick hinter die Kulissen einer Unternehmung wirft. Und wer jetzt vielleicht denkt, dass das doch gar nicht möglich ist, kann sich gerne mal auf www.kununu.ch oder www.glassdoor.ch umschauen. Dort findet man so ziemlich alle Informationen über ein Unternehmen, die man für eine Bewerbung vorab braucht. Und wenn uns nicht gefällt was wir sehen, gehen wir zu einem anderen Unternehmen. Ganz einfach.

Was Unternehmen für junge Talente tun müssen

Meiner Meinung nach gibt es drei Punkte, die heutige Unternehmen bei der gezielten Rekrutierung und Förderung junger Mitarbeiter der Millennial Generation berücksichtigen und nach aussen kommunizieren müssen. Nur so kann der zukünftige Personalbestand einer Unternehmung gesichert werden.

  1. Als Unternehmen einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben

Wie bereits angesprochen legen wir einen grossen Wert auf gesellschaftliches Engagement. Das heisst, dass die eigene Gier eines Unternehmens zurückgestellt und der Gemeinschaft etwas zurückgegeben werden muss. Ob der Profiteur die lokale Gemeinde, die ganze Stadt oder auch ein Dorf auf einem anderen Kontinent ist, spielt für uns keine Rolle. Es geht uns darum, dass heutige Unternehmen wieder den Menschen ins Zentrum stellen (People First) und dass bewusst ein gesellschaftlicher Beitrag geleistet wird. Denn egal in welcher Branche ein Unternehmen tätig ist, schlussendlich sind immer die Menschen selber die Endkunden – direkt oder indirekt. Warum also an seinem eigenen Ast sägen?

  1. Innovative Ideen, Produkte und Dienstleistungen zum Vorteil der eigenen Kunden anbieten

Wir Millennials wollen genau wie jede vorherige Generation etwas bewegen. Wir wollen die Welt zu einem besseren Ort machen und unseren Beitrag dazu leisten – egal ob gross oder klein. Und genau hier haben veraltete und den Kunden übervorteilende Business Modelle nichts mehr verloren. Aktuell müssen sich die Banken und die gesamte Auto-Branche komplett neu erfinden, um langfristig die eigene Existenz sichern zu können. Zu lange hat man sich auf Altbewährtes verlassen und den Status quo zum eigenen Vorteil ausgenutzt. Der Wille sich zum Wohle der eigenen Kunden neu zu erfinden muss von heutigen Unternehmen konstant nach aussen kommuniziert und intern gelebt werden. Wir Millennials wollen hören und sehen, wie ein Unternehmen den Alltag der eigenen Kunden durch innovative Ideen, Produkte und Dienstleistungen erleichtert. Nicht mehr und nicht weniger. Das macht ein Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber.

  1. Weiterentwicklung der eigenen Angestellten fördern

Von früheren Generationen hört man immer wieder, dass man auf die eigene Karriere keinen wirklichen Einfluss hat und sich somit einfach mehr oder weniger ins Ungewisse treiben lassen soll. Darauf haben wir keinen Bock mehr. Wir fordern klare Perspektiven, damit wir uns engagieren, uns weiterentwickeln und unseren Beitrag zum Wohle der Unternehmung (und der Gesellschaft) leisten können. Besonders am Anfang einer Karriere sind Sorgen und Ängste bei jungen Talenten vorhanden. Und da müssen Unternehmen vermehrt anfangen Stellung zu beziehen und gemeinsam mit ihnen den Weg beschreiten. Ja, es ist zeitintensiv und nein, mit einem jährlichen halbstündigen Mitarbeitergespräch ist es nicht getan. Karriereentwicklung erfordert kontinuierliches und konstruktives Feedback. Es lohnt sich. Wenn ein Unternehmen sich für die Weiterentwicklung der eigenen Angestellten einsetzt und uns statt eines befristeten Arbeitsvertrags eine Perspektive aufzeigt, dann sind wir gewillt vollen Einsatz zu geben und danken es mit Loyalität.

Über Diego Beck

Bildschirmfoto 2019-05-02 um 16.22.26Diego Beck ist ein Digital Marketing Manager und Webprojektleiter mit einer starken Affinität zur Technologie und Leidenschaft für das Thema Millennials am Arbeitsplatz. Als Vertreter dieser Generation ist es sein Ziel, das gegenseitige Verständnis zwischen Unternehmen und Millennials zu stärken, um die Zusammenarbeit und Effizienz innerhalb einer Unternehmung zu steigern.

Weitere Blogartikel von Diego Beck.

Quelle Titelbild

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.