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Kampflos ergeben. Ungeübt. Nachsprechend. Geplante Zufälle. Gnadenlose Anpassung und ästhetisches Ergrauen hier versus radikalisiertes Politisieren dort, das sich aus den Metropolen Europas kommend Richtung Süden & Osten zusammenrottet um dort Menschen abzuschlachten. Weil es hier nichts mehr zu gewinnen gibt. Für diese Männer.

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Today we work hard to plan the weekend. Werbung der Modemarke DIESEL

Der klägliche Rest an (Jugend-)kultur zündet Petarden zwischen Zürich und Bern. Säuft sich am Wochenende besinnungslos am Luzerner (Zürcher, St. Galler, Berner) Bahnhof. Und um die angrenzenden Stadien herum. Dröhnt sich des Abends mit Partydrogen zu, um sich ab Montag wieder in Rollentoleranz zu üben. Oder ist einfach nur langweilig. Und gelangweilt. Suckin’ Starbucks. Fitness- und Diätterror verleidet Genuss. Glattrasierte Geschlechtswelt. Enthaarte Geilheit. Naziästhetik. Die Werbung: Ein lächelndes Aas.

Daneben: Wohlfühlethik zur individuellen Gewissensberuhigung zwischen „gefällt mir“ und Bioknospe. Und sattsam gequälte Tiere für den Teller. Medien, die sich flachgelegt haben vor dem Meinungsbrei der Massen. Laberwaber in Vollfarbe. Unverpixelt. Politik, die (wie schon immer, nur täglich schamloser) Monopoly spielt. Würfel fallen nach jedem Spielzug neu. Zur Angstmache umfunktionierte Demokratie. Sie ist eine Hure. Es ist wieder soweit. Fernsehen, das unbemerkt unbemerkte Dummheit produziert. Keine Diskussionen. Nur Schlagabtausch. Arena: Stierkampf statt Dialog. Rechthaben statt Rechtfertigung. Und der Jude ist jetzt schwul. Spielplätze mit Benützungszeiten wegen der Bedürfnisse der Kinderlosen. Schulen, die junge Menschen zu geistiger Bulimie erziehen, ängstlich arbeitsplatzgeiles Lehrpersonal, das den Kopf unten hält. Alles fein und süß mit desinteressierter, verlogener Höflichkeit überzuckert. Macht mich Kotzen.

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Verteilung von Hilfsgütern während des Krieges im Irak (Elisabeth Malby/Baltimore Sun)

Es läuft alles ins Leere. Es gibt kein Jenseits und kein Leben nach dem Tod. Nur eines davor. Deshalb kommt nur der Unentdeckte auf seine Kosten. Was du von dir zeigst, gebiert Urteile. Die im Diesseits um so stärker gären. Nur wo du unentdeckt bleibst und oberflächlich, glänzt du. Leben ist Casting. Mediales Tribunal. Sich hinein entfalten in eine erkaufte Leere, die als Raum daher kommt. Die Kosten sind exportiert. Für die Kleidung an unserem Leib, das Lithium in unserem Phone, den Kaffee, die Banane, das Öl.

Vereinzelt poppen Hoffnungsprofeten auf. Implantieren Gebisse in zahnlose Tiger. Predigen den Glauben an die eigenen Ressourcen. Denn: Gott ist tot. Den Ressourcentod gestorben. Aber das Glück des Einzelnen ist keine Erfindung. Es ist ein Resultat des Sozialen oder es ist nicht. Solange ist Kafka nur als Literatur erträglich. Lass uns wegschauen.

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Der leidende Christus. Quelle unbekannt.

Das Leid infiziert mich. Ich fühle mich schuldig deswegen. Ich müsste leichter sein. Die Ressourcen freischaufeln. Aber auch Beziehungsbollwerke schützen nicht. Tote Menschen lassen sich nicht recyceln. Gestohlene Zukunft zerfällt zu Staub. Die Würde des Menschen ist angetastet. Es gibt zwei Sorten von Menschen auf diesem Planeten: Die Leidenden und die, die es nicht tun. Letztere verursachen erstere. Letztere werden immer weniger. Und wie als Sühne quälen wir uns und die Unsrigen täglich auch ein wenig. Durch Diät, Konditionstraining, Arschkriechen, Reibungslosigkeit, Genitalrasur.

