Im Bann des Zertifizierungs-Fetischismus. Wie der Bildungsmarkt seine Kunden um ihre Kompetenzen bringt.

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Der Bildungsmarkt ist quasi-monopolistisch organisiert – durch das System der Zertifizierungen. Diese bestimmen sowohl darüber, was gelehrt wird, als auch darüber, wer lehren darf, als auch über die Abschlüsse, die die Klienten erwerben. Nicht aber darüber, was diese am Ende eines Kurses tatsächlich können. Und genau darum müsste es ja gehen. Wie kommt’s?

Zertifizierungen haben den Zweck, Zugänge zu regulieren. Auf einem mit Angeboten völlig überschwemmten Markt sind sie eine wunderbare Möglichkeit, sich als Anbieter über Wasser zu halten.  Letzten Endes dient Zertifizierung also vor allem dem Selbsterhalt des Systems. Dr. Anja C. Wagner stellt im Interview fest: „Wir haben es vor allem der Personalabteilung von Google und deren internen Big Data-Analysen zu verdanken, dass wir heute validiert (!) einen Zusammenhang zwischen Abschlüssen und Performance innerhalb des Berufs ausschliessen können. Geahnt haben wir es schon immer – jetzt führt kein Weg mehr daran vorbei.“

Es ist wie bei beim Boxkampf. Am Vorabend des Turniers müssen alle auf die Waage. Nur wer innerhalb der Gewichtsgrenzen liegt, darf in den Ring, ist also „zertifiziert“. Was er dann im Ring bietet, entscheidet sich aber nicht auf der Waage. Deshalb: Zertifizierung kann nicht Qualität garantieren sondern nur  Zugänge regulieren.

Kunden in der Zwickmühle

Der Arbeitsmarkt kommt im Moment stark in Bewegung. „Arbeit“ beginnt sich neu zu definieren. Sie wird sich in den kommenden Jahren völlig verändern: Wie wir arbeiten, wo und mit wem und für welches Geld. Dabei steht eines jetzt schon fest: Wir werden am Arbeitsmarkt vor allem aufgrund unserer Kompetenzen gefragt sein, weniger aufgrund von Zertifikaten.

Das bringt die Kunden der Bildungsindustrie in eine schwierige Lage: Ihre Weiterbildungsbudgets stehen nämlich ständig auf der Kippe. Nicht zuletzt deshalb, weil Arbeitnehmer und Arbeitgeber den tatsächlichen Zuwachs an Kompetenzen durch Weiterbildung nicht wirklich benennen können. Deshalb hoffen sie umso mehr auf die „Wirksamkeit“ des Zertifikats: Es soll zu mehr Lohn und Arbeitsplatzsicherheit führen. Für deine berufliche Zukunft ist also im Moment nicht entscheidend, welche Kompetenzen du aufgrund einer Weiterbildung vorweisen kannst, sondern ob du mit einem Zertifikat winken kannst. Das ist zwar völlig widersinnig, aber es funktioniert hervorragend. Bisher.

Jetzt, wo die Arbeitsmärkte und Arbeitgeber immer lauter nach konkreten Kompetenzen rufen, wird dieser Widersinn erst so richtig sichtbar: Der Zertifizierungs-Fetischismus verhindert eine wirksame Ausbildung von Kompetenzen. Warum? Weil die Zertifizierungskultur eine formalisierte Regulierungskultur ist, die nicht auf Kompetenzen achtet, sondern auf Qualifizierungen starrt.

Der doppelte Betrug

Schon heute spüren immer mehr Menschen, dass ihnen traditionelle Aus- und Weiterbilder nicht  vermitteln, was sie brauchen. Aber wo sonst sollten sie es sich holen?

Umso schlimmer ist es deshalb in meinen Augen, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Zahl der Menschen noch einmal massiv zunehmen wird, die zwar bis an die Zähne zertifiziert sind – ohne jedoch über jene Kompetenzen zu verfügen, die ein in seiner Entwicklung unvorhersehbarer Arbeitsmarkt von ihnen fordert. Und das, obwohl wir seit über 40 Jahren und gesichert durch empirische Forschung aus allen Ecken und Schulen wissen, dass Erwachsene 70-80 % ihrer Kompetenzen außerhalb und losgelöst von „zertifizierten Bildungstankern“ erwerben (exzellente Belege dazu gibt es hier).

Dabei gilt die so genannte 70:20:10-Erfahrung bis heute. Das meiste was wir in Beruf und Alltag wirklich brauchen, lernen wir informell. Anschaulich beschrieben wird das hier. Zur „Überschätzung der Institutionalisierung von Kompetenzenbildung“ gibt es hier ein anschauliches Video. Sinn, Wert und Nutzen von Weiterbildung, die Menschen zu Bildungszwecken aus ihren realen Arbeitskontexten herauslöst und in Präsenzformaten mit der Vermittlung von Wissen okkupiert, sind erwiesenermaßen ineffizient und ineffektiv. Wenig ist im Bildungssektor besser erforscht, als diese Zusammenhänge. Siehe hier.

Höchste Eisenbahn

Es wird nicht mehr lange dauern, bis diejenigen, die ihr Geld in klassische Formate der Weiterbildung investieren, längst fällige Entscheidungen treffen und ihre Weiterbildung in die eigene Hand nehmen. Unternehmen und Arbeitnehmer sind nämlich darauf angewiesen, dass sie auf wirksamen Wegen jobrelevante Kompetenzen entwickeln. Die betriebliche Weiterbildung geht hier bereits vielerorts erfolgreiche neue Wege, während die Anbieter beruflicher Weiterbildung im großen Stil am Bestehenden festhalten.

Zukünftig werden immer mehr Kundinnen und Kunden vor allem in solche Weiterbildungen investieren, die einen realen, sichtbaren und spürbaren Nutzen bewirken. Die gute Nachricht ist: Solche Konzepte gibt es schon. Sie werden bereits erfolgreich praktiziert: Das „social workplace learning“ ist eine besonders wirksame und finanziell äußerst attraktive neue Form der Bildung und Weiterbildung. Auch im deutschsprachigen Raum, wie hier nachgelesen werden kann.

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Vom guten Entscheiden, oder: Wir müssen dringend etwas tun. Am besten, wir tun besorgt.

„Audiatur et altera pars“ lautet ein Grundsatz der antiken römischen Rechtskultur, der unsere Gemeinwesen bis heute prägt. Er besagt: Es werde in jeder Streitsache immer auch die andere Seite gehört. Immer sowohl die eine, als auch die andere. Entscheidungen können nur als gute fallen, sagt der Grundsatz, wenn die alternativen Ansprüche und Positionen gehört wurden. Sowohl die der Gegnerinnen, als auch die der Befürworter. Sowohl die der Bewahrer also auch die der Innovatorinnen. Immer mit dem Ziel, gut zu entscheiden.

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Quelle: kanzlei-paprotta.de

Wir wissen zwar auch dann nicht, ob wir richtig entscheiden werden, wenn alle Betroffenen gehört sind. Ein Rest Unsicherheit ist die Bedingung jedes Entscheidens. Aber wir werden in jedem Fall besser entscheiden als dort, wo Interessen nur einseitig einbezogen werden. Dieses Prinzip bildet bis heute eine Grundlage vieler Rechtssysteme.

Gute Entscheidungen fördern

Dieses „sowohl als auch“, das so alt ist wie die Menschheit, verfolgt das Ziel, zu angemessenen Entscheidungen zu kommen. Es will im Sinne eines allgemeingültigen Prinzips gute Entscheidungen ermöglichen und fördern. Es rechnet mit der uralten Erfahrung, dass alles, was aus einer allseitig akzeptierten Entscheidung an konkretem Handeln folgt, und dass alles, was auf ihrer Grundlage von Neuem entschieden wird, einen umso positiveren Möglichkeitsraum für alle Beteiligten öffnet, als diese entsprechend gehört wurden. Darin liegt der Sinn von „Audiatur et altera pars“: Entscheidungen, die unter Einbezug aller von ihr Betroffenen gefällt werden, schaffen nachhaltige soziale Handlungs-, Spiel- und Entfaltungsräume.

