Die Bildung wandert aus. Eine Prognose für 2018

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Graffiti in Lissabon

Was wird sich 2018 im Bereich von Schule und Bildung abspielen? Wie wird sich der Bildungsmarkt entwickeln? Hier die Prognose: Wir werden Zeuginnen und Zeugen einer großflächigen Auswanderung der Exzellenz aus dem staatlichen Schulsystem. Aber eins nach dem anderen:

Der Grund, warum Eltern ihre Kinder bis heute in höhere Schulen schicken, wird in Bälde wegfallen. Im Moment wird dieser Exitus bereits für jene Berufe spürbar, die sich rund ums Lernen neu formieren. Negativ konnotiert könnten wir von „Lehrermangel“ sprechen. Nicht dass immer mehr Menschen diesen Beruf verlassen, aber immer weniger ergreifen ihn. Hier ein Video, das die Situation schildert. Positiv formuliert liest sich das so: Es entwickeln sich in den nächsten Jahren Berufe, die wir nicht mehr als „Lehrer“ bezeichnen, und die sich auch anders ausbilden.

Dieser Trend wird sich verstärken: Die neuen Lernbegleiterinnen und Lerncoaches finden sich über die Digitalen Netzwerke. Sie verbinden sich digital und machen ihre wertvolle Arbeit mit lernenden Menschen digital sichtbar. Menschen, die daran interessiert sind, mit anderen zusammen kreative, lebendige und nachhaltige Lernprozesse zu gestalten – und das im Sinne einer Berufung, werden sich nicht mehr für den Beruf des Lehrers entscheiden.

Flankiert wird diese Entwicklung durch zwei einflussreiche Phänomene der Gegenwart: Zum einen bieten sich in den letzten Jahren immer mehr hochwertige digitale Bildungsformate an, die zum anderen von immer mehr Unternehmen als Alternativen zu Angeboten aus der klassischen Weiterbildungsecke bevorzugt werden. Dieser Trend wird sich 2018 noch einmal verstärken, denn die digitalen Anbieter (udacity, edX, coursera & Co) sind agil und flexibel, ihre Angebote können restlos in die Lebens- und Berufsrealitäten integriert werden, ihre Wirksamkeit ist unmittelbar erfahrbar, und die Kosten machen nur einen Bruchteil dessen aus, was sich Hochschulen für MAS & Co bezahlen lassen. Und in all dem sind die digitalen Anbieter Vorbilder für schlaue StartUps, die schon an der Disruption dieser Pioniere werkeln – während die Damen und Herren Lehrer auf Zeugniskonferenzen an Noten auf zwei Stellen hinterm Komma basteln.

Nicht nur der Preis stimmt – auch die Qualität

Von großem Vorteil für lernende Menschen ist also, dass die neuen, digitalen Formen und Wege des Lernens und der Bildung sehr erschwinglich sind. Sie sind im Gegensatz zu privaten Schul- und Weiterbildungseinrichtungen lächerlich günstig und um ein Vielfaches effizienter und effektiver. Aber auch die Qualität stimmt: Fast hinter jedem derzeit verfügbaren, qualitativ hochwertigen digitalen Bildungsangebot steckt eine renommierte internationale Hochschule (die konsequent nicht im D-A-CH Raum beheimatet sind, der diese Entwicklungen hochmütig verschläft). Die reale digitale Konkurrenz hat eine Menge digitaler Erfahrung mit diesen neuen Lernmedien und Lernformaten im Gepäck, die eigentlich nicht mehr einzuholen ist: Wer sich heute als klassischer Bildungsanbieter entscheidet, ohne Vorerfahrung ins Digitale Bildungsdesign einzusteigen, zahlt erst einmal jenes Lehrgeld, aus dem andere schon längst Profit schlagen.

Ich fasse zusammen: 2018 werden sich sowohl Lehrende als auch Lernende zunehmend aus den trägen, staatlichen Bildungssystemen hinaus bewegen, dorthin, wo digitales Bildungsdesign jenes Lernen ermöglicht, das den Herausforderungen der Digitalen Transformation nicht nur entspricht, sondern ganz selbstverständlich aus ihr hervorgeht. Das ist der wichtigste Trend überhaupt: Die Digitale Transformation erschafft aus sich selbst heraus jenes Bildungsdesign, das ihr entspricht. Der Rest verpufft. 2018 wird sich diese Entwicklung massiv verstärken und auf den Non Profit Sektor bzw. auf die Schulbildung übergreifen.

Das besonders Erfreuliche an dieser Entwicklung (und zugleich die größte Kränkung für das klassische Bildungssystem) ist: Der neue Bildungsmarkt, der hier im Entstehen ist, wird auf die Dauer ein kollaboratives Phänomen sein. Menschen finden auf ihm neue Rollen, Aufgaben und Funktionen, die nicht mehr jenen Eindeutigkeiten entsprechen, die noch im klassischen Bildungssystem gelten: Hier der Lehrer, dort der Schüler. Lernen im Digitalen Netzwerk-Zeitalter ist „Lernen voneinander“. Es ist hoch autonom und selbstgesteuert, dabei stark vernetzt mit anderen LernpartnerInnen. Das macht die neue Wirksamkeit digitaler Bildungsarbeit im Kern aus. „Lehren“ im bekannten Sinne kommt in diesen Strukturen und Prozessen nicht mehr vor.

Verlierer werden nicht die sein, die wir gerne hätten

Gerade weil die staatlichen Bildungssysteme diese Entwicklungen konsequent verleugnen und dagegen blockieren, werden sie systematisch ausdünnen. Übrig bleiben werden dabei in keiner Weise jene, denen dieses System Bildungsferne oder -schwäche diagnostiziert, sondern jene, die auf Sicherheitsdenken setzen. Auf der Anbieterseite sind das Menschen, die risikoarme Berufe mit hoher materieller Absicherung suchen. Auf der Kundenseite (Schüler und ihre Eltern) sind das Menschen, die den Tellerrand mit dem Horizont verwechseln. Das ist nun aber kein Proprium „bildungsferner“ Schichten. Das zieht sich vielmehr hinauf bis in die Führungsetagen unserer Ökonomie und Politik. Der Riss wird zukünftig nicht zwischen bildungsnah und bildungsfern verlaufen. Diese Parameter sind nämlich selbst eine Erfindung des zu Ende gehenden Bildungssystems. Hier ein Video, dass die Gründe dafür aufzählt.

2018 wird ein spannendes Jahr für jene, die den Mut haben, sich mit anderen zusammen auf den Weg in eine neue Bildungswelt zu machen. Alles andere liegt im Digital Age schon bereit!

Nachzulesen in diesem brandneuen und ausgezeichneten e-book von Anja C. Wagner und Angelica Laurençon:

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Veröffentlicht von

Christoph Schmitt

Culture & Mindset Worker, Blogger, Ressourcenklempner, Coach, Weiterdenker, LinkedIn Top Voice. Ich unterstütze kleine & große Unternehmen beim "Digital Turn". Spezialisiert auf die Themen Mindset & Kultur. Systemisