LearnLabs statt Schule. Ein nächster Schritt in die Evolution des Lernens. Teil 1

Titelbild: „Chaos“ von levelord auf Pixabay

In keine andere menschliche Eigenschaft wird derzeit mehr Hoffnung gesetzt, als in das Lernen – eines der wenigen Merkmale, durch das wir den Maschinen noch voraus sind neben Imagination, Empathie und Kreativität. Meine Frage lautet: Welche Umgebung brauchen wir für eine möglichst umfassende Entfaltung des Lernens – und worum geht es dabei überhaupt?

Die Antwort fällt völlig anders aus, je nachdem ob ich Lernen als eine Aktivität im Kontext von Schule, Lehren und Erziehung betrachte, oder mit Blick auf das Subjekt, also auf dich und mich. Wenn ich vom lernenden Menschen selbst ausgehe, lande ich bei völlig anderen Vorstellungen und Artefakten, als wenn ich das Lernen durch die Brille institutioneller Bildung sehe. Karlheinz Pape, einer der Köpfe von colearn.de, betont: „Für mich ist Lernen ein so individueller Vorgang, dass es unmöglich ist, den von außen sinnvoll zu gestalten.“ Was gäbe ich drum, wenn sich diese Erkenntnis endlich und mit aller Konsequenz in unserem Bildungssystem durchsetzen würde. Hier ein ganz wichtiges Forschungsergebnis dazu.

Eine gründliche Untersuchung dieser Unterscheidung Innen/Außen hat Klaus Holzkamp 1995 mit seinem Buch „Lernen“ vorgelegt. Er unterstreicht darin die Bedeutung des Lernens als Erweiterung subjektiver Erfahrungs- und Lebensmöglichkeiten und grenzt sie ab vom Verständnis des Lernens als eines mir von anderen auferlegten Prozesses.

Jane Hart (Quelle)

Auch die britische Bildungsforscherin Jane Hart nimmt den Begriff des Lernens quasi in Schutz, wenn sie schreibt: „It is important not to misuse the word learning. Words like training, courses, content are not synonyms of learning. Learning is not a product nor a commodity; it is an internal process, so, in other words:

You can’t design learning  – you can design training, a course, or content – but that’s not designing learning. You can’t deliver learning – you can deliver training or a course – but that’s not delivering learning. You can’t transfer learning – you can (try to) transfer knowledge – but that’s not transferring learning. You can’t manage learning – you can manage participation on a training course or access to some online content – but that’s not managing learning. The only person who manages learning is the individual him/herself.“ (Quelle)

Von der Pädagogik zur Selbstermächtigung

Mein Eindruck ist, dass die zunehmende Dynamik in Ökonomie und Gesellschaft, dass auch die „Kultur der Digitalität“ (Felix Stalder) mehr und mehr nach Individuen ruft, die in der Lage sind, sich durch Lernen die komplexen Lebens- und Arbeitswelten selbstgesteuert und selbstverantwortet zu erschließen, und dass der Anteil institutioneller Bildungsorganisation an der Gestaltung individuellen Lernens sukzessive abnehmen wird, wie z.B. Laurençon/Wagner aufzeigen. Ganz aktuell setzt sich auch Nick Shackleton Jones in Buch und Podcast mit der Frage auseinander, wie wir Lernen aus der Sicht des Individuums begreifen können und ihm entsprechende Räume zur Verfügung stellen.

Herkömmliche, institutionell organisierte Bildungsprozesse zeichnen sich dadurch aus, dass unser Lernen vollständig auf die Organisation ausgerichtet ist:

Wenn Lernen jedoch aus der Pespektive eines lernenden Menschen betrachtet wird, steht nicht mehr die steuernde und kontrollierende Organisation im Zentrum, sondern der lernende Mensch selbst, der mit seinem Lernen im Sinne Holzkamps eine höhere Selbst- und Weltverfügung anzielt.

Durch diesen Paradigmenwechsel kehren wir die institutionell gegebenen Vorzeichen des Lernens um und anerkennen die Bedingungen eines Lernens, das zuerst den Lernenden selbst und dann auch der Gegenwart gerecht wird, in der wir lernen.