Gute Entscheidungen verhindern

Eine degenerierte Form dieses wertvollen Grundsatzes ist das „weder noch“. Hier ist aus dem Ermöglichungsprinzip eines „sowohl als auch“ ein Verhinderungsprinzip im Sinne von „weder noch“ geworden. Weil sowohl das Eine („Bewahren“) als auch das Andere („innovativ sein“) eine Berechtigung hat, und weil ein partielles Interesse aus der einen Partei („einerseits“) umgehend ein Interesse der anderen tangiert und einschränkt („andererseits“), entwickelt sich – der aus der Verhaltensbiologie bekannten „Übersprungshandlung“ verwandt – eine energetische Pattsituation, in der nicht mehr entschieden werden kann, weil ja dann nicht mehr alle Seiten berücksichtigt wären. Alle Seiten zu berücksichtigen, wird dann kurzerhand als unmöglich erklärt, um daran anschließend entweder dezisionistisch oder erst Mal gar nicht zu entscheiden.

Wenn Gegner beginnen sich heimisch fühlen

Was in diesem nicht selten auftretenden Patt übersehen wird, ist der tiefere Sinn des „audiatur et altera pars“. Dessen Zweck liegt darin, Handlungsräume sichtbar zu machen und sie zugleich für alle Beteiligten zu öffnen. Das Prinzip des „audiatur“ erlaubt den Involvierten, im „Prozess eines Prozesses“ Szenarien zu entwickeln, Folgen von Entscheidungen durchzuspielen, sich mit ihnen anzufreunden. Eine auf diesen Wegen und in diesem Sinne gefällte Entscheidung ermöglicht den Involvierten, sich in ihr „heimisch“ zu fühlen, sie als eine von zwei oder mehreren involvierten Parteien und zugunsten einer gemeinsamen Sache für sich zu bejahen und zur Grundlage ihres zukünftigen Handelns zu machen.

Der Chef muss entscheiden!

Die degenerierte Form des „weder noch“ hingegen macht die gegensätzlichen Positionen zwar ebenfalls „hörbar“. Es verharrt dann aber in dieser Funktion des Hörbarmachens und betont ganz im Sinne eines Mantras immer dann, wenn sogar schon die Konfliktparteien nach einer Entscheidung rufen, dass wir nach wie vor und immer wieder sowohl auf die eine als auch auf die andere Seite hören müssten, weil ja wichtig ist, dass beide Seiten gehört werden. Auf diese Weise degeneriert das „sowohl als auch“ als Vorbereitung auf breit abgestützte Entscheidungen zu einem „weder noch“, das die Aufgabe hat, Entscheidungen, wenn nicht zu verhindern so doch hinauszuzögern und zu erschweren, um sie dann nicht selten autoritär und einseitig zu fällen – „den Umständen geschuldet“, die aber durch das „weder-noch-Konstrukt“ erst geschaffen wurden. Schlau, nicht wahr?

Die degenerierte Form des „Audiatur et altera pars“ hat also nicht zum Ziel, gute Entscheidungen zu fällen. Zweck ist, den Willen und die Fähigkeit der Involvierten, an Entscheidungen mitzutragen, nachhaltig zu schwächen. Nicht die Absicht, zu einer guten Entscheidung zu kommen, ist länger das Motiv dafür, immer auch die Gegenseite hörbar zu machen, sondern weil die Entscheidung „woanders“ fallen soll, wird die Gegenseite zu eben diesem Zweck referiert. Das „sowohl aus auch“ mündet in ein „weder noch“. Wir können weder so entscheiden noch so, weil ja sowohl dieses gilt als auch das. Also braucht es jetzt den Chef! Der gibt auch umgehend die Parole aus: „Wir müssen dringend etwas tun. Am besten wir tun besorgt.“

Aus dem unbefriedigenden und frustrierenden Zustand des als „sowohl als auch“ verkleideten „weder noch“, wird ein sarkastischer Appell zum Verharren, zum engagierten Abwarten, zum solidarischen Zuschauen. Durch einem Hauch von Betroffenheit und Dringlichkeit wird Sorge dafür getragen, dass der Eindruck eines Handelns entsteht. Dabei wurde das Tätigkeitswort „tun“ vom Sprecher kurzerhand in eine Adverbialfunktion geschickt. Das Tun wird fürderhin dazu verwendet um ein Nicht-Tun zu beschreiben. Immerhin: als ein besorgtes.

Ist das jetzt gut oder schlecht?

