Brandaktuell: Die Empfehlungen des MIT zur Transformation der Bildung

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Der abschließende Bericht einer Arbeitsgruppe am MIT zur digitalen Transformation der so genannten „höheren Bildung“ liegt vor (16.4.2016). Die Ergebnisse und Empfehlungen haben aus meiner Sicht sowohl für den Bereich der formalen Bildung als auch für die berufliche und betriebliche Weiterbildung hohe Relevanz.

Der Bericht fokussiert auf die Entwicklung und den Ausbau von vier Tätigkeitsbereichen bzw. Funktionen, die für eine erfolgreiche digitale Transformation unabdingbar sind:

  1. interdisciplinary collaboration
  2. online educational tools
  3. the „learning engineer“ als neues Berufsbild
  4. institutional & organizational change

Das folgende pic zeigt, was im Einzelnen hinter den Empfehlungen konkret steckt:

ad 1: Interdisziplinäre Kollaboration meint eine fortlaufende, intensive Zusammenarbeit jener Berufe, die bisher zwar auch schon ihre wertvollen Beiträge an die Entwicklung von Bildung geleistet haben – dies aber mehr oder weniger unverbunden. Der Bericht des MIT fordert jetzt, dass die SozialwissenschaftlerInnen, Researchers, PsychologInnen und Neurowissenschaftler ihre Erkenntnisse kollaborativ vernetzen, um

  • den Einfluss von Bildung auf soziale Systeme
  • die Kultur pädagogischen Alltagshandelns und die Strukturen, die dem „classroom-learning“ zugrunde liegen
  • die Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen menschlichen Verhaltens
  • die Erkenntnisse über neuronale Grundlagen des Lernens

in ein gemeinsames „framework“ zu integrieren. Den Vorteil sehen die AutorInnen der Studie darin, durch einen gemeinsamen Fokus der an Bildung beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen die Bedingungen und Folgen des Wandels klarer und auch ertragreicher zu fokussieren.

ad 2: Unter online technologies der Zukunft fasst der Bericht Technologien (gemeint sind nicht bloße Techniken) zusammen, die er als „education enabler“ im Sinne eines dynamischen (beweglichen, anpassungsfähigen) digitalen Rahmenangebots („scaffold“)  versteht. Hierzu gehören

  • customizing learning: Werkzeuge, die das Lernen an die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Lernenden anpassen (customizing, personalizing)
  • remote collaboration: projekt-, ergebnis- und kompetenzbasiertes, kooperatives Lernen über räumliche Grenzen hinweg
  • just-in-time-scenarios als Reaktion auf die Anliegen des bedarfsorientierten Lernens („on demand“)
  • continous assessment im Sinne fortlaufender Möglichkeiten, die Fortschritte eigenen und kollaborativen Lernens selbstgesteuert zu messen und in die Lernprozesse zurück zu speisen
  • blended learning (as a matter of fact)

 

ad 3: Die Neue Profession des „learning engineer“. Hier entsteht ein neues Berufsbild. Eine, Profession, die in den oben genannten, vier Arbeitsfeldern bewegungs- und sprachfähig ist, die tenchnologie-affin und kompetent ist, die die Brücken bildet zwischen den „fields of education“, die einen starken Dienstleistungscharakter hat: to „help teachers teach und learners learn“. Es lohnt sich ein Blick auf die „Stellenbeschreibung“ dieses neuen Berufes in der Studie selbst (Link im Header).

ad 4: Nicht zuletzt fordert der Bericht eine bestimmte Form des „institutional and organizational change“, der nur mit systemischen Methoden und Haltungen machbar sein wird. eine Form der Organisationsentwicklung von Bildungseinrichtungen, die aus sich heraus die „change agents“ hervorbringt und auf kollaborativen Wegen neue „role models“ generiert. Keine Einzelkämpfer mit Leuchtturmfunktion, sondern im Sinne des neuen Führungs- und Arbeitsmodells des holacracy movements.

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Lifelong learning to ensure employability: Is this just a „dead letter“?

Zwei Dinge empfindet eine überwältigende Mehrheit der Menschen ausserhalb meiner digitalen Blase als leidige und unausweichliche Lebenspflicht: Lernen und Arbeiten.

There are two objects taken as an exasperating and unavoidable duty by the vast majority of people outside my bubble: to study and to job.

Unter anderem deshalb kommen zwei starke gesellschaftliche Entwicklungen bei dieser überwältigenden Mehrheit nicht gut an und sorgen für Angst, für Abwehr: das „lebenslange Lernen“ und das „Arbeiten bis 70“, also die Auflösung der seit dem Ende des zweiten Weltkrieges im deutschsprachigen Raum als natürlich hingenommenen Berufsaltersgrenzen: Lernen von hier bis hier, dann Arbeiten von hier bis hier. Fertig.

Therefore and amongst others, two vital and increasing societal movements alarm this vast majority: the so-called „lifelong learning“ and „to job up to your seventies“. The liquidation of former accepted age limits causes deep uncertainty.

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Das erste Dilemma

In letzter Zeit kursiert im Netz ein Spruch, der es auf den Punkt bringt: „Die, die von uns verlangen, dass wir bis siebzig arbeiten, das sind doch dieselben, die uns ab fünfzig nicht mehr einstellen.“

And this is the first dilemma, focused by a saying that sails through the web for months now: „Those who require us to work until we’re seventy are the same who refuse giving us a job after we passed our fiftieth birthday.“

But there’s also a second dilemma: to stay connected to the job market, I have to seamless participate in further education – although nobody can anticipate, in which direction this market will move.

Und noch ein Dilemma

Es gibt aber noch ein zweites Dilemma: Um auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft anschlussfähig zu bleiben, muss ich fortlaufend lernen: mich weiterbilden um dranzubleiben, um arbeitsmarktfähig zu sein – auf einem Markt, der sich so unvorhersehbar wie radikal verändern wird.

Therefore „lifelong learning“ should empower me to handle unpredictability, to deal with the unprojectable. Instead, the supersaturated market of further education acts as if the massive change in education and work wouldn’t take place. Looking at the overwhelming range of further education options offered in Switzerland & Germany, I discover courses and seminars, taylored for jobs and functions – and also for „life scripts“ and societal ideas – that will fade away in the next five to ten years. Moreover, education still uses methods, that ignore the Digital Transformation as an all-embracing alteration of „living and working“ – as if we still lived in the good old classroom era, where fault-finders, dressed up as teachers, vaporize students with data.

Also müsste mich dieses lebenslange Lernen vor allem auf das Unvorhersehbare, nicht Planbare vorbereiten. Es müsste mich dafür fit machen. Stattdessen funktioniert der Markt der Weiterbildung bis heute so, als gäbe es die massiven Veränderungen der Gegenwart gar nicht. Wer in die Angebotspalette dieses zudem völlig übersättigen Marktes blickt, stößt auf Veranstaltungen, die auf Berufe und Tätigkeiten zugeschnitten sind, aber auch auf Lebens- und Gesellschaftsentwürfe, die es bald nicht mehr geben wird. Und es wird in Aus- und Weiterbildung mit Methoden gearbeitet, als gäbe es die digitale Transformation nicht, als wären wir noch in der guten alten Kreidezeit, in der Lehrende und Dozierende dankbare Schüler mit Wissen bedampfen.

