Warum wir den Klimwandel nicht stoppen

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Warum lösen wir das Problem des Klimawandels nicht? Die einen sagen: weil die Lösungen das Problem sind, weil sie das Problem verstärken oder immer wieder hervorbringen. Andere sagen: Die Lösungen sind sogar Teil des Problems. Klären wir also, was eine Lösung ist.

Ganz wichtig: Es gibt keine richtigen und falschen Lösungen. Es gibt nur Lösung oder keine Lösung. Dass wir ein Problem falsch lösen können, diese Vorstellung kommt aus dem Mathematikunterricht. Im echten Leben ist etwas eine Lösung oder nicht. Anders als in der Schule entstehen Lösungen im wirklichen Leben nicht durch das richtige Anwenden eines richtigen Lösungswegs auf eine Aufgabe, bei der eigentlich klar ist, was hinten rauszukommen hat.

Nun lernen wir in der Schule genau diesen Umgang mit Lösungen und übertragen dieses Mindset auf das Leben. Schließlich lernen wir in der Schule fürs Leben.

Das zu lösende Problem ist also im Moment noch gar nicht der Klimawandel und wie wir ihn stoppen können, sondern unsere Vorstellung von Lösungen und wie sie zu Stande kommen. Dafür brauchen wir jetzt: eine Lösung. Die zeichnet sich, anders als in der Schule, dadurch aus, dass sie noch nicht existiert bzw. feststeht, wenn wir uns anschicken, sie zu finden. Hartes Brot.

Wir finden jetzt also zuerst eine Lösung für unser problembehaftetes Verhältnis zu Lösungsfindungen. Diese Lösung muss auf ganz andere Weise zu Stande kommen als wir bisher Lösungen suchen. Warum?

Weil: Wenn wir in Sachen Lösungsfindung weitermachen wie bisher, füttern wir dadurch unser problembehaftetes Verhältnis zu Lösungen, das davon ausgeht, dass am Ende eines irgendwo bereits bekannten richtigen Lösungswegs eine bereits bekannte, richtige Lösung nur noch hingeschrieben werden muss, während es unser Job ist, diesen Weg und die richtige Lösung zu finden.

Finden bedeutet für uns bisher, dass das, was es zu finden gibt, auf noch verborgene Weise bereits existiert wie Osternester, und wir vor der Aufgabe stehen, es zu entdecken – mithilfe richtig gelernter, richtig angewandter Lösungswege. Dafür gibt es ja auch die Punkte. Oder Ostereier.

Ostern Kinder suchen

Wirkliche Lösungen für reale Probleme werden aber nicht gefunden. Sie werden entwickelt – im jeweiligen Kontext, der kein zweites Mal genau so vorkommt. 

Was wir hingegen in der Schule (fürs Leben) lernen im Kontext von Problemen und Lösung, ist: anzunehmen bzw. davon überzeugt zu sein, dass Lösungen etwas sind, das am Beginn der Suche nach ihnen bereits existiert. Das Problem, das wir dann zu lösen versuchen, ist der Weg zur Lösung, den es anscheinend als richtigen ebenso schon gibt, wie die Lösung selbst. Das Problem ist also eigentlich schon gelöst. Es wurde für uns und zum Zweck des Erreichens einer Anzahl von Punkten, lediglich nochmals neu aufgesetzt. Das ist Aufgabe und Ziel von Pädagogik und Didaktik.

Schule macht aus dem Problem, wie wir z.B. den Klimawandel anpacken, das Problem, wie wir eine möglichst hohe Anzahl von Punkten erreichen. Im Zentrum steht jetzt die Aufgabe, die richtige Lösung zu finden, die es ja schon gibt, denn sonst könnten ja für das richtige Abschreiten des richtigen Lösungsweges zur richtigen Lösung keine Punkte geholt werden.

Deshalb kommen wir im Moment gar nicht bis zu dem Problem, den Klimawandel zu stoppen, sondern sind in diesem Mindset unterwegs, die irgendwo bereits existierende Lösung und den bekannten Weg dorthin zu „finden“, denn so haben wir in der Schule gelernt, Lösungen zu finden, und dafür bekommen wir Punkte. Und wenn wir darin versagen, also die Lösung nicht finden, sind wir täglich mehr enttäuscht darüber, keine Punkte zu bekommen und werden immer ungehaltener, dass sie nicht endlich mit den Lösungen rausrücken. #fridaysforfuture

Denn: wir gehen davon aus, dass es diese Lösung(en) und den Weg dorthin schon gibt, und dass die jemand kennt. In der Schule liegen die Lösungen ja auch irgendwo in den Schubladen. Warum sollte das also in Politik und Ökonomie anders sein, wenn es um den Klimawandel geht?

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