Jetzt legt mal das Tablet wieder weg, Kinder.

Wenn Schulen und Lehrer*innen über Digitalisierung sprechen, dann meinen sie den skuzessiven Einbau digitaler Technologie in das bestehende System. Tablets & Co als didaktisch-methodische Hilfsmittel. Pädagogische Hochschulen legen umfangreiche Weiterbildungen und Kurskonzepte auf, um Lehrpersonen bei diesem Einsatz zu unterstützen. Es entstehen Wartelisten. Schulleitungen müssen entscheiden, wer aus ihrem Kollegium die Kurse besuchen darf, weil die Nachfrage groß ist.

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Allein diese Anekdote aus dem Artikel des Tagesanzeigers weist auf das fundamentale Missverständnis hin, das sich in pädagogischen Kreisen festgesetzt hat im Zusammenhang mit der Digitalen Transformation. Da fahren wir nach Zürich, setzen uns in einen Seminarraum und lassen uns das Digitalding zeigen und erklären. Dann fahren wir zurück in unsere Schule und zeigen und erklären es den Kleinen. Finde den Fehler.

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Ein Gynmasiallehrer aus der Zentralschweiz weist mein „pauschales Schul-Bashing“ mit der Einladung zurück, doch mal wieder den Unterricht an seiner Schule zu besuchen, dann würde ich schon sehen, dass sie längst mit diesen Geräten arbeiten und sogar ein neues Fach eingeführt haben. Finde den Fehler.

Digitalisierung ist nicht dasselbe wie Digitale Transformation. Digitalisierung hat längst stattgefunden. Überall und durchgehend. Jetzt transformieren sich unsere kulturellen Systeme digital. Das ist gemeint, wenn von Internet of Things, von Künstlicher Intelligenz, von New Work, von Agilität, von radikalen Veränderungen der Arbeitsmärkte gesprochen wird. Von völlig neuen Berufsbildern und davon, dass wir uns in dieser dynamischen Entwicklung völlig anders bewegen, bilden, orientieren und ernähren werden. Radikal anders kommunizieren, uns fortbewegen, das Zusammenleben gestalten.

Von alldem ist in Schulen und Hochschulen nichts zu spüren oder zu sehen.

Es geht bei der Digitalen Transformation nicht um das Einführen digitaler Geräte in den Unterricht. Es geht nicht um das nächste Fach und Curriculum. Es geht vielmehr darum, mit Schule aufzuhören. Mit Beschulung, Unterrichten, Wissensvermittlung.

Schulen bewegen sich, wenn sie überhaupt „auf Digitalisierung machen“, auf der Ebene der Substitution des bekannten SAMR-Modells, wie die Aussage einer Lehrerin im Artikel des Tagesanzeigers sehr schön zum Ausdruck bringt: „Das Tablet sei aber nicht immer auf dem Pult. ‚Wir legen es weg wie jedes andere Schulbuch auch.‘“.SAMR

Das Tablet-Projekt, über das im Artikel berichtet wird, ist ein wunderbares Beispiel für diese aufwändige und teure Integration digitaler Technologien in bestehende Strukturen und Kulturen, ohne letztere wirklich in einen Prozess der Digitalen Transformation zu bringen.

Da werden hier und da auch e-assessments eingeführt, in ganz seltenen Fällen kommt „Flipped Classroom“ zum Einsatz – doch auch hier wird eigentlich nie von einem „functional improvement“ gesprochen, sondern von „unerträglichem Mehraufwand“. Die Plausibilität und Überzeugung für den Nutzen und die Nachhaltigkeit solcher Entwicklungen wird nach wie vor bandbreit in Frage gestellt – von „Augmentation“ keine Spur.

Das grundlegende Missverständnis liegt im Mindset, das im Moment nicht nur nicht in Bewegung kommt, sondern durch die bevorstehende Integration Digitaler Spielzeuge in die Gewächshäuser des Lernens mit Sicherheit nochmals neue Nahrung erhält, wie die Folie von Anja C. Wagner wunderbar zeigt:

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Kontext: https://twitter.com/hashtag/hhsbarcamp?src=hash

Es ist allerhöchste Zeit, das Lernen und die Bildung aus dem Schulsystem zu befreien, diesen Mief hinter sich zu lassen – und ganz neue Wege zu erfinden, indem wir sie gehen.

Veröffentlicht von

Christoph Schmitt

Culture & Mindset Worker, Blogger, Ressourcenklempner, Coach, Ethiker, Rituals Expert. Ich unterstütze kleine & große Unternehmen beim "Digital Turn" - spezialisiert auf die Themen Mindset & Kultur. Systemisch & lösungsfokussiert. Ich coache Menschen in spannenden Entwicklungsphasen und begleite in einschneidenden Lebensmomenten durch die Gestaltung von Ritualen.

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