„Bildung, die schmeckt. Neue Trends und attraktive Formen“.

So das Motto der Herbsttagung von plusbildung.ch.

Plusbildung repräsentiert die ökumenische Bildungslandschaft der Schweiz. Damit ist der Verband ein breit aufgestellter Player auf dem Markt der Weiterbildung. Seine Mitglieder stehen für ein Angebot, welches ausdrücklich den ganzen Menschen anspricht – in allen relevanten Dimensionen: individuell, sozial, beruflich, ökologisch und spirituell. Als Moderator und Referent war es meine Aufgabe, die Chancen der Digitalen Transformation für das Bildungsangebot sichtbar zu machen – und konkret.

Ein Teilnehmer schreibt mir als Rückmeldung:

„Die beiden letzten Tage klingen nach. Ich werde mich wohl erneut auf den Weg in den digitalen Dschungel machen, von dem ich bereits glaubte, dass für mich im Moment ausser Spesen (Zeit) nicht genug rausspringt. Deine Impulse haben mich ermutigt, mich neu und mutig ins Wasser zu werfen. Dein eBook bin ich im Zug am Lesen und entdecke da auch bekanntes, welche ich ähnlich bereits in TZI kennen gelernt und mir z.T. auch angeeignet habe: Die Ermächtigung des Lernenden. Du zielst ja nicht auf Egozentrik und Egoismus, sondern auf Selbst- und Mitverantwortung. Diese bedarf der Freude am Erfolg des Andern, wie zuerst auch Freude am eigenen Erfolg.“

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Heute schon gelernt? Eine kurze Analyse unserer wichtigsten Fähigkeit

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Zuerst die Bombe zünden: Selbststeuerung und Selbstorganisation sind ebenso wenig „in Teilen“ oder „partiell“ möglich wie „Autonomie“. Ein Prozess ist entweder selbst- oder fremdgesteuert, er ist entweder selbstorganisiert oder er ist es nicht. Auch „Teilautonomie“ ist ein semantisches Unding. Prozesse, die in der Annahme durchgeführt werden, dass es Teilautonomie gibt, geraten ausnahmslos zu bizarren Unterfangen. 

Ein Beispiel: Schulen werden in der Schweiz gerne als „teilautonom“ bezeichnet. Sie erfahren aber immer und ausgerechnet dann, wenn sie sich autonom verhalten, wie sehr sie „unter fremden Gesetzen“ stehen, also heteronom unterwegs sind. Das teilautonome Moment schlägt immer dann in Heteronomie um, wenn es sich selbst autonom anwendet. Diese Erfahrung ist nicht auf das Schulsystem begrenzt. Wir können sie praktisch in jeder Form von Organisation machen: „Autonomie“ hast du nur so lange, bis du sie benutzt.

So ist das auch mit dem Phänomen der Selbstorganisation – ausgerechnet beim Lernen. Erstens gilt – mit gesichertem neurologischem und systemischem Wissen im Gepäck: „Selbstorganisiert lernen kann ich nur selbstorganisiert lernen.“ Das pädagogische „Kann“ kann ich aus dieser Formel übrigens streichen, denn Lernen ist immer ein Prozess der Selbstorganisation, der in jedem möglichen Fall vom lernenden System oder Organismus (Mensch, Klasse, Familie, Abteilung, Unternehmen,) selbst gesteuert wird. Es gilt also: „Selbstorganisiert lernen“ lerne ich nur selbstorganisiert, oder: Lernen ist selbstorganisiert. Auch Phänomene wie Abhängigkeit, Überforderung, Unterforderung, Demütigung, Leistungsdruck, Langweile, Diskriminierung, Lob und Tadel, Belohnung und Strafe – und was wir sonst noch in institutionell organisierten Lernprozessen erfahren, das alles integrieren wir selbstorganisiert in unsere Lernprozesse (!). Insofern ist z.B. auch die Rede von der „intrinsischen Lernmotivation“ höchst unscharf, weil jeder Lernprozess intrinsisch motiviert ist. Die Konstruktion „intrinsische Motivation“ ist ein Pleonasmus – und dieses Konstrukt verdanken wir einer Disziplin mit Namen Pädagogik.

Der Unterschied zwischen Lernprozessen, die intrinsisch, selbstorganisiert, selbstgesteuert und autonom „sind“ und solchen, die es „nicht sind“, besteht nicht darin, dass die Lernenden im einen Fall selbstorganisiert, selbstgesteuert, intrinsisch und autonom unterwegs sind und im anderen nicht. Der Unterschied besteht darin, dass die Lernprozesse im einen Fall so organisiert sind, dass ich aufgrund der immer währenden Selbstorganisation und Autonomie meines Lernens expansiv lerne – und im anderen Fall (selbstorganisiert) defensiv. Denn auch dann, wenn ich destruktive Prozesse abwehre (Angst vor schlechten Noten, vor sozialer Deklassierung, vor Scham usw.), verlasse ich nicht das selbstorganisierte Lernen, weil das gar nicht geht.

