Wie bereiten wir uns, unsere Mitarbeitenden und die betrieblichen Abläufe auf die komplexen Herausforderungen der Digitalen Arbeits- und Businesswelt vor? Wie befähigen wir uns als Menschen und als Organisation? Wie bleiben oder werden wir entscheidungsfähig angesichts der Menge und Komplexität der Daten und Informationen? Das waren die Themen bei meinem Workshop für die Teilnehmer’innen im CAS „Strategisches Projektmanagement im Bauwesen“ an der Hochschule Luzern.

Zappa GeistAm Anfang steht für mich (immer) die Einladung, kollaborative Tools der Zusammenarbeit „hands on“ und konkret im Seminar zu erleben, indem wir damit arbeiten. Dieses Mal vor allem mit Slack und mit dem Google Drive. Die Teilnehmenden erleben 1 zu 1 die Vorteile der digitalen Tools: den Austausch von Wissen, Fragen, Erfahrungen – das synchrone Erarbeiten von Lösungen, den Zugriff auf alle relevanten Informationen und die Möglichkeiten, alles jederzeit zu bearbeiten und zu teilen.

Komplexität als alltägliches Business-Phänomen in den Griff bekommen

Zwei ExpertInnen zu „Komplexität und dem Umgang damit“, kommen während des Workshops per Video ins Spiel: Peter Kruse und Friederike Müller-Friemauth. Über das snychrone Erstellen eines Dokuments im Google Drive erarbeiten sich die Teilnehmenden einen Zugang zur „komplexen Thematik der Komplexität“ – zusammen mit mir als Seminarleiter. In diesen Prozess der gemeinsamen und jederzeit für alle sichtbaren und beeinflussbaren Konstruktion von Wissen entstehen nach und nach Einsichten und Lösungsansätze – bereits während des Seminars.

Statt mit „Case Studies“ zu arbeiten, sprich aus Vergangenem für die Gegenwart zu lernen, üben wir, aus der komplexen Gegenwart heraus zukunftsfähig zu werden. Mit den Worten von John Seely Brown: „In a world of constantly changing contexts, best practices don’t travel very well.“ Die Teilnehmenden machen ihre eigene Arbeits- und Lernwelt zum Ausgangs- und Zielpunkt der Prozesse, was ja auch sinnvoll ist, weil es ihre eigenen Herausforderungen sind, die sie zu bewältigen haben. Übrigens können bei diesem Vorgehen jederzeit weitere ExpertInnen quasi „life“ und von überall her digital zum Prozess zugeschaltet werden: Mitarbeitende, die wichtige Beiträge leisten können, auch wenn sie gerade nicht am Seminar teilnehmen sondern „im Dienst“ sind. Es können auch ganze Seminargruppen (z.B. aus anderen oder parallelen Studiengängen) phasenweise in einen „digitalen Diskussionsraum“ eingeladen werden bzw. in die Entwicklung eines Dokuments auf Google Drive eingeladen werden. Im Handumdrehen.

Das mittlerweile sattsam bekannte VUCA Phänomen (siehe Grafik unten) kann so nach und nach auf konkrete Arbeits- und Lern-Situationen hin heruntergebrochen und mit ganz viel wertvollem Erfahrungswissen vernetzt werden. Die Teilnehmenden verknüpfen ihre Erfahrungen aus ihrem betrieblichen Alltag gegenseitig und mit dem theoretischen Modell:

Bildschirmfoto 2019-04-11 um 14.15.58

 

Ein „Neues Lernen“ soll Einzug halten in die betriebliche Welt. Welche Fragen haben wir an diese Prozesse?

Was wir wissen wollen

Die Fragen der Teilnehmenden zum „Lernen im Digital Age“ sind zahlreich und fundamental.