Brandaktuell: Die Empfehlungen des MIT zur Transformation der Bildung

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Der abschließende Bericht einer Arbeitsgruppe am MIT zur digitalen Transformation der so genannten „höheren Bildung“ liegt vor (16.4.2016). Die Ergebnisse und Empfehlungen haben aus meiner Sicht sowohl für den Bereich der formalen Bildung als auch für die berufliche und betriebliche Weiterbildung hohe Relevanz.

Der Bericht fokussiert auf die Entwicklung und den Ausbau von vier Tätigkeitsbereichen bzw. Funktionen, die für eine erfolgreiche digitale Transformation unabdingbar sind:

  1. interdisciplinary collaboration
  2. online educational tools
  3. the „learning engineer“ als neues Berufsbild
  4. institutional & organizational change

Das folgende pic zeigt, was im Einzelnen hinter den Empfehlungen konkret steckt:

ad 1: Interdisziplinäre Kollaboration meint eine fortlaufende, intensive Zusammenarbeit jener Berufe, die bisher zwar auch schon ihre wertvollen Beiträge an die Entwicklung von Bildung geleistet haben – dies aber mehr oder weniger unverbunden. Der Bericht des MIT fordert jetzt, dass die SozialwissenschaftlerInnen, Researchers, PsychologInnen und Neurowissenschaftler ihre Erkenntnisse kollaborativ vernetzen, um

  • den Einfluss von Bildung auf soziale Systeme
  • die Kultur pädagogischen Alltagshandelns und die Strukturen, die dem „classroom-learning“ zugrunde liegen
  • die Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen menschlichen Verhaltens
  • die Erkenntnisse über neuronale Grundlagen des Lernens

in ein gemeinsames „framework“ zu integrieren. Den Vorteil sehen die AutorInnen der Studie darin, durch einen gemeinsamen Fokus der an Bildung beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen die Bedingungen und Folgen des Wandels klarer und auch ertragreicher zu fokussieren.

ad 2: Unter online technologies der Zukunft fasst der Bericht Technologien (gemeint sind nicht bloße Techniken) zusammen, die er als „education enabler“ im Sinne eines dynamischen (beweglichen, anpassungsfähigen) digitalen Rahmenangebots („scaffold“)  versteht. Hierzu gehören

  • customizing learning: Werkzeuge, die das Lernen an die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Lernenden anpassen (customizing, personalizing)
  • remote collaboration: projekt-, ergebnis- und kompetenzbasiertes, kooperatives Lernen über räumliche Grenzen hinweg
  • just-in-time-scenarios als Reaktion auf die Anliegen des bedarfsorientierten Lernens („on demand“)
  • continous assessment im Sinne fortlaufender Möglichkeiten, die Fortschritte eigenen und kollaborativen Lernens selbstgesteuert zu messen und in die Lernprozesse zurück zu speisen
  • blended learning (as a matter of fact)

 

ad 3: Die Neue Profession des „learning engineer“. Hier entsteht ein neues Berufsbild. Eine, Profession, die in den oben genannten, vier Arbeitsfeldern bewegungs- und sprachfähig ist, die tenchnologie-affin und kompetent ist, die die Brücken bildet zwischen den „fields of education“, die einen starken Dienstleistungscharakter hat: to „help teachers teach und learners learn“. Es lohnt sich ein Blick auf die „Stellenbeschreibung“ dieses neuen Berufes in der Studie selbst (Link im Header).

ad 4: Nicht zuletzt fordert der Bericht eine bestimmte Form des „institutional and organizational change“, der nur mit systemischen Methoden und Haltungen machbar sein wird. eine Form der Organisationsentwicklung von Bildungseinrichtungen, die aus sich heraus die „change agents“ hervorbringt und auf kollaborativen Wegen neue „role models“ generiert. Keine Einzelkämpfer mit Leuchtturmfunktion, sondern im Sinne des neuen Führungs- und Arbeitsmodells des holacracy movements.

Lifelong learning to ensure employability: Is this just a „dead letter“?

Zwei Dinge empfindet eine überwältigende Mehrheit der Menschen ausserhalb meiner digitalen Blase als leidige und unausweichliche Lebenspflicht: Lernen und Arbeiten.

There are two objects taken as an exasperating and unavoidable duty by the vast majority of people outside my bubble: to study and to job.