The Next Dilemma

That brings up another Dilemma: On the one hand, it’s forbidden to stop learning. I have to go on. But on the other hand the results of my edu-struggle do not empower me to meet the expectations of future job markets, to give the right answers to „VUCA“: volatility, uncertainty, complexity and ambiguity, to act appropriate and successful in different societal and professional contexts, to converse by the different tongues of interbranch codes, to use and to configure digitalized environments, to be able to act collaborative all over the place.

leere Versprechen

Also noch ein Dilemma: Ich darf mich einerseits nicht nicht weiterbilden. Ich muss immer weiter lernen. Was ich aber in diesen Prozessen lerne, bereitet mich nicht wirklich auf das vor, was in Zukunft von mir erwartet wird: Flexibilität, hohe arbeitsmarktliche Autonomie und Beweglichkeit, die Fähigkeit, in unterschiedlichen sozialen und professionsbezogenen Kontexten erfolgreich unterwegs zu sein, fach- und branchenübergreifend die Sprachen zu verstehen, die dort gesprochen werden, die digitalisierte Arbeits- und Lebenswelt souverän nutzen und gestalten können, und in all dem sozial und kollaborativ handeln können.

Learning in fact is urgent. But most people are sick to death of studying, because they remember this as a matter of boring and fruitless indoctrination without remarkable benefit except coming to an end. That’s one of the most influential parameters, why the promise of lifelong learning for most people sounds moore like an inevitable threat, not like an overture to increasing quality of life.

Da ist also in der Tat Lernen angesagt. Dem steht allerdings im Weg, dass die überwältigende und in Diskursen über Bildungsqualität so gut wie nie vertretene Mehrheit das Lernen als solches satthat, weil sie es in ihren primären Bildungsphasen als indoktrinär, unfruchtbar und unbrauchbar erlebt hat. Nicht zuletzt deshalb klingt die Aussicht auf lebenslanges Lernen für so viele Menschen wie eine unausweichliche Drohung, nicht wie ein Angebot, das einen Zuwachs an Lebensqualität möglich machen würde.

Auch beim Phänomen der Arbeit geht es unglaublich vielen Menschen nicht viel anders: Arbeit ist ein Muss. Ein Ernährungsphänomen, im Sinne eines oft nicht eingelösten Versprechens – weder, was den materiellen Gewinn betrifft noch das Prestigeversprechen von Aufstieg, Karriere und Anerkennung.

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Arbeit und Lernen sind für die Mehrheit der Menschen in unser Gesellschaft nicht nur etwas, das ihr Leben durchgehend bestimmt, auch zeitlich – beide sind für uns vielmehr leidige Pflicht, gefüllt mit leeren Versprechungen über den Sinn menschlichen Daseins. In Wahrheit bringen uns Lernen & Arbeiten den Träumen und Visionen gelingenden Lebens nicht näher. Vielmehr entfremden sie uns von uns selbst – von der ersten bis zur letzten Minute unseres Lebens. Sie locken uns mit Versprechungen von Glück, Zufriedenheit, Harmonie, Wohlstand, Geborgenheit, Anerkennung – und vereiteln sie zugleich für die meisten von uns durch die Art, wie Lernen und Arbeiten gestaltet sind. Das ist das vierte Dilemma im Kontext von Arbeit und Leben.

Deshalb behaupte ich hartnäckig: Wir brauchen dringend ein neues Bildungsdesign: Anders ausgebildete und agierende Dozentinnen und Dozenten, innovative Infrastrukturen des Lernens, neue technisch unterstützte Landschaften des kollaborativen Lernens in den Zwischenräumen von Lernen & Arbeiten, die sich im Moment auftun.

Therefore I insist on the necessity of an alternative „education design“ in school, university and in further education: of totally different trained and different acting teachers, lecturers, tutors, coaches, surrounded and supported by different architectures and landscapes of learning & teaching infrastructure, of versatile opportunities for „social workplace learning“.

It’s time.

Der täglich neue, digitale Bankrott von Schule

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Eine Gruppe von 15- bis 19-Jährigen beschäftigte sich für die Youth Leadership Konferenz (#ylk16) mit Fragen, wie stark ihre Schulbildung die digitale Transformation integriert. In einem Workshop entwickelten die Schüler*innen Verbesserungsvorschläge, wie ihre Lehrenden den Unterricht mit Youtube-Videos, Prezi und Storify aufmotzen könnten. In einem Gespräch mit ze.tt kommt die dramatische digitale Inkompetenz des Schulsystems und seiner Agenten zum Ausdruck.