Schule hat dann als Institution, um die herum der Mensch sein und ihr Lernen bisher organisiert, keine Existenzberechtigung mehr. Was wir jetzt brauchen, ist und hat eine völlig andere Dimension, denn:

Edison’s electric light did not come about from the continuous improvement of the candles.

Oren Harari

Es gibt den Übergang von dem, was Schule heute ist zu einer Organisation, die unserem Lernen gerecht wird so wenig, wie den Übergang von der Kerze zum elektrischen Licht – oder um es mit Henry Ford zu sagen: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“ Was wir suchen und dringend benötigen, ist keine Verlängerung von Schule in die Zukunft.

Ein wesentlicher Unterschied zum „Konzept Schule“ ist der: Mein Lernen wird nicht mehr von anderen für mich organisiert, von ihnen vorbereitet, überwacht und geprüft. Vielmehr ist selbst die Organisation des Lernens ein Teil desselben und liegt in der Verantwortung derjenigen, die sich zum Zweck des Lernens zusammentun.

Der Raum, in dem sich Lernen dann organisiert, ließe sich mit dem Begriff des Learning Lab bzw. mit dem Kürzel LearnLab umschreiben. Damit kommt der explorative, entdeckende, expeditive und experimentierende Charakter des Lernens zum Ausdruck. Der Begriff „Learning Lab“ wird bereits breit verwendet. Werfen wir einen Blick drauf.

LearnLabs als neue Organisationsform des Lernens?

Die ZHAW verwendet den Begriff, um ihr Angebot der Förderung von Unterrichtsgestaltung zu umschreiben bzw. zur Entwicklung innovativer Lehr- und Lernformen. An der Universtität Duisburg-Essen hat das Learning Lab ebenfalls Institutscharakter und versteht sich als Angebot zur Weiterentwicklung der Hochschullehre. In Hamburg werden lehrende Berufe durch ein Learning Lab bei der Entwicklung ihrer Lehre unterstützt, ebenso z.B. in Ingolstadt.

Learning Labs kümmern sich also im Hochschulbereich vor allem um die Weiterentwicklung institutioneller Lehre. Sie sind somit eigentlich Teaching Labs. Es handelt sich mehr um Teachers Support als um explorative Bewegungen in Richtung neuer Formen und Wege des Lernens.

Andere Learning Labs, wie etwa in Copenhagen oder in Stanford verstehen sich ausdrücklich als Forschungsprojekte über das Lernen, oder sie bieten Bildungsarbeit neben bzw. außerhalb der regulären Schule an, wie hier in Los Angeles: „to disrupt the generational cycle of poverty“. Wieder andere Learning Labs bieten co-creative Unterstützung für innovative Learnerfahrungen an bzw. nennen ihr Online-Kursprogramm „Learning Lab“ wie z.B. GitHub.

Die bisher aufgezählten Learning Labs sind also meist im Sinne eines Angebots „für andere“ designt. Sie sind pädagogisch strukturiert und mit einem klarem Auftrag unterwegs wie z. B. auch hier in Wien. Nicht zuletzt figurieren unter diesem Begriff auch fertige Verantaltungsformate mit Kongress-Charakter für teuer Geld.

LearnLabs als selbstorganisierte Expeditionsräume des Lernens

Eine ganz anderer Ansatz von LearnLab ersetzt Programm, Beschulung, Versorgung und Vermittlung durch (Selbst-)Ermächtigung. Hierzu gehören z.B. die Schools of Trust, die Democratic Schools und die learnlife-Community, die sich dadurch auszeichnet, dass sie jungen Menschen mit jedem denkbaren schulischen Hintergrund das gestufte Neuanfangen in der eigenen, selbstbestimmten Lernwelt ermöglicht.

Ein ebenso bewunderswertes wie durchdachtes Konzept von LearnLab ist das Projekt Selbstbestimmt Studieren, das von Mitgliedern des Vereins Demokratische Stimme der Jugend entwickelt wird, und dessen Prototyp im Herbst 2019 an den Start geht.

Wann sich LearnLabs von Schulen unterscheiden

Den Begriff LearnLabs verwende ich für Communities, die den Paradigmenwechsel umsetzen, der oben beschrieben wurde, und der von learnlife in vier Schritten abgebildet wird:

Quelle: Privat zur Verfügung gestellte Folie von learnlife

Die Learnlife-Community verwendet zur Beschreibung der eigenen Funktionalität den Begriff des „Learning Eco Systems“. Sie versteht sich als ein dezentrales, lernfähiges, offenes soziotechnisches System mit den Eigenschaften der Selbstorganisation, der Skalierbarkeit und der Nachhaltigkeit (formuliert in Anlehnung an die Definition des „Digital Ecosystem“ auf wikipedia). Ein System also, in dem sich alle Akteure als lebenslange Lernerinnen und Lerner verstehen.

Ein LearnLab, wie es hier praktiziert wird, ist offen für Menschen und ihre Erfahrungen aus allen möglichen Lern- und Bildungskontexten. Wer sich dafür entscheidet, hier zu lernen, findet den Raum, die Zeit und die Möglichkeiten, seine/ihre eigene Lernbiographie zu entwickeln.

Quelle: learnlife.com

Dieser Approach an ganz neue Umgebungen und Prozesse des Lernens löst eine intensive Entwicklungs-Arbeit an der Lernkultur von Mensch und Organisation aus. Jedoch nicht im Sinne einer Voraussetzung, sondern als zentralen Bestandteil des neuen Paradigmas. Das beginnt bei der Arbeit an der eigenen Lernbiografie und setzt sich fort in die Reflexion über die Rahmenbedingungen eines „personal learning created by the learner“.

Devin Carberry

Devin Carberry von learnlife bringt es im Interview auf den Punkt: „The key question is how we are moving from a control to an empowerment paradigm? How do we empower learners rather than thinking about how to control their learning, they’re behaving, what they’re going to do with their lives? It’s all about how we empower them to take responsibility and agency over themselves.“

Wie sich ein LearnLab bildet

Ein LearnLab fällt nicht vom Himmel. Es entwickelt sich aus dem Bedürfnis heraus, mit anderen zusammen anders zu lernen. Der vielleicht wichtigste Aspekt beim Entstehen eines LearnLabs ist von Beginn an die Vernetzung:

Built, join and co-create ecosystems, a vibrant network of learning people and communities. Don’t stand alone for yourselves, but find others and share experiences, hopes and visions.

let’s do it

LearnLabs können dabei auch einen eigenen Raum innerhalb eines größeren Ganzen bilden, z. B. im Stil der „Google Garage“, einer Art Makerspace, den Google an diversen Standorten eingerichtet hat. Das sind Orte maximaler Gestaltungsfreiheit und Kreativität, an denen im dichten Austausch Lösungen für alle denkbaren Herausforderungen entstehen, wie Frederik Pferdt in brandeins berichtet. Der Makerspace ist also kein Ort, an dem „Schülerinnen und Schüler dazu angehalten werden, eigene Erfindungen zu machen“, wie die Pädagogische Hochschule Thurgau behauptet (Quelle). Es geht vielmehr um ein „maker-oriented mindset“: Menschen, ihre Möglichkeiten und Fragen kommen zusammen und erfinden Lösungen in Form von Prozessen, Produkten und Dienstleistungen.

LearnLabs im hier angedachten Sinn unterscheiden sich von institutionellen Lern- und Bildungsangeboten durch eine Kultur der Kollaboration. Diese wird in LearnLabs nicht „gelehrt“ oder von den einen für die anderen vorgelebt, sondern schlicht und einfach von allen praktiziert. Entsprechend gibt es keine Lehrpläne oder andere inhaltlichen Vorgaben, keine zeitlich vorgegebene Taktung von Lernprozessen und kein „kontrollierendes Gegenüber“, weil es nur Beteiligte im Sinne von Teilgebenden gibt. In dieser Atmosphäre entwickeln Menschen ganz selbstverständlich kollaborative Kompetenz als die zentrale Fähigkeit in der Netzwerkgesellschaft.

Kollaborative Lerngemeinschaften werden zu den Problemlösern in einer Welt, in der Agilität, Kreativität und Innovation erforderlich sind, um zukünftige Herausforderungen zu meistern.