Wo fangen wir an, wenn wir uns selbst, wenn wir Mitarbeitende und die Organisation befähigen wollen im wertschöpfenden Umgang mit Komplexität? Stellt das Internet mit seinen unendlichen Möglichkeiten womöglich alles auf den Kopf, was wir bisher über das Lernen gelernt haben? Wie lernen wir, uns in dieser Komplexität auszukennen und sie nutzbar zu machen?

Mein Vorschlag an die Kursteilnehmenden war: Lassen Sie uns bei uns selbst anfangen und bei der Frage, in welchen Situationen wir „Lernen“ positiv erlebt haben:

IMG_2308

Die Ergebnisse dieser biografisch ausgerichteten Reflexionsphase sind beeindruckend. Gefragt, welche typischen Eigenschaften das gute und nachhaltige Lernen begleiten, kamen diese Charakteristika zusammen:

IMG_2314

Wenn wir also im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung und des Learning & Development Menschen gewinnen möchten, sich proaktiv auf die Achterbahnfahrt einer sich digitalisierenden Ökonomie einzulassen, wenn wir Fahrt aufnehmen wollen in Richtung digitaler Kompetenz, dann zeigen die Begriffe oben ganz klar, von welcher Qualität diese Prozesse in Zukunft sein müssen.

Besonders wirkungsvoll und nachhaltig erweisen sich dafür Konzepte des Social WoBildschirmfoto 2019-04-11 um 14.54.59rkplace Learning. Deshalb habe ich den Teilnehmenden einen Einblick in die Corporate Learning Comunity gegeben, die im deutschsprachigen Raum die heißen Eisen und Themen der „New Work“ aufgreift und in einer neuen Kultur der Kollaboration über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg konsequent weiter entwickelt. Wer die Aktivitäten dieser Community in den Sozialen Netzwerken aufmerksam verfolgt, bekommt eine Ahnung von der positiven Kraft und von der Nachhaltigkeit echter Kollaboration. Ganz aktuell bietet Simon Dückert am 12. April 2019 einen Sprint zu einem sehr interessantes Toolset für selbstgesteuertes Lernen (genannt LernOS) an, das sich für betriebliche Umgebungen sehr gut eignet.

Und wie umschreiben wir jene Digitale Kompetenz, um die es dabei geht?

Da könnten wir jetzt einzelne Fähigkeiten („Skills“)  aufzählen, die es braucht, um die ganze Palette der Digitalen Lern- und Arbeitswelt abzudecken. Ich bevorzuge einen anderen Weg und entscheide mich für fünf Kompetenzen, die in der Lage sind, einzelne Fähigkeiten zu bündeln und an eine Haltung zu binden, wie das folgende Chart zeigt:

IMG_2319

Wenn ich mich der gewaltigen Herausforderung einer Digitalen Lern- und Arbeitswelt auf diese Weise nähere, wird schnell klar, dass wir als Menschen und Organisationen in erster Linie neue Haltungen entwickeln werden. Das technische Knowhow ist dann schnell erworben. Unsere Lern- und Arbeitsumgebungen werden sich so radikal verändern, dass wir sie nur mit einem neuen Mindset wirklich begreifen und uns adäquat in ihnen bewegen können.

Wie solche Prozesse in einer neuen Kultur durchgeführt werden können, das ist eines der Ziele jener kollaborativen Communities die sich im Moment immer stärker vernetzen, wie z.B. auch in der Working Loud Community.

Wenn Sie sich für solche neuen Formen des Lernens und der Vernetzung interessieren, wenn Sie diese neue Kultur life miterleben und mitgestalten möchten, dann sind Sie ganz herzlich eingeladen zu unserem Barcamp #Initiate19 am 7. Juni 2019 im Tram Museum in Zürich, wo wir einen Tag lang gemeinsam an Wegen für mehr Partizipation in Meetings, Trainings und Konferenzen arbeiten. Hands on.

Bildschirmfoto 2019-03-27 um 16.50.32

Hier können Sie sich anmelden

und

hier erfahren Sie wie ein Barcamp funktioniert.