Schule und digitale Medien sind nach wie vor zwei völlig unterschiedliche Dinge. Lehrerinnen und Lehrer scheinen nicht darin ausgebildet zu sein und wissen nicht, was die digitale Disruption mit schulischen Lernprozessen zu tun hat: Kein Wissen über Auswirkungen, Chancen, Entwicklungen.

Die Digitalisierung wirkt in den Schulen offenbar wie ein Kontrastmittel. Sie zeigt an, wie sehr unser Bildungssystem in der Kreidezeit steckt, wie wenig flexibel Lehrer und ihr Unterricht auf die Herausforderungen der Gegenwart einzugehen in der Lage (gewillt) sind, und wir stark Schule am Konzept der Hierarchie lehrender Systeme, an der Hackordnung des Lernens festhält.

Das ganze Interview können Sie hier lesen.

Das Experiment: uberizing school

Ich steige mit einer Entwicklung ein, die auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Schule zu tun hat – so wie wir sie kennen:  mit dem web 2.0.

Schule und Netz sind bis heute Sinne inkompatibel. Da mögen noch so viele Pads und Tablets und Whiteboards auf die Schulhäuser verteilt werden. Schule und Internet passen nicht zusammen, wie der Berner Wissenschaftler Nando Stöcklin auf exzellente Weise belegt. 

Die These, die ich mit diesem Blog-Beitrag aufstelle, lautet: Es ist höchste Zeit, dass sich unser Schul- und Bildungssystem aufs Netz einlässt. Es warten eine Menge innovativer Ideen zur Gestaltung einer Zukunftsschule. Vor allem Lernende profitieren maximal, wenn Bildung sich einklinkt in die Entwicklungen, die das web 2.0  bereit hält.

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Was ist neu? Was wird anders durch web 2.0?

Auf der Suche nach Erklärungen dafür, warum Geschäftsmodelle wie uber, airbnb und Facebook so erfolgreich sind, taucht immer wieder diese auf: sie produzieren oder besitzen das, was sie dem Consumer anbieten, gar nicht selber. Sie bieten lediglich eine Plattform an, auf der ich mein Produkt und meine Dienstleistung verkaufen kann. uber besitzt keine Autos, airbnb keine Immobilien, Facebook bietet auf Facebook keine Inhalte an. Facebook bietet eine Möglichkeit an, Inhalte anzubieten – und mehr noch: um darüber Kommunikation & Interaktion zu ermöglichen.

Vom Consumer zum Prosumer

Über Bewertungsportale sorgen uber und airbnb dafür, dass die Qualität des Angebots und der Inhalte (facebook) innerhalb eines akzeptablen Rahmens bleibt. Hier greift eine weitere Innovation des web 2.0 gegenüber seinem Vorgänger. Im web 2.0 bin ich nicht einfach Konsument. Ich kann durch meine Aktivitäten jederzeit Einfluss nehmen auf den Markt: auf die Produkte, die dort unterwegs sind, auf deren Qualität und Ruf. Ich kann mich im web 2.0 jederzeit und überall einmischen – und mehr noch: ich mische mit. Ich kaufe und konsumiere nicht einfach. Ich kann eigene blogs & Bücher schreiben und publizieren, irgendein Produkt oder eine Dienstleistung herstellen, anbieten, bewerten. Amazon ist ein gutes Beispiel für diese Möglichkeiten, als Consumer quasi in die andere Richtung aktiv zu werden. Ich kann mich dort als Tester und Bewerter für Produkte zur Verfügung stellen. Damit stelle ich meine „user experience“ anderen Menschen im web zur Verfügung. „Stiftung Warentest“ ist definitiv demokratisiert – mit allen Vor- und Nachteilen.

web 2.0 ist weit mehr als new economy

Im Netz kann ich mich bekannt machen, mich neu erfinden und somit auch eine oder mehrere Identitäten verbreiten. Ich kann alles, was an Ideen Produkten und Dienstleistungen denkbar ist, über’s Netz vertreiben, und ich kann von jedem Ort auf der Welt aus Geschäfte machen: wirelesslife.

Politik, die einen echten sozialen Impact hat (und die damit auch indirekt auf ökonomische Entscheidungen einwirkt), entwickelt sich heute über soziale Netzwerke und wirkt von dort aus auf die etablierten politischen Systeme ein. Ein geniales Beispiel dafür: Die Operation Libero in der Schweiz.

Innovative Ideen in allen Formen und Formaten sozialer, ökonomischer und ökologischer Relevanz verbreiten sich heute über Plattformen wie TED. Von hier stammen einige der wichtigsten und folgenreichsten Gedankenstränge der Gegenwart, die sich pausenlos vernetzen und in neue Netzwerke eingehen.

Stark im Kommen ist die sharing economy. Ein neues Modell, eine neue Vorstellung und eine neue Haltung, die das ökonomische Handeln in den nächsten Jahren fundamental verändern wird, weil es mit neuen Paradigmen unterlegt wird. Eine konkrete Community, die als kreatives Beispiel für diese Entwicklung gelten kann, ist ouishare.

Schule im Abseits 

  • Das web 2.0  setzt auf Offenheit und auf eine möglichst breite Zugänglichkeit von Wissen und Prozessen. „Teilen“ lautet das Programm. Schule hingegen sieht ihre Aufgabe darin, diese Zugänge zu verengen. „Zuteilen“ lautet hier das Programm.
  • Prozesse der Wissensgenerierung erhalten ihre Qualität im Netz dadurch, dass viele beteiligt sind. Schule hingegen konzentriert sich auf die Vermittlung fertiger Wissenseinheiten durch wenige „Experten“.
  • Im Netz erweisen sich Kompetenz und Expertise aller Beteiligten im kollaborativen Prozess selbst. Es gibt keine Zugangsvoraussetzungen, weil sich im Prozess sehr schnell herausstellt, was ich drauf habe und was nicht. Schule ist hingegen nach wie vor eine zentral gesteuerte Organisation der Wissenslogistik. Sie fokussiert auf einzelne Fachleute (Dozierende, Lehrende), die über ein aufwändiges Zertifizierungssystem zuständig gemacht werden, nicht über den Ausweis von Kompetenz.

Alles, was das web 2.0 als die zukünftige Form sozialer, wissenschaftlicher und ökonomischer Interaktion auszeichnet, scheint Schule in ihren Kernprinzipien zu gefährden, die da lauten: Kontrolle, Selektion, Hierarchie, Heteronomie, Abhängigkeit. Wohl aus diesem Grund machen Schule und Bildung in ihrem Kerngeschäft  bisher nur wenig von diesen Innovationen Gebrauch.

frontalunterricht

Durch diesen hermetisch wirkenden Abwehrreflex stellt Schule sich selbst und ihre Klientel ins Abseits. Da sie bislang der einzige Ort ist, der für Bildung zuständig sein soll, enthält sie ganzen Generationen lernender Menschen die Entwicklung jener Kompetenzen vor, die sie im 21. Jahrhundert handlungs- und entscheidungsfähig machen würden. Kompetenzen, die Konsumenten zu Beteiligten machen würden, zu Gestalterinnen und Gestaltern. Im Moment produziert Schule aufgrund ihres Unwillens, sich der digitalen Disruption zu öffnen, willige und willfährige Konsumenten, die mit der Komplexität der neuen Lebenswirklichkeiten völlig überfordert sind. Ökologisches Desinteresse, ökonomische Inkompetenz und politische Radikalisierung sind die sichtbaren Folgen eines solcherart agierenden Bildungssystems.