Unter anderem deshalb kommen zwei starke gesellschaftliche Entwicklungen bei dieser überwältigenden Mehrheit nicht gut an und sorgen für Angst, für Abwehr: das „lebenslange Lernen“ und das „Arbeiten bis 70“, also die Auflösung der seit dem Ende des zweiten Weltkrieges im deutschsprachigen Raum als natürlich hingenommenen Berufsaltersgrenzen: Lernen von hier bis hier, dann Arbeiten von hier bis hier. Fertig.

Therefore and amongst others, two vital and increasing societal movements alarm this vast majority: the so-called „lifelong learning“ and „to job up to your seventies“. The liquidation of former accepted age limits causes deep uncertainty.

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Das erste Dilemma

In letzter Zeit kursiert im Netz ein Spruch, der es auf den Punkt bringt: „Die, die von uns verlangen, dass wir bis siebzig arbeiten, das sind doch dieselben, die uns ab fünfzig nicht mehr einstellen.“

And this is the first dilemma, focused by a saying that sails through the web for months now: „Those who require us to work until we’re seventy are the same who refuse giving us a job after we passed our fiftieth birthday.“

But there’s also a second dilemma: to stay connected to the job market, I have to seamless participate in further education – although nobody can anticipate, in which direction this market will move.

Und noch ein Dilemma

Es gibt aber noch ein zweites Dilemma: Um auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft anschlussfähig zu bleiben, muss ich fortlaufend lernen: mich weiterbilden um dranzubleiben, um arbeitsmarktfähig zu sein – auf einem Markt, der sich so unvorhersehbar wie radikal verändern wird.

Therefore „lifelong learning“ should empower me to handle unpredictability, to deal with the unprojectable. Instead, the supersaturated market of further education acts as if the massive change in education and work wouldn’t take place. Looking at the overwhelming range of further education options offered in Switzerland & Germany, I discover courses and seminars, taylored for jobs and functions – and also for „life scripts“ and societal ideas – that will fade away in the next five to ten years. Moreover, education still uses methods, that ignore the Digital Transformation as an all-embracing alteration of „living and working“ – as if we still lived in the good old classroom era, where fault-finders, dressed up as teachers, vaporize students with data.

Also müsste mich dieses lebenslange Lernen vor allem auf das Unvorhersehbare, nicht Planbare vorbereiten. Es müsste mich dafür fit machen. Stattdessen funktioniert der Markt der Weiterbildung bis heute so, als gäbe es die massiven Veränderungen der Gegenwart gar nicht. Wer in die Angebotspalette dieses zudem völlig übersättigen Marktes blickt, stößt auf Veranstaltungen, die auf Berufe und Tätigkeiten zugeschnitten sind, aber auch auf Lebens- und Gesellschaftsentwürfe, die es bald nicht mehr geben wird. Und es wird in Aus- und Weiterbildung mit Methoden gearbeitet, als gäbe es die digitale Transformation nicht, als wären wir noch in der guten alten Kreidezeit, in der Lehrende und Dozierende dankbare Schüler mit Wissen bedampfen.

The Next Dilemma

That brings up another Dilemma: On the one hand, it’s forbidden to stop learning. I have to go on. But on the other hand the results of my edu-struggle do not empower me to meet the expectations of future job markets, to give the right answers to „VUCA“: volatility, uncertainty, complexity and ambiguity, to act appropriate and successful in different societal and professional contexts, to converse by the different tongues of interbranch codes, to use and to configure digitalized environments, to be able to act collaborative all over the place.

leere Versprechen

Also noch ein Dilemma: Ich darf mich einerseits nicht nicht weiterbilden. Ich muss immer weiter lernen. Was ich aber in diesen Prozessen lerne, bereitet mich nicht wirklich auf das vor, was in Zukunft von mir erwartet wird: Flexibilität, hohe arbeitsmarktliche Autonomie und Beweglichkeit, die Fähigkeit, in unterschiedlichen sozialen und professionsbezogenen Kontexten erfolgreich unterwegs zu sein, fach- und branchenübergreifend die Sprachen zu verstehen, die dort gesprochen werden, die digitalisierte Arbeits- und Lebenswelt souverän nutzen und gestalten können, und in all dem sozial und kollaborativ handeln können.