Janina Lin von der Otto Group (Quelle)

LearnLabs als Knotenpunkte einer Netzwerkkultur

Die stärkste kulturelle Veränderung, von der wir im Moment und in Zukunft gleichermaßen betroffen sind und profitieren, ist die Netzwerkkultur. Dahinter steckt die Idee und die Praxis vom gemeinschaftlich verantworteten Lern-Lebens-Arbeits-Raum, den Co-Learner und Co-Workerinnen explizit selbstorganisiert gestalten. Von diesem Lebensprinzip profitieren auch LearnLabs:

Quelle: learnlife

Solch fundamentale Veränderungen sind nicht im Alltagsbetrieb einer Bildungsinstitution möglich. Das Mindset der radikalen Innovation widerspricht den Haltungen und Tugenden eines Schulbetriebs diametral. Innovation und Alltag behindern sich in ihren Absichten und Abläufen gegenseitig.

Aus diesem Grund können Schulen jeglicher Couleur LearnLabs initiieren wie Google seine „Garage“. Räume, in denen der hier beschriebene Paradigmenwechsel praktiziert wird als Ernstfall eines alternativen Lernens. Ein Lernraum, in den jederzeit alle an diesem neuen Paradigma interessierten einsteigen können, um den Paradigmen- und Kulturwechsel am eigenen Leib zu erleben und zu reflektieren – und um die wesentlichen Unterschiede zwischen dem alten „Command-and-Control-Paradigma“ und dem alternativen „Self-Empowerment-Paradigma“ wirklich und tatsächlich machen zu können.

In Kürze folgt Teil 2 zum Thema LearnLab mit Ideen und Konkretionen zur Umsetzung. Trage einfach im Menu deine Email-Adresse ein, und du wirst über die Veröffentlichung neuer Blog-Beiträge automatisch informiert.

Unschool your heart. Eine Wortmeldung

In unseren Köpfen hat sich ganz tief die Vorstellung eingeprägt, dass Lernen nur dann „richtig“ stattfindet, wenn jemand lehrt, unterrichtet, kontrolliert, überwacht, Material anschleppt, prüft – sonst wird nicht richtig gelernt. Es braucht das organisierte Zusammensetzen von Menschen in einen Raum, geführt und unterrichtet von einer Person. Von Kindesbeinen an bis in die Seniorenuni.

Beitragsbild: Calvin & Hobbes by Bill Watterson. Quelle

Zwar verwenden wir innerhalb des Lehrsystems Begriffe wie „informelles Lernen“ und „nonformales Lernen“ und sagen uns, dass der Mensch ja immer irgendwie und bei allem, was sie und er tut, irgendetwas lernt. So richtig und gültig tut sie und er das aber nur und erst, wenn das Bildungssystem ins Spiel kommt und Lernen ordnet, überwacht und kontrolliert. Und ganz wichtig, eigentlich über allem anderen: wenn das Lernen zertifiziert wird – über Noten, Zeugnisse, Berichte, Abschlüsse. Ohne die ist Gelerntes so wenig wert wie das Lernen selbst.

Weil wir so denken, gehen wir auch davon aus, dass diejenigen, die mit diesem Setting so ihre Probleme haben, dieses Setting ganz besonders brauchen. Je mehr ein Mensch mit Schule Probleme hat, umso mehr Schule braucht der – oder die. So denken wir. Wir bezeichnen solche Menschen als (zertifiziert) lernschwach oder bildungsfern und sagen: Die brauchen noch mehr. Die erst recht: anderen Unterricht, individuellen Unterricht, Förder-Unterricht. Mehr Lehre, mehr Pädagogik, mehr Didaktik. Medikamente. Gerade die „Lernschwachen“ müssen unter steter Kontrolle durch Lehrende und Erziehende noch mehr Energie, Konzentration und Fleiß aufbringen, um zu lernen.

Nur gibt es da einen gewichtigen Unterschied: Sie brauchen all das nicht um zu lernen, sondern um mit Schule klar zu kommen: mit Lehren, Unterricht, Klassenzimmer, mit standardisierter Materie und Prozessen. Von Montag bis Freitag.

Du kannst nicht nicht lernen

Und ja – selbstverständlich findet in der Schule Lernen statt. Aber nicht, weil Lehren und Unterrichten das Lernen irgendwie ermöglichen oder fördern, sondern weil der Mensch gar nicht anders kann. Du kannst nicht nicht lernen. Dass also Menschen durch Lehren und Unterrichten etwas lernen, ist nicht dem Bildungssystem und seiner Pädagogik und seiner Didaktik zu verdanken, sondern der Tatsache, dass Menschen gar nicht anders können als zu lernen. Besonders intensiv und prägend tun sie das im Kindes- und Jugendalter. Ausgerechnet dann also, wenn sie pausenlos unterrichtet und belehrt werden. Pädagogik und Didaktik machen sich diese Tatsache schamlos zu Nutze.

Was Lernende während dieser prägenden Zeit in der Schule lernen, ist ausnahmslos eine Reaktion auf dieses Lehren und Unterrichtennicht auf dessen Gegenstände oder Inhalte. Menschen lieben oder hassen nicht die Mathematik, sondern den Matheunterricht. Das gilt für alle Fächer. Wer die Mathematik liebt, will die Schule hinter sich bringen, um Mathematik zu machen, wie Maximilian Janisch im Interview eindrücklich beschreibt (klick).

Menschen lernen in der Schule nicht Lesen, Schreiben, Rechnen. Sie lernen, wie sie Lesen, Schreiben, Rechnen in der Schule lernen, und dass sie, um das „richtig“ zu lernen, die Schule brauchen: den Unterricht, das Lehren, die Fächer, die Prüfungen, die ihnen zeigen, dass, ob und wie sie richtig, falsch oder gar nicht gelernt haben, in der Schule zu lernen.

Lesen, Schreiben, Rechnen lernen sie so oder so. Wenn es in ihrem Leben dran ist. Und wenn es dran ist, lernen sie es mit schierer Begeisterung und sehr nachhaltig. Lustvoll und hoch sozial. Und ganz ohne Lehren und Unterrichten. Dafür gibt es eindrückliche Beweise, die z.B. seit 50 Jahren von Daniel Greenberg in zahlreichen Publikationen reflektiert werden (klick). Dass dieses Phänomen im Bildungssystem nicht anerkannt werden kann, erklärt sich so:

In einer Fußgängerzone steht ein Mann und klatscht alle 10 Sekunden in die Hände. Als ein Passant ihn fragt, was er denn tue, antwortet er: „Ich vertreibe die wilden Elefanten“. Erstaunt entgegnet der Passant: „Aber hier sind doch gar keine Elefanten.“ Worauf der klatschende Mann zufrieden lächelt und feststellt: „Sehen Sie, das Klatschen wirkt“. (nach Paul Watzlawick)

Will sagen, wir denken: Sobald wir aufhören, den Kindern „etwas beizubringen“, sobald wir damit auch nur einen Moment aussetzen, lernen sie (es) nicht (mehr). Deshalb machen wir damit weiter und beweisen uns dadurch, dass es Schule braucht.

In der Schule lernen Menschen, Schüler zu sein: den Unterricht zu verstehen, zu durchschauen, was Lehrende von ihnen wollen. Sie lernen herauszufinden, was beim Demonstrieren sogenannter Lernerfolge und beim Schreiben von Prüfungen von ihnen erwartet wird – von jeder einzelnen Lehrperson. Sie lernen sich einzustellen auf diese Systemerwartungen, die in der Pädagogik „Lehrer-Schüler-Beziehung“ genannt werden, und die, so wird seit Hattie gebetsmühlenartig repetiert, so wichtig sei für den Lernerfolg. Das ist doch kein Wunder, da in der Schule alles, was mit Lernen zu tun hat, an eine Lehrperson gekoppelt ist. Ob dieses Setting gut ist für lernende Menschen, ist damit noch nicht einmal diskutiert. Von ihren Lehrpersonen lernen sie jedenfalls gründlich, dass das Ziel des Lernens Leistung sei, die etwas Individuelles ist, und etwas, das sie in Konkurrenz zu anderen erbringen müssen, und das am Ende immer von anderen gemessen wird. Und von wem? Genau.

What a person in a classroom learns, is how to be a person in a classroom.


Clark Aldrich

Wer sein Kind in (irgend)eine Schule bringt, erklärt sich mit all dem einverstanden. Er und sie wird von jetzt an alles dafür tun, dass sein oder ihr Kind mit diesem System klar kommt und es übersteht – nicht umgekehrt. Wir sind schließlich auch damit klar gekommen. Und aus uns ist auch etwas geworden: Autofahrer, Anleger, Nespressotrinker, Kreuzfahrer, Fleischesser, Steuerzahler, Ferienflieger, Zuschauer – und Menschen, die ihre Kinder in die Schule schicken.