„uberizing school“

„uberizing“ ist eine Wortschöpfung des web 2.0. Sie steht für mehr als nur ein Geschäftsmodell. Vordergründig geht es natürlich um die geniale Idee, eine Plattform zur Verfügung zu stellen statt Autos zu kaufen um sie dann zu vermieten.  Dahinter steckt aber mehr. uber als Konzept funktioniert ja nur, weil es einer bereits digital vernetzten Welt Lösungen anbietet, die diese Welt als Lösungen erkennt und akzeptiert. Deshalb steht der Begriff „uberizing“ auch für die Art, wie sich Gesellschaft im 21. Jahrhundert organisiert, wie sie interagiert und kommuniziert: ad hoc statt durch vorhaltende Lagerung, nach Bedarf („on demand“) statt pausenlos und ungefragt feuernd, aktiv statt nur präsent. Interaktiv statt bloß sichtbar.

„uberizing school“ bedeutet, dass Schule aufhört, Wissen vorzuhalten, wie andere Hotels oder Taxis. Schule produziert dann nicht mehr Stoff- und Lehrpläne,  Schulbücher und Skripte. Sie hört auf darüber bestimmen zu wollen, was Lernende zu wissen haben und wieviel. Stattdessen entwickelt sich Schule zu einer kreativen, offenen, stark vernetzten Plattform für alle an Bildungsprozessen Beteiligten. Weder verwaltet sie Wissen noch bietet sie Wissen an, noch übt sie mit Hilfe komplexer, hierarchisch gesteuerter Prozesse der Selektion eine (eh nur scheinbare) Kontrolle über  Wissensstand und Wissensbestände aus. Sie ermöglicht vielmehr Interaktion, Kommunikation, Kokreation, De- und Rekonstruktion von Wissen in relevanten Anwendungssituationen.

Schule garantiert damit vor allem die so wichtige Vernetzung derer, die aktiv an Bildungsprozessen beteiligt sind und diese miteinander gestalten: kollaborativ, hierarchiefrei (holokratisch). Schule garantiert die Vielfalt an Ansätzen, Möglichkeiten und Unterschieden, sie fördert Komplexität und serendipity als Quellen der Inspiration und der Entwicklung von Lösungen für real existierende Herausforderungen. Sie rechnet mit dem Interesse und dem Engagement derer, um deren Zukunft es geht. Sie setzt deren Potenziale frei, indem sie Lernenden den Blick öffnet für bestehende und noch nicht entdeckte Möglichkeiten, Chancen und Risiken.

Bildung 40Und hier Gedanken zur Uberisierung der Lehre an Hochschulen von Klaus Diepold

Öffentlichkeit 4.0 – Eine Studie des GDI

Am 12.4.2016 wurde am GDI in Rüschlikon/Zürich die neue Auftragsstudie der SRG mit dem Titel „Öffentlichkeit 4.0“ vorgestellt. Der CEO des GDI, David Bosshart, zeichnete in seiner Key Note auf präzise und umgreifende Weise nach, wo wir derzeit stehen in und mit der Welt. Wer sich für diese diagnostische Rundschau interessiert, kann sie in der Studie nachlesen.

GDI

David Bosshart fordert:

Entscheider müssen Räume freimachen und freihalten für Change, Serendipity, Experiment. ExperimentierFÄHIG werden ist der Anspruch der Stunde. Dafür brauchen wir die Kompetenzen.

Also experimentieren wir einmal mit der Bildung…

Denken wir doch einmal über „Uberisierung“ von Schule nach. Schule als Netzwerk von „Ermöglichungs-Plattformen“. Schule produziert und vermittelt keine Inhalte mehr sondern ist ein Forum, in dem das Produzieren, das De- und Rekonstruieren von Wissen gelernt umd vernetzt wird.