Und: Ficken sagt man nicht.

Und: Jetzt gib deiner Lehrerin die Hand.

Pavlovs Hund in Wittgensteins Zwinger

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Ludwig W.

Verständlich reden sollen wir. So reden, dass wir verstanden werden, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, verstanden zu werden. Verstehbar sein: alles eine Frage der Formulierung. Nur was augenblicklich verstanden werden kann, ist gute Rede. Komplexes muss so formuliert werden, dass es umgehend verständlich ist.

Die Qualität des Gesagten wird festgemacht an der Qualität der Artikulation. Über letztere bestimmen die Interpretierenden. Immer schon.

Woher die Forderung, alles müsse einfach klingen, vertraut, verständlich?

Es gibt mindestens einen Unterschied zwischen dem Bedürfnis nach Klarheit und der Qualität dessen, was klar sein soll. Der Hunger ist nicht die Speise.

Sobald mehr als einer im Spiel ist, ist es komplex. Das Sprechen, das Artikulieren, das Verstehen. Das Spiel. Und es ist auch erst dann ein Spiel, wenn mehr als einer im Feld ist.

Spieler wollen einander nicht verstehen, sie wollen miteinander spielen.

Auch Verstehen ist ein Spiel. Nach Regeln, die nur durch Spielen verstanden werden. Können.

Aber woher wissen wir, dass wir (einander) verstanden haben? Woher weiß ich, dass mein Gegenüber verstanden hat? Was genau: verstanden hat? Also „etwas“?

Liegt das an der Einfachheit der Formulierung?

Viele Menschen, mit denen ich im Leben unterwegs war, haben kapituliert. Was sie im Innersten beschäftigt, bedrückt und beglückt, was sie umtreibt und voran, in Sprache zu bringen. In eine der Begriffe, der Bilder, der Formen. Keine Chance.

Sie haben kapituliert vor dem Artikulieren und seinem Geschäft. „Ich kann das nicht.“

Und: „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit; ich bin kein Staatsbürger, ich bin Müll; ich bin kein Subjekt, ich bin eine begehrende Maschine; ich habe keine Mitmenschen, ich bin ein Meteor.“

So entsteht das Spiel vom Metadiskurs, in dem wir uns beständig darauf hinweisen, dass das Wesentliche unausgesprochen bleibt. Bleiben muss. So entsteht Metaphysik. Und nach ihr der entleerte Konsum.

Wovon man nicht sprechen kann, soll man schweigen.

Lass uns ein Spiel spielen.

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Nick Vedros & Assoc. / The Image Bank / Getty Images

Die rechte Meute in Deutschland ist auf Parolen aus. Sie will bestimmte Sätze hören. Immer wieder. Sie will diesen Sätzen zustimmen, wie sie anderen Sätzen widersprechen will, sie regelrecht verteufeln.

Sie feiern schwarze Messen. Gültig wird Gesagtes nicht durch seine Verstehbarkeit, sondern durch den Mund, der es spricht. Und durch die Formel. Hokus Pokus.

Immer ist der Mund entscheidend, aus dem die Sätze kommen. Was von der Presse kommt, ist gelogen. Kann nur gelogen sein. Egal, was sie sagt. Oder die Kanzlerin, der Bundespräsident. Irgendjemand anderer Gemäßigter.

Ein gemäßigter Mund lügt, egal was er spricht. Ihm wird aberkannt, Mitspieler zu sein.

Du Neger.

Apokalypse now!

Warum tun wir eigentlich in der Bildung beharrlich so, als müsste die Digitalisierung an uns vorüber gehen wie der biblische Kelch? Ein aufmerksamer Blick hinter die Kulissen der Gegenwart zeigt nämlich die Wucht, mit der diese Veränderungen unterwegs sind. Einige der offensichtlichsten Fakten haben wir für die interessierte Leserin im „Bildung 4.0 Manifest“ aufbereitet.