Mein Lernen ist also in jedem möglichen Fall selbstorganisiert und selbstgesteuert. Die Prozesse und Strukturen, die von Bildungssystemen drumherum gebaut werden („Didaktik“), machen nichts anderes, als solches Lernen zu manipulieren. Nicht selten missbrauchen sie es für „übergeordnete Zwecke“, hinter denen sich Anliegen verbergen, die nichts mit dem eigenen Lernen zu tun haben, sondern mit seiner schulischen Organisation: Ordnung, Pünktlichkeit, Sauberkeit, aufstrecken, auswendiglernen, Prüfungen vorbereiten und schreiben, Hausaufgaben machen, zusammenfassen, anstreichen, mich auf Dinge konzentrieren, mit denen ich überhaupt nichts anfangen kann u.v.m.

Was eine positive und gestaltende Entfaltung unseres autonomen, intrinsischen und selbstorganisierten Lernens also jederzeit gefährdet, ist die Ausrichtung an künstlichen, fremdgesteuerten Formen der Organisation. Das führt zu einer Desavouierung von Selbstorganisation und Autonomie, weil die ja vom Schulsystem als eine grundsätzliche Gefahr für die schulische Organisation des Lernens wahrgenommen werden: Wenn ich meinem selbstorganisierten Lernen freien Lauf lasse, aktiviere ich umgehend die schulischen Sanktionsmechanismen. Niemand hat das schlauer analysiert als Klaus Holzkamp.

Anstatt junge Menschen auf soziale und kollaborative Weise ihrem Lernen zu überlassen (nicht sich selbst, liebe Lehrer, sondern ihrem Lernen), statt sie nur dort sanft zu unterstützen, wo sie sich selbst Hilfe holen (weil sie erst dann expansiv lernen, wenn sie ganz von selbst an Grenzen kommen, die keine curricular konstruierte Grenzen sind), betten wir ihre Entwicklung in heteronome, fremdgesteuerte pädagogische Systeme ein. Das tun wir mit der Begründung, dass sie, die jungen Menschen, noch nicht in der Lage sind, das zu „tun“ oder zu „können“, was sie über den Umweg des pädagogisch-didaktischen Systems zu lernen haben. Was wir dabei völlig außer Acht lassen, ist das, was ich oben beschrieben habe: Wir versuchen Menschen durch Schule etwas beizubringen, was sie sich nur selbst (her)beibringen können – und wundern uns dann regelmäßig über das Mittelmaß, in dem diese pädagogischen Versuche steckenbleiben – und immer öfter scheitern.  In einem Kommentar zu diesem Artikel klingt das so:

Wir dürfen also NICHT zu der Erkenntnis gelangen, dass es am pädagogischen System liegt, wenn Lernprozesse „ins Chaos führen“. Wir müssen die Ursachen bei den Lernenden finden, die nicht wissen, was sie lernen sollen. Darüber hinaus sind sie zu heterogen, zu gescheit, zu dumm, falsch zusammengewürfelt, zu viele von denen, zu wenig von den anderen, haben die falsche Herkunft, das falsche Geschlecht für Mathe, einen Migrationshintergrund, den falschen Vornamen (z.B. Kevin oder Wibke), haben Lernschwächen und Verzögerungen, leiden unter Asperger und ADHS, unter überfürsorglichen oder vernachlässigenden Eltern – und brauchen deshalb ein sich immer weiter differenzierendes pädagogisches System.

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Ein Klassiker zu dieser Thematik ist übrigens ein Vortrag des großen Pädagogen Klaus Holzkamp aus dem Jahr 1992. Sie finden das Transskript hier.

(Quelle)

Über die Zwangsehen im Bildungssystem

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Irgendwann fing ich an, von „Bulimie-Pädagogik“ zu sprechen. Ich brauchte eine Metapher für den unsäglichen Vorgang des schulischen Mästens junger Menschen mit Informationen, die sie bei Prüfungen un- oder halbverdaut wieder hervorwürgen, um neuem Material Platz zu machen. Bis heute finde ich: Es gibt keine bessere Metapher dafür. Und bis heute höre ich den Vorwurf: „Damit verhöhnst du Menschen, die wirklich an Bulimie leiden.“ Dieser Abwehrreflex übersieht, dass die Parallelen zwischen der täglich praktizierten Bulimiepädagogik und dem Symptom der Ess-Brech-Sucht keine scheinbaren sind. Das eine macht krank, das andere ist die Krankheit.

Jetzt habe ich mir erlaubt, eine weitere Metapher zu konstruieren, um die unmenschliche Kultur unseres Bildungssystems noch besser zu erfassen: Die Zwangsehe. Ich bin gespannt, welche Reflexe ich dieses Mal auslöse. Im Weiterlesen werden Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, jedoch schnell merken: Auch diese Metapher ist alles andere als eine Verhöhnung. Sie legt den Finger in eine Wunde, die das Bildungssystem bis heute schlägt.

Unauflösbar und erzwungen

Die Verkettung von Lernen und Präsenz („physische Anwesenheit“) gilt bis heute in der Bildung als unauflöslich: Zwingend präsent in einem Raum mit anderen. Fremdbestimmt, beaufsichtigt und kontrolliert. Bildung ist in unseren Köpfen bis heute ein erzwungenes und unauflösliches Bündnis zwischen Lernen und kontrollierter Präsenz. Eine Zwangsehe. Denn bis heute wird niemand gefragt, ob er oder sie sich auf das einlassen möchte. Er und sie hat das zu akzeptieren.

Und jetzt schaltet die Welt auf „Digitalisierung“. Das bedeutet: die erzwungenen Bedingungen, unter denen Bildung und Lernen bis heute alternativlos stattzufinden haben, vor allem das Dogma von der unbedingten körperlichen Anwesenheit der Lernenden unter einem wachenden Auge – sie fallen weg. Sie sind sogar zunehmend dysfunktional. Die Interessen, die bei der eisernen Verkettung von Lernen und Präsenz im Spiel waren: sie verlieren rasant an Einfluss. Alternative, menschengerechte Formen entstehen – wenngleich sie vom System noch massiv stigmatisiert werden. Eltern, die ihre Kinder da rausholen, werden vielerorts bis heute „exkommuniziert“. Dessen ungeachtet stellen wir fest: Diese „Ehe“ zwischen Bildung und Präsenz, die einstmals gar nicht anders vorstellbare Verknüpfung von kontrollierter körperlicher Anwesenheit und Lernen, ist nicht nur nicht unauflöslich – sie war und ist sogar bis heute purer Zwang.

Das Lernen hatte in unserem Bildungssystem nie die Wahl, wo und wie es sich entfalten möchte. Es war immer klar: Nur in dieser Form, nur in dieser Beziehung: Klassenzimmer, Hörsaal, Fremdsteuerung, Kontrolle. Die Hauptbetroffenen hatten bei dieser Entscheidung nicht mitzureden. Es wurde nicht darauf geachtet, ob und wodurch sie zusammenpassen könnten. Es hatte zu passen. So funktioniert Bildung bis heute. Die Verbindung wurde erzwungen mit dem Argument, sie sei „alternativlos“. Was sie aber nicht ist. Keine Verbindung, keine Beziehung ist das.

Das Lernen aus dem Korsett befreien – und damit den Menschen

Was wir jetzt brauchen, sind neue Erfahrungen: erleben, dass ich als lernender Mensch diese Zwangsbeziehung gar nicht brauche, um mich selbst zu entwickeln und zu mir selbst zu finden. Ich erfahre und erkenne: Ich kann auch ohne. Und zwar sehr gut. Lernen, leben, mich entwickeln und entfalten. Das ist eine der eindrücklichsten „Befreiungs-Erfahrungen“ von Menschen, die in missbräuchlichen Beziehungen gefangen waren: „Ich brauche den anderen ja wirklich nicht zum Leben – um zu gelingen, um glücklich zu werden.“

Und das sind genau die Erfahrungen, die lernende Menschen machen, wenn sie aus der pädagogischen Zwangsehe befreit sind: Sudbury, freie demokratische Schulen, Schools of Trust. Immer mehr Menschen erfahren zum Glück, dass diese „Zwangsverbindung des Lernens“ nicht die einzige Form ist. Sie realisieren, dass sie eine Wahl haben und Entscheidungen fällen können.

Als BefreiteR merke ich: Es gibt andere Formen von Lern-Partnerschaft, die sich durch andere Formen der Verbindlichkeit auszeichnen. Beim Lernen. Ich kann neue, andere, experimentelle Formen von Lern-Beziehungen eingehen: Freundschaften, offene Partnerschaften, Dreierbeziehungen. Ich gehe fremd, was das Zeug hält. Als BefreiteR erkenne ich: Es gibt eine Vielzahl möglicher anderer Partner, die bisher gar nicht als solche in Betracht gekommen waren.

Die Zukunft des Lernens wird eine menschliche sein.

»Digitalisierung für Nachzügler«

Gallus Zahno, ein sehr engagierter Pädagoge im Bereich der berufsschulischen Bildung, hat mein e-book „Digitalisierung für Nachzügler“ besprochen – und er hat dazu tief in die Digitalkiste gegriffen. Das Ergebnis finde ich beeindruckend: Wie es ihm gelingt, durch die Bildersequenzen im Video zentrale Gedanken aus dem Buch aufzugreifen und frei weiter zu entwickeln!

Staufbergsicht

Christoph Schmitt formuliert seine Einsichten zum Megathema ‚Digitalisierung‘ aus Sicht eines digitalen Immigranten. Melanie Vetterli steuert Illustrationen dazu bei. Das eBook ist bei Amazon erhältlich.

Schmitt ist optimistischer Immigrant ins Land Digitalien. Obwohl die Digitalisierung  praktisch alle Lebens- und Arbeitsbereiche seiner „alten“ Welt Analogistan stark beeinflusst, sieht er vorallem die Chance, dabei mitzugestalten und mitzureden. Digitalisierung kann uns von sinnleerer Arbeit befreien und dafür mit ihrem Potenzial kreative und individuelle Projekte in Netzwerken ermöglichen. Er zeichnet im eBook seinen Weg vom Bewohner Analogistans zum Aktivbürger Digitaliens nach.

Ich habe versucht, einige Ideen und Aussagen von Christoph Schmitt, die mich beeindruckten, im Video zusammenzufassen. Seine präzise formulierten Begründungen und Einsichten und die treffenden Metaphern dazu kommen dabei zu kurz – dafür ist die Lektüre des eBooks empfohlen.

Weniger explizit angesprochen werden mögliche gesellschafts- und staatspolitische Auswirkungen der Digitalisierung. Diese Rahmenbedingungen zu diskutieren und zu gestalten, wären ein weiteres eBook wert.

Ursprünglichen Post anzeigen

Faule Ausreden

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Dass jede Ausrede faul sei, ist eine kühne Behauptung – und in Zeiten von „fake-true-Polaritäten“ weder be- noch widerlegbar. Sind Ausreden wirklich immer faul? Dann gäbe es ja auch keine mehr oder weniger faulen. Denn streng genommen ist „faul“ ein Adjektiv, das nicht gesteigert werden kann. „Der ist aber fauler als ich“ – das ist Sandkastenrhetorik. 

Was es jedoch gibt: den Fall, dass jemand felsenfest davon überzeugt ist, soeben eine Begründung geliefert zu haben, während sein (oder ihr) Gegenüber bloß eine Ausrede gehört hat. Das kommt besonders häufig an den Schnittstellen von Festhalten und Loslassen vor. Von Beharren und Verändern. Von gleich oder anders. Von Bewegung und Starre. Die formale Struktur der Ausrede ist dabei immer dieselbe, wie blumig auch immer sie daherkommt. Sie lautet: Es geht nicht, weil es nicht geht.

Dass so viele Menschen einfach überfordert seien mit Wandel und Entwicklung und Selbstverantwortung: das ist so eine Ausrede. Egal ob es um ein Teammitglied geht, das einfach nicht kooperativ sein will, um einen Schüler, der das selbstorganisierte Arbeiten einfach nicht hinkriegt, oder um Donald Trump, den narzisstischen Nerd. Diese drei und alle anderen tun etwas und anderes nicht und sind auf eine Weise, dass alles so sein muss, wie es ist, und sie sind der Grund dafür, dass es nicht anders werden kann. Soweit die Ausrede.

Mit Ausreden begründen wir jeweils den Status Quo, und zwar so: „Es ist, wie es ist, weil es so ist.“ Bequemer geht’s nicht, und auch nicht fauler (!). Unser Repertoire ist diesbezüglich unerschöpflich – und es passt immer. Darum pflegen wir es auch so liebevoll: Systeme, Politiker, Schüler, Banker, Lehrer: Sie sind halt so. Das ist ein ganz alter Hut: „Wir können Frauen das Wahlrecht nicht geben, oder Homosexuellen das gleiche Recht auf Be- und Erziehung, weil sie damit völlig überfordert sind. Verstehen sie das denn nicht? Sie haben das doch noch nie gemacht: Wie sollten sie es dann jetzt plötzlich können?“

Ausreden sorgen dafür, dass etwas so bleibt, wie es ist, weil es so ist, wie es ist. 

Der Trick und der Unterschied zu wirklichen Begründungen ist, dass Ausreden das, was sie zu begründen vorgeben, zum Hauptteil der Begründung machen. Was erklärt werden soll, wird zur Erklärung herangezogen. Ein alter, hoch wirksamer Taschenspielertrick. Dass wir Menschen nun mal nicht in selbstorganisierte Lernprozesse verwickeln können, wird damit begründet, dass sie nicht selbstorganisiert lernen können. Dass wir Menschen keine Verantwortung für sich und ihre Lernprozesse geben können liegt daran, dass sie keine Verantwortung für sich selbst und ihre Lernprozesse übernehmen können. Diese Logik ist bestechend.

Ausreden treten also an die Stelle von Begründungen. Sie machen keine Aussagen über das, was sie zu begründen vorgeben, sondern über den, der die (faule) Ausrede macht. Ausreden sind Selbst-Aussagen von Menschen, die sich etwas nicht vorstellen können. Womöglich. Womöglich können sie es aber doch, und greifen deshalb erst recht zur Ausrede, denn: Wo kämen wir denn hin, wenn plötzlich alle irgendetwas könnten, ja beherrschten oder einfach von ihren Rechten Gebrauch machen würden? So ganz ohne Zertifikat.

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Digitalisierung für Nachzügler. Einsichten eines digitalen Immigranten

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Wie finde ich mich in Digitalien zurecht? Wie komme ich klar mit dieser Revolution? Was ist Digitalisierung jenseits der Schlagworte? Wie wird sich mein Leben ändern? Wie nutze ich die Möglichkeiten der Digitalisierung beruflich und privat?

Um solche Fragen geht es in meinem Buch. Aber nicht theoretisch. Ich bringe meine persönliche Erfahrung der letzten zwei Jahre ein, in denen schon so viel passiert ist. Es geht nämlich schnell mit der Digitalisierung. Sie stellt alle unsere Lebens- und Arbeitsbereiche auf den Kopf. Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben. So viel steht heute fest.

Ob das eine gute oder eine weniger gute Nachricht ist, das hängt mehr von mir selber ab, als es bisher den Anschein macht. Das ist meine Erfahrung, und von der erzähle ich. Digitalisierung ist keine Entmündigung. Sie ist ein nahezu kostenloses Angebot, die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Ich muss nur wissen, wie.

Für mich bedeutet Digitalisierung: Mehr Möglichkeiten für viel mehr Menschen. Mitgestalten und mitreden. Es geht mir um die Chancen, die jede und jeder selber ergreifen kann. Wenn wir das gemeinsam und richtig anpacken, dann liegt da eine Menge Lebensqualität für uns drin – jenseits von Konsum und Terror.

Zwar wird in Zukunft unglaublich viel Arbeit von Maschinen erledigt, aber darin liegen große Chancen: Wir befreien uns von den Bullshit-Jobs und von einer modernen Form der Versklavung an sinnleere Arbeit. Wir werden dadurch frei für andere Ideen und Projekte, die uns wirklich weiterbringen – angesichts des desolaten Zustands unseres Planeten.

Und weil die Digitalisierung eine so komplexe Sache ist, haben die Ilustratorin des Buches Melanie Vetterli und ich in einem Kapitel des Buches wichtige Begriffe metaphorisch umschrieben und illustriert. Damit möchten wir der Leserin und dem Leser den Zugang zu dieser spannenden Materie erleichtern. Manchmal sagen Bilder nämlich mehr als tausend Worte.

Warum ein e-book?

Weil ich als digitaler Immigrant unbedingt diese Erfahrung machen wollte. Digitalisierung bedeutet ja auch, dass wir unser Wissen und unsere Erfahrung digital zur Verfügung stellen. Digitale Bücher können viel schneller angepasst, verändert, korrigiert werden. Rückmeldungen von LeserInnen können umgehend eingebaut werden – und es braucht weniger vom wertvollen Rohstoff Papier.

Stichworte aus dem Inhalt

Digitalisierung ist mehr und anderes als technische Aufrüstung – Über die weitreichenden kulturellen Folgen der Digitalisierung – Wir entwickeln ein „neues Lernen“, mit dem wir uns für das Digitale Zeitalter fit machen – Der digitale Umgang mit der Ressource „Wissen“ – Die wichtigsten Kompetenzen für ein erfolgreiches Leben in der Digitalisierung, und wie wir zu denen kommen – Ein konkretes Beispiel für digitale Lern- und Arbeitskultur – Meine Vision: Wie wir in Zukunft zusammen leben und arbeiten werden.

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