Hier kann womöglich eine Art Paradigmenwechsel ansetzen: in der Identität und im Selbstverständnis von Bildungsinstitution und Bildungsprofessionen.

Diskutieren wir doch medial und öffentlich die Anforderungen an die Bildungssysteme und an ihre Agenten, denn hier steht der Paradigmenwechsel noch immer unter „Varia“ – und wird protokollarisch weitergereicht.

Die Studie kann hier kostenlos geladen werden.

Studie „Wertewelten Arbeit 4.0“

Die Studie beleuchtet dabei das Zusammenspiel von verschiedenen Aspekten: Welche Stärken und welche Schwächen hat unsere gegenwärtige Arbeitswelt aus Sicht der Erwerbstätigen? Welche Weichenstellungen der Vergangenheit werden heute als richtig oder falsch wahrgenommen? Wo sehen die Befragten positive Entwicklungen, die gefördert werden sollten? Welchen Veränderungen stehen sie skeptisch gegenüber? Die Studie erfasst auch die intuitiven Bewertungen der befragten und kann so Auskunft über die generellen Werte- und Kulturmuster der Erwerbstätigen in Deutschland geben.

Eines macht die Studie vor allem deutlich: Die Ansprüche an Arbeit pluralisieren sich stark und das über soziodemografische Trennlinien wie Einkommen oder Ausbildung hinweg. Was für die einen wünschenswerte Zukunft ist, stellt für die anderen ein bedrohliches Szenario dar.

Nur die wenigsten Erwerbstätigen in Deutschland empfinden ihre aktuelle Arbeitssituation als ideal. Lediglich ein Fünftel der Befragten fühlt sich dem persönlichen Idealbild von Arbeit bereits nah. Knapp die Hälfte der Befragten sieht die eigene Arbeitssituation heute weit vom persönlichen Idealbild von Arbeit entfernt.

Hier geht’s zur Studie.

In Sachen Motivation

 

Was Motivation fördert – und was sie abtötet

Der Blogger Stephen Downes ist für mich eine kreative und faszinierende Informationsquelle zum Thema Bildung & Lernen 4.0. In einem seiner letzten Newsletter dokumentiert er foschule_bearbeitetlgenden Satz aus einem Gespräch mit einem Kollegen:

Essentially, intrinsic motivation exists only if there is autonomy, competence and relatedness.Worse – extrinsic motivation kills intrinsic motivation. As soon as we start getting rewards or punishments, we have lost intrinsic motivation. So, Dron says, education systems are systematically demotivating.

 

Wie sehen alternative Lernsettings aus, die die intrinsische Motivation nicht nur stärken sondern auf ihr aufbauen? Auch hier finde ich Antworten bei Downes:

The focus on the ‚4Ps‘ of creative learning:

  • Projects – We learn best when we are actively working on projects – generating new ideas, designing prototypes, making improvements, and creating final products.
  • Peers – Learning flourishes as a social activity, with people sharing ideas, collaborating on projects, and building on one another’s work.
  • Passion – When we focus on things we care about, we are likely to work longer and harder, to persist in the face of challenges, and to learn more in the process.
  • Play – Learning involves playful experimentation — trying new things, tinkering with materials, testing boundaries, taking risks, iterating again and again.

It’s as simple as that.

Und welche Lernumgebungen braucht es für dieses „neue Lernen“?

Ganz sicher wird das Klassenzimmer für solche Formen des Lernens nicht mehr funktionieren. Es braucht „Learning Landscapes“, in denen ich Strategien entwickeln kann, um in chaotischen, schwach strukturierten Umgebungen zu lernen. Dieses Lernen ist nämlich viel weniger kontrolliert, weniger zertifiziert, dafür hoch kollaborativ. Es geht um „Lernen im Chaos“ und darum, selbstständig Lernentscheidungen zu treffen, um in vielfältigen Teams anschluss- und arbeitsfähig zu bleiben. Lebenslang: It is about operating and interacting in a complex and multi-dimensional environment“.