Warum verbeißen sich lehrende Berufe in ihr längst abgelaufenes Monopol der Wissenslogistik? Warum lassen lehrende Professionen und Institutionen die alten Kulturen des Kontrollierens & Zertifizierens nicht fahren? Warum halten die Verantwortlichen so gnadenfrei fest an der Vorstellung, dass Bildung ohne Curriculum keine Bildung SEIN KANN!?

Die Antworten darauf sind einfach, und sie finden sich überall: Kein Geld, zuviel Admin, Lehrer und Schulen sind beratungsresistent, grassierender Zertifizierungsfetischismus, „Die Schüler WOLLEN doch den Frontalunterricht!“ u.v.m. Solche Antworten erklären sehr viel. Aber sie ändern nichts. Weil Erklärungen nichts (ver-)ändern. Sie zementieren. Aber der Reihe nach:

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Marlon Brando auf dem Set von Apocalypse Now von Francis Ford Coppola (theredlist.com)

 

Die apokalyptischen Szenarien

In den Köpfen vieler Menschen finden sich zunehmend apokalyptische Szenarien zur digitalen Transformation. Da gibt es dann irgendwann keine realen Beziehungen mehr, „man“ „trifft sich“ „nur noch“ „im Internet“, „die so wichtigen Begegnungen zwischen Menschen fallen weg“ (damit sind wahrscheinlich die zu unseren Vorgesetzen und Lehrern gemeint, die uns alle jeden Tag so glücklich machen). „Alle sind nur noch mit ihrem Smartphone unterwegs“, und ein Blick „nach draußen“ (wo auch immer das ist) zeigt ja: alle starren bloß noch auf ihr „Ding“ (!). Und überhaupt.

Diese Szenarien erklären wir mit „Die Menschen haben halt Angst vor Neuem“. Das ändert aber nichts an der Situation, weil Erklärungen nichts an Situationen ändern, sondern sie verstärken. Sie haben einen Beruhigungszweck, der das Erklärte verstärkt. Hää? Ja, es ist wie Kratzen am Mückenstich. Das Jucken wird stärker. Und: jemandem, der sich verzweifelt seine beißenden Mückenstiche aufkratzt, zu erklären, dass dadurch das Problem größer wird, ändert ebenfalls nichts am Problem.

Wie ändern sich Probleme?

Sie ändern sich gar nicht, solange ihr Besitzer von ihnen profitiert. Das ist jetzt keine Erklärung. Das ist (m)eine Erfahrung. Wer von einem Problem profitiert, will keine Lösung. Nach dem Motto: Wenn DAS die Lösung ist, dann möchte ich mein Problem behalten. Wie könnte es von hier aus weiter gehen? Zum Ein- (bzw. Aus-)stieg bietet sich das beliebte Neun-Punkte-Problem an. Es zeigt, warum wir Menschen so selten über unseren Tellerrand hinausschauen, um scheinbar unlösbare Probleme zu lösen – dabei wäre doch mit einem kleinen „Refraiming“ alles wieder in Butter.

 

Ninedots
Quelle

Dieses kleine Experiment sorgt garantiert für einen Aha-Effekt. Auch dann, wenn die Zuhörenden es schon kennen. Gerade dann. Leider bewirkt es keine Verhaltensänderung. Womöglich, weil es eine Erklärung ist. Der Gewinn einer solchen Übung liegt also nicht in einem Zuwachs an Kompetenz sondern – ähnlich wie bei einem guten Witz – im Effekt der Pointe. Einen guten Witz hören (und erzählen) wir ja gerne immer wieder. So und so ähnlich vergeht Unterrichtszeit dann kurzweilig und wie im Flug.