Learning in fact is urgent. But most people are sick to death of studying, because they remember this as a matter of boring and fruitless indoctrination without remarkable benefit except coming to an end. That’s one of the most influential parameters, why the promise of lifelong learning for most people sounds moore like an inevitable threat, not like an overture to increasing quality of life.

Da ist also in der Tat Lernen angesagt. Dem steht allerdings im Weg, dass die überwältigende und in Diskursen über Bildungsqualität so gut wie nie vertretene Mehrheit das Lernen als solches satthat, weil sie es in ihren primären Bildungsphasen als indoktrinär, unfruchtbar und unbrauchbar erlebt hat. Nicht zuletzt deshalb klingt die Aussicht auf lebenslanges Lernen für so viele Menschen wie eine unausweichliche Drohung, nicht wie ein Angebot, das einen Zuwachs an Lebensqualität möglich machen würde.

Auch beim Phänomen der Arbeit geht es unglaublich vielen Menschen nicht viel anders: Arbeit ist ein Muss. Ein Ernährungsphänomen, im Sinne eines oft nicht eingelösten Versprechens – weder, was den materiellen Gewinn betrifft noch das Prestigeversprechen von Aufstieg, Karriere und Anerkennung.

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Arbeit und Lernen sind für die Mehrheit der Menschen in unser Gesellschaft nicht nur etwas, das ihr Leben durchgehend bestimmt, auch zeitlich – beide sind für uns vielmehr leidige Pflicht, gefüllt mit leeren Versprechungen über den Sinn menschlichen Daseins. In Wahrheit bringen uns Lernen & Arbeiten den Träumen und Visionen gelingenden Lebens nicht näher. Vielmehr entfremden sie uns von uns selbst – von der ersten bis zur letzten Minute unseres Lebens. Sie locken uns mit Versprechungen von Glück, Zufriedenheit, Harmonie, Wohlstand, Geborgenheit, Anerkennung – und vereiteln sie zugleich für die meisten von uns durch die Art, wie Lernen und Arbeiten gestaltet sind. Das ist das vierte Dilemma im Kontext von Arbeit und Leben.

Deshalb behaupte ich hartnäckig: Wir brauchen dringend ein neues Bildungsdesign: Anders ausgebildete und agierende Dozentinnen und Dozenten, innovative Infrastrukturen des Lernens, neue technisch unterstützte Landschaften des kollaborativen Lernens in den Zwischenräumen von Lernen & Arbeiten, die sich im Moment auftun.

Therefore I insist on the necessity of an alternative „education design“ in school, university and in further education: of totally different trained and different acting teachers, lecturers, tutors, coaches, surrounded and supported by different architectures and landscapes of learning & teaching infrastructure, of versatile opportunities for „social workplace learning“.

It’s time.

Der täglich neue, digitale Bankrott von Schule

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Eine Gruppe von 15- bis 19-Jährigen beschäftigte sich für die Youth Leadership Konferenz (#ylk16) mit Fragen, wie stark ihre Schulbildung die digitale Transformation integriert. In einem Workshop entwickelten die Schüler*innen Verbesserungsvorschläge, wie ihre Lehrenden den Unterricht mit Youtube-Videos, Prezi und Storify aufmotzen könnten. In einem Gespräch mit ze.tt kommt die dramatische digitale Inkompetenz des Schulsystems und seiner Agenten zum Ausdruck.

Schule und digitale Medien sind nach wie vor zwei völlig unterschiedliche Dinge. Lehrerinnen und Lehrer scheinen nicht darin ausgebildet zu sein und wissen nicht, was die digitale Disruption mit schulischen Lernprozessen zu tun hat: Kein Wissen über Auswirkungen, Chancen, Entwicklungen.

Die Digitalisierung wirkt in den Schulen offenbar wie ein Kontrastmittel. Sie zeigt an, wie sehr unser Bildungssystem in der Kreidezeit steckt, wie wenig flexibel Lehrer und ihr Unterricht auf die Herausforderungen der Gegenwart einzugehen in der Lage (gewillt) sind, und wir stark Schule am Konzept der Hierarchie lehrender Systeme, an der Hackordnung des Lernens festhält.

Das ganze Interview können Sie hier lesen.