Schluss mit Disneyland. Das Abenteuer findet woanders statt

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Je brutaler die Veränderung, die ansteht, umso bizarrer die Ausreden, der Widerstand, die Ablenkung, das Abwinken. Das erleben wir gerade im Zusammenhang mit der Digitalen Transformation besonders stark. Warum ist das so?

Die Wirklichkeit, aus der wir alle kommen, wurde in unseren Tageszeitungen und in deren Inhaltsverzeichnis abgebildet: Politik, Sportteil, Wirtschaftsteil, Internationales. Und was da jeweils drin stand, das war die Welt, wie sie war. Maximal filtriert durch die Redaktionen, sprich: durch die Produktionsprozesse von Wissen. Wirklichkeit war (und ist für sehr viele bis heute) das, was uns „die Zeitung“ zeigt. Interpretation inbegriffen, denn schon die Auswahl dessen, was sie uns zeigen und was nicht, ist eine massive Interpretation. Wie in den Geschichtsbüchern, die eine völlig andere Wirklichkeit abbilden, abhängig davon, wer in ihnen z.B. (über) den Zweiten Weltkrieg erzählt: Die Sieger oder die Verlierer.

Genau gleich verfährt die Schule: Sie packt das, was sie für relevant hält, in Fächer und vermittelt es im Lektionentakt. Sie entscheidet damit, was zur Wirklichkeit gehört und was nicht. Oder auch das klassische Fernsehen: Die Kanäle, wie wir sie nannten, hatten ja auch die Aufgabe, Wirklichkeit und Welt zu kanalisieren. In Unterhaltung, in Information und in Bildungsfernsehen. Auch hier gilt: Nur was gezeigt wird, findet statt in der Welt der Zuschauer’innen. Oder denk an deine Buchhandlung, wo die literarische Welt ebenfalls in Abteilungen eingeteilt ist: Hier die Romane, da die Sachbücher, die Kochbücher, die Ratgeber – von A bis Z.

Am Beckenrand sitzen bleiben oder Schwimmen lernen

Das Ziel von all dem: Andere reduzieren die Komplexität der Welt für mich, um den Preis, dass ich das als Wirklichkeit akzeptiere, was die Gatekeeper zu mir durchlassen – eine andere Wirklichkeit gibt es dann nicht. Das Gerede von den Bubbles und den Blasen, die durch das Internet produziert werden, ist also Augenwischerei. Vielmehr kommen wir aus einer Kultur der Blasen. Wir kannten die letzten 100 Jahre nichts anderes.

Jetzt haben wir das Internet mit seiner grenzenlosen inhaltlichen Vielfalt und mit seinen grenzenlosen Möglichkeiten, selbst zu bestimmen, zu handeln, aktiv zu werden, Einfluss zu nehmen – auf was auch immer: politisch, kulturell, ästhetisch, sozial, ökonomisch. Jetzt könn(t)en wir Schwimmen lernen – oder weiterhin am Beckenrand sitzen und maulen.

Weil wir aus der alten Welt kommen, sind wir mit der grenzenlosen Verfügbarkeit maßlos überfordert und schreien wie wild nach den Bademeistern: nach dem Alten, dem Sortierten, nach der richtigen Auswahl. Wir (a)gieren danach, dass jemand Klarheit in die Kiste bringt. Wir schreien nach den alten Gatekeepern: dass die endlich ihre Arbeit richtig machen sollen und die Wirklichkeit sortieren, und für uns die richtigen Entscheidungen treffen: die Politiker, die Unternehmer, die Schulen. Aber diese Zeiten sind vorbei. Jetzt sind wir dran. Jede und jeder einzelne. Mit einem nie gekannten Höchstmaß an Selbststeuerung und Selbstermächtigung. Das ist die Herausforderung der Stunde.

Das neue Spiel

Alles, was wir dazu brauchen, ist Strom, Internetzugang und ein Device. Jede und jeder von uns. Der Rest ist Expedition & Vernetzung. Nur so lernen wir die Neue Welt kennen, die uns bereits heute zur Verfügung steht – in der wir uns bewegen, ohne dass es die meisten von uns realisieren würden. Wir haben es in der Hand – jede und jeder einzelne von uns: ob wir weiterhin abhängig sein wollen von dem, was uns andere als Wirklichkeit verkaufen – oder ob wir selbst entscheiden.

Bildschirmfoto 2018-07-26 um 13.28.25Das bringt uns niemand bei. Keine Zeitung, kein Unterricht, kein Kurs und kein Buch. Im Gegenteil: Die alten Gatekeeper werden weiterhin alles daran setzen, dass du abhängig von ihnen bleibst und dir sagen, wie sehr du sie brauchst, um diese Welt zu verstehen – denn auch sie wollen überleben. Vor allem die Bildungsanbieter, die Verlage, die Medienhäuser und die großen sozialen Plattformen. Sie alle leben von der Erkenntnis, dass Information Macht bedeutet und sehr viel Geld.

Wir können den Spieß jetzt umdrehen. Denn alles Wissen und alle Erfahrung liegen kostenlos im Internet rum. In jeder erdenklichen Form. Und wie du Schwimmen nur schwimmend lernst und Sprechen nur sprechend, Singen nur singend und Laufen nur laufend, so lernst du das Internet und sein gewaltiges Potenzial nur nutzen indem du es nutzt.

Ich garantiere dir: Du wirst auf den ersten 100 Metern Internet bereits eine Menge spannender Leute kennenlernen, die mit dir unterwegs sind.

Time to go.

Veröffentlicht von

Christoph Schmitt

Culture & Mindset Worker, Blogger, Ressourcenklempner, Coach, Ethiker, Rituals Expert. Ich unterstütze kleine & große Unternehmen beim "Digital Turn" - spezialisiert auf die Themen Mindset & Kultur. Systemisch & lösungsfokussiert. Ich coache Menschen in spannenden Entwicklungsphasen und begleite in einschneidenden Lebensmomenten durch die Gestaltung von Ritualen.

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