Aber zurück zum Problem des Problems

Warum bleibt die Bildung, wo sie ist? In der Kreidezeit. Warum kann sie sich nicht „häuten“? Hier (m)eine Beobachtung: In unserer Bildungskultur können sich Menschen in zwei Kontexten begegnen: Entweder in einem Kontext, in dem die eine der anderen vor-gesetzt ist im Sinne einer Abhängigkeit (Eltern, Lehrerin, Polizistin, Politikerin, Professorin, Journalistin, Vorgesetzte, Richterin, Ärztin, Kundin …), oder in einem Kontext der Konkurrenz, des Kompetitiven, des Wettbewerbs (Mitschülerin, Geschwister, Arbeitskollegin, Marktteilnehmerin, Buhlerin …). Augenhöhe ist in beiden Kontexten nicht vorgesehen, nur simulierbar. Wir tun zwar hier und da so als ob. Aber wir KÖNNEN  Anderen immer nur voraus oder hinterher sein. Besser oder schlechter, schneller oder langsamer, mehr oder weniger erfolgreich usw.

Kontrolle und Distanz in Bildungskontexten

Dies hat Auswirkungen auf die Beziehungsformate, in denen wir unterwegs sein können. In erster Linie wenn es um Bildung und Arbeit geht. Diese sind immer geprägt von Dimensionen des Hierarchischen und des Kompetitiven. Deshalb geht es in Bildungskontexten immer um Kontrolle und Distanz. Beide sind in unseren Breiten für Bildung konstitutiv. Schule und Hochschule sind von der Wurzel bis in die Wipfel hinein hierarchisch konstruiert und funktionieren auch nur so. Wo Hierarchie infrage gestellt wird oder kurzzeitig nicht „funktioniert“, funktioniert augenblicklich das (Bildungs-)System nicht mehr.

Das ist zwar so gar nicht nötig. Nicht um sich zu bilden. Weder Hierarchie noch Konkurrenz sind ein notwendiger oder auch nur hilfreicher Bestandteil von Beziehungskulturen, in denen es um Entwicklung und Entfaltung von Menschen, ihren Potenzialen und Kompetenzen geht. Bildung, die etwas Anderes ist als Indoktrination, als Konditionierung und Sozialisation, entfaltet sich vor allem dort, wo Hierarchie,  Kontrolle und „Ermöglichung“ wegfallen. Solche Bildung ist prinzipiell unvorhersehbar, nicht zuletzt aufgrund der Komplexität des Phänomens selbst. Peter Bieri hat so einen Begriff von Bildung beschrieben – als ein autopoietisches Handeln des Menschen mit sich selbst.

Peter Bieri
„Ausbilden können uns andere. Bilden kann sich jeder nur selbst.“ Der Philosoph Peter Bieri (Quelle)

Die Dimension der Entwicklung verstehen

Schule soll sich entwickeln, Lernende sollen es, Lehrende auch. Dabei ist dieser Imperativ ähnlich sinnvoll wie die Aufforderung, spontan zu sein. Auf Entwicklung brauchen wir nicht zu warten, wir brauchen sie nicht zu ermöglichen – sie findet statt. Das ist jetzt keine Behauptung oder Erklärung. Es ist eine Erfahrung: Entwicklung, Veränderung und Verwandlung sind Dimensionen, die sich dem Führen, Organisieren und Anzielen  entziehen. Entwicklung ist nicht etwas, das wir „machen“, also planen und umsetzen. Entwicklung geschieht, während wir mit Planen beschäftigt sind. Dies gerät umso mehr aus dem Blick, je stärker wir in unserem Planen und Handeln auf Machbarkeit und Kontrolle fixiert sind. Analog zu allem Lebendigen auf diesem Planeten sind Entwicklungen erst jenseits ihrer – vorläufigen – Ergebnisse als solche erkennbar. Es handelt sich um Phänomene,  die immer erst im Nachhinein erkannt, beschrieben und „utilisiert“, also nutzbar gemacht werden können.

In einer durchökonomisierten Machergesellschaft gehört es womöglich zu den größeren Demütigungen zu erkennen, dass nicht ich eine Entwicklung „mache“, sondern sie mich; dass eine Entwicklung stattgefunden haben muss, um JETZT etwas aus und mit ihr zu machen. Jedes aktive, bewusste, geplante und zielverliebte Handeln, das an den Start geht, hängt von mehr Unvorhersehbarem ab, als ihm lieb sein kann. Im 21. Jahrhundert kommt  didaktisiertes Lernen immer zu spät. Es ist ja vor allem dieses „verschulte Lernen“ – im Sinne eines Reduzierens von Lebenswirklichkeit zum Zwecke seiner Organisation -, das sich konsequent aus Konserven speist. In einer Welt, in der laufend alles frisch geliefert wird.

Hört auf zu unterrichten. Hört auf zu vermitteln.

Vermutlich findet Bildung in Zukunft vor allem an einem Ort nicht statt – in der Schule. Womöglich geht das einfach nicht. Vom Unterricht zu erwarten, dass er Bildung anbietet, ist wie in eine Bäckerei gehen und enttäuscht über die Auswahl an Wurst zu sein. Das Festhalten an diesem kulturellen Mindet „Unterricht“ und an diesen Möglichkeiten, die es eben nicht bieten kann, ist das verunmöglichende Moment.

Die Idee, dass wir – via Unterricht – Menschen etwas vermitteln können (wie Wohnungen oder Jobs), ist Teil dieses Mindsets von Schule, von Unterricht. Das geht aber nicht. Und immer wenn wir versuchen, was Neues oder das Neue anzupacken und die Praxis dadurch anders werden zu lassen, wird es so lange versanden, als wir weiterhin unterrichten und vermitteln und vermitteln und unterrichten.

Dass so viele Menschen auf Vermittlung pochen, hat für mich mit Gewöhnung zu tun. Tiefsitzende, kulturell gewachsene Gewöhnung. Auch ich habe mich als Kind geweigert, ohne Geschichte oder Lied einzuschlafen. Das war schlicht unmöglich. Nicht zu vermitteln. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch anders ginge. Oder: dass es eigentlich anders geht. Halt nicht in Form von Unterricht. Oder Vermittlung.

Lernen gelingt dort am einfachsten, glücklichsten und nachhaltig, wo nicht mehr unterrichtet wird. Das ist meine Erfahrung.

Was Digitalisierung für mich bedeutet

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Spruch an Mauer in Demmin

Das Spannende an der Digitalisierung ist für mich, dass sie ein transformativer Prozess ist. Wesentliche Vollzüge von Mensch und Gesellschaft wie Bildung, Arbeit, Kommunikation, Mobilität, Spiel u.v.m. werden transformiert. Was ich damit meine: Die „Digitalisierung“ verdrängt keines unserer Grundbedürfnisse und macht sie auch nicht überflüssig. Wir werden nicht weniger oder mehr kommunizieren, arbeiten oder lernen, sondern anders. Deswegen vermute ich, dass die Vorbehalte und Ängste gegen die Digitalisierung nur sehr bedingt Ängste vor anderen Quantitäten sind (weniger, mehr oder gar keine Arbeit) sondern vor anderen Qualitäten: ein wenig, ziemlich oder völlig ANDERE Arbeit. Wir Menschen mögen ANDERS nämlich nicht so sehr. Nicht einmal in den Ferien. Digitalisierung bedeutet aber in erster Linie ANDERS – und nicht weniger oder mehr.

Nun fällt die Digitalisierung nicht wie ein Meteor plötzlich vom Himmel oder walzt unvorhersehbar über uns hinweg wie ein Tsunami. Abgesehen davon, dass auch Meteoriten und Tsunamis vorhergesehen werden können, zeichnen sich die Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen, schon länger und immer deutlicher ab. Sie sind wahrnehmbar, in vielen Fällen steuerbar. Ich bin ihnen nicht ausgeliefert. Als Mitarbeiter nicht, als Führungskraft nicht, als Unternehmen nicht. Gar nicht. Wer sich mit diesen Veränderungen aufmerksam beschäftigt (in und durch digitale Medien, durch aktive Mitarbeit in digitalen Netzwerken, durch konsequente Recherche und Verlinkungen, durch aktives Teilen und Kommentieren, durch Mitgestalten und Einflussnehmen), verändert sich, das eigene Arbeiten, Denken, Kommunizieren und Lernen ganz von selbst; der und die erlebt diese Transformation am eigenen Leib und im eigenen Umfeld mit.

Die digitale Transformation wird also nicht von irgendwoher verordnet. Sie wird nicht in Hörsälen gelehrt und nicht von Geschäftsführungen implementiert. Sie geschieht und fordert jedeN EinzelneN von uns auf, sich auf sie einzulassen. Sie ent-hierarchisiert, sie macht es klassischen Kontrollkulturen schwer bis unmöglich zu funktionieren, sie fordert ganz neue Kompetenzen der Zusammenarbeit und der Kommunikation. Und das alles lerne ich allein dadurch, dass ich es mache. Ich kann nicht auf jemanden warten, der mich einführt, es mir beibringt. Ich darf loslegen.

Der Dozent ist tot. Es lebe der … ?

Wir kennen diesen Ruf aus dem royalen Frankreich der Vergangenheit: „Der König ist tot. Es lebe der König!“ Gemeint ist: Keine Sorge, es bleibt alles beim Alten. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wie der Vater so der Sohn. Garantierte Kontinuität ist bis heute ein Qualitätsmerkmal. Jetzt tritt die Disruption hinzu. Nicht nur in der Bildung. Und die stellt sich nicht einfach hinten an. Sie macht die Queue überflüssig. Was bedeutet das für den lehrenden Berufsstand?

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Ich fange hinten an: Lehrende und Dozierende werden als Funktionen nicht mehr gebraucht, weil Lehren und Dozieren durch Mentoring, Coaching, Enabling und Facilitating abgelöst sind – sofern es solche Vermittlungsfunktionen überhaupt noch braucht. Aus Lehrenden werden deshalb Lerncoaches.

Der (Be-)Lehrer ist tot. Es lebe der Coach! 

Enabling und Facilitating ermöglichen Anschluss & Vernetzung. Was Teilnehmende in Lernprozessen mitbringen an Erfahrungen, Wissen und Kompetenzen, was hoch dynamische Lerngruppen mit thematisch interessierten und engagierten Frauen und Männern an Potenzialen bereit halten – das alles steht im Zentrum des Lernens. Für dieses Lernen gibt es zukünftig Synonyme:  Lernen ist Kollaboration: Wissen und jedes andere Produkt entstehen ebenso wie Kompetenz in dicht vernetzten Co-Working-Prozessen mit hohen Anteilen in Selbstverantwortung und Selbstbestimmung. Menschen (Mitarbeitende, Schüler, Studierende), die in herkömmlichen schulischen Kontexten „konditioniert“ wurden, brauchen Lerncoaches, die sie auf dem Weg ins selbstbestimmte, kollaborative Lernen begleiten. Das ist harte Arbeit. Für beide Seiten.

Lernen ist in Zukunft Ko-Kreation. Es ist „social workplace learning“. Menschen gestalten die Prozesse, die Orte, die Agenden des Lernens selbst. Inhalte, Quellen, Ziele, Aufgabenverteilung, das alles geschieht in Schule, Ausbildung und bei der Arbeit „holokratisch„. Nur schwach bis gar nicht (!) durch Bürokratie und Hierarchie reguliert. Dieses „soziale Lernen“ wird der Lerncoach   begleiten durch professionelles Coaching: wohldosierte, zurückhaltende Interventionen, minimale Impulse und vor allem in der Funktion des Moderators:  fördernd, stützend wo nötig,  Selbstorganisation ermöglichend.

Informationsvermittlung, Anleitung und Kontrolle fallen aus dem Stellenprofil des Lerncoaches heraus.  An deren Stelle  tritt die Funktion des „facilitating, also des Ermöglichens“ (vgl. Arnold, Rolf: Ermöglichen. Texte zur Kompetenzenreifung.)

Der Lerncoach ist ein Kontextualisierungs-Profi: Der Kontext des Lernens entscheidet über den Erfolg des Lernens, denn Lernen ist sein eigener, biografisch hoch relevanter Kontext. Das wird in den meisten Prozessen der Aus- und Weiterbildung bisher völlig vernachlässigt: Der Kontext des Lernens selbst – das ist eine ganz entscheidende Erkenntnis und zugleich eine Voraussetzung für erfolgreiche und gelingende Prozesse der Aus- und Weiterbildung. Diesen Kontext muss der Lerncoach als Moderator und „Facilitator“ gestalten, ihn sichtbar machen: Wie haben wir lernen gelernt? Welche Rolle nehmen wir in dem Moment ein, wenn wir in den Kontext des Lernens versetzt werden? Warum? Welche Formen, Wege und Methoden des Lernens habe ich noch? Wie lerne ich am besten und wo? Lerncoaches stellen in Zukunft nicht mehr Kontexte zur Verfügung sondern unterstützen lernende Menschen dabei, ihre eigenen Kontexte zu gestalten!

Das Schwierigste zum Schluss: Die Wirksamkeit 

In herkömmlichen Lehr-Kontexten, geht es am Ende um eine Zertifizierung. Weil das so ist, geht es nicht erst am Ende, sondern eigentlich von Anfang an darum. Lehrende fragen sich ebenso wie Lernende regelmäßig: Wie prüfen wir das am Ende? Diese Frage ist wichtig, weil am Ende eines klassischen Lernprozesses immer eine Prüfung bestanden werden muss, um zu einem Zertifikat zu kommen. Von diesem Ende her und auf dieses hin wird dann der gesamte Lernprozess designed.

Diese Zertifizierungsverfahren können das Entscheidende eines Lernprozesses nun aber weder abbilden noch messen: Kompetenzen im Sinne zukunftsorientierter Dispositionen, die mich als Lernenden dazu befähigen, unvorhersehbare und komplexe Herausforderungen zu lösen. Herkömmliches Lehren & Lernen sind darauf gar nicht ausgelegt. Es geht bei ihnen vielmehr darum, ein durch Experten auf didaktischen Wegen vermitteltes Wissen in einem Mal mehr Mal weniger klassischen Prüfungssetting wiederzugeben. Dgeht es nicht darum, dass, ob und wie ein Prüfling in realen Anwendungssituationen des Gelernten bestehen könnte. Es geht darum, dass, ob und wie er diese Prüfung besteht. Deshalb lernen wir ja durch unsere gesamte persönliche Bildungskarriere hindurch vor allem dies: wie wir in zu Prüfungszwecken konstruierten Situationen demonstrieren können, was wir gelernt haben – von dem, was uns gelehrt wurde. Was dabei bis heute völlig aus dem Auge gerät, ist dies: Damit solche Prüfungssettings überhaupt konstruiert und bewertet werden können, müssen sie um genau das reduziert werden, was die Wirklichkeit eines Klienten ausmacht: Ihre unvorhersehbare, im Vorfeld nicht abzubildende Komplexität.  

Woran erkennen wir nachhaltig, dass und was sich durch Lernprozesse bei Klientinnen und Klienten bildet? Woran erkennen wir, dass und wie lernende  Menschen anders aus einem Kurs hinausgehen als sie ihn begonnen haben? Woran erkennen wir, inwiefern Menschen von einem Lern-Angebot profitiert haben – außer dass sie ein Zertifikat in Händen halten? Das sind alles Fragen nach der Wirksamkeit dessen, was Aus- und Weiterbilder mit und für Menschen tun, die sich aus- und weiterbilden.

Den Erfolg vorwegnehmen – Wirksamkeit annehmen

Ein Beispiel: Als Lerncoach gebe ich den Lernerinnen und Lernern die Frage mit: Woran erkennst Du in der kommenden Woche oder bei nächster Gelegenheit, in einem ganz konkreten beruflichen Kontext, den Du als herausfordernd erleben wirst – woran erkennst Du, wenn der berufliche Alltag Dich konkret einholt und einfordert, dass und welche Kompetenzen Du ganz neu oder vertieft ausgebildet hast – und nun erfolgreich einsetzen kannst?

Solche ausdrücklich systemischen Zukunftsfragen machen einen Kompetenzzuwachs nicht nur erfahrbar. Sie machen auch für die Klientin selbst die Zusammenhänge sichtbar zwischen dem, was sie in einen Lernprozess mitgebracht hat, welche Entwicklungen sie im Laufe des Lehrgangs mit sich, mit anderen und im Thema gemacht hat, und den konkreten Herausforderungen ihres beruflichen Umfeldes. Das ist eine schöne Form der Kontextualisierung von Kompetenzen: Es ist ein Lernen durch das Bilden von Unterschieden.

Statt eine (einmalige) Prüfung zu absolvieren, erhalten Klienten die Aufgabe, den Prozess Ihres Lernens, Ihrer Weiterbildung und Ihres Arbeitens an konkreten eigenen Kompetenzen mit ihrem beruflichen Alltag konkret zu verknüpfen. Sie reflektieren diese Verknüpfungen zeitnah und besprechen sie mit anderen Kursteilnehmenden in den entsprechenden Online-Foren oder in Präsenz-Meetings und holen sich qualifizierte Formen des Feedback ein (in hierfür gebildeten Reflecting Teams“ – vgl. zum Prozess das  „creative knowledge feedback“) mit Hilfe der hierfür bereitgestellten Online Tools.

Dazu gehört auch, dass die Teilnehmenden diese Reflexionsschleifen  – im Sinne eines „continuous self assessment“ – festhalten und nach bestimmten, kompetenzorientierten Kriterien für sich selbst auswerten.

Zu den wertvollsten Erkenntnissen, die Teilnehmende an Aus- und Weiterbildungen durch diese Art des Reflektierens gewinnen, gehört das herausarbeiten und „Bilden von Unterschieden“, die sie durch die Arbeit mit Vorwissen und Vorerfahrungen, mit Peerwissen und Peer-Erfahrungen, durch konkretes Anwenden in realen beruflichen Kontexten machen können. Ein Lernender meldet dann am Ende eines Lehrgangs möglicherweise Folgendes zurück:

„Bisher habe ich in solchen und vergleichbaren Herausforderungen hilflos, überfordert, repetitiv, ausweichend agiert, jetzt erkenne ich an folgenden Ergebnissen, Einstellungen, Gefühlen und an der Art und Weise, wie ich an solche Situationen herangehe, folgende Unterschiede, die ich als Fortschritte, Verbesserungen, als einen Zuwachs an Handlungskompetenz bei mir selbst wahrnehme. Dies erkenne ich vor allem dadurch, dass ich auf ‚Rückmeldungen aus dem Kontext‘ zu hören und zu achten gelernt habe. Ich kann nun anders als bisher Impulse und Signale von mir mit solchen aus dem Kontext so verknüpfen, dass für alle Beteiligten und auch für eine allfällige Sache (Projekt) mehr bzw. ‚mehr Nachhaltigkeit‘ herausspringt. Dadurch, dass ich als Teilnehmender an einem Lehrgang merke, dass und wie ich anders als bisher herausfordernde Situationen angehe, wie ich sie anders löse, dadurch mache ich die Wirksamkeit von Lernen für mich sichtbar.“

Dasein und Zuhören

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Immer öfter lesen wir in der Zeitung am Ende eines Artikels über einen Unglücksfall: «Es war ein Careteam im Einsatz.» Seit einigen Jahren bin ich Mitglied im CareTeam des Kantons Zug und seit gut einem Jahr bin ich sein Fachlicher Leiter.

Ein Careteam und sogenannte Caregiver kommen dann zum Einsatz, wenn Menschen eine akute Belastungssituation erleben, die sie momentan überfordert und sie vielleicht sogar längerfristig belasten könnte. Diese sogenannte traumatische Erfahrung lässt sich etwas vereinfacht zusammenfassen mit: «zu viel, zu schnell, zu plötzlich».

Die zu betreuenden Menschen erleben also etwas Aussergewöhnliches und reagieren daher oft auch aussergewöhnlich. Sie stehen inder akuten Belastungsreaktion „neben sich“. Das kann die Betroffenen sehr verunsichern. Sie stellen sich auf Grund ihrer Reaktionen oft selbst in Frage.

Die Aufgabe der Caregiver besteht darum vor allem darin, die Menschen in dieser Situation nicht allein zu lassen und die Betreuten zuhörend zu begleiten. So können sie formulieren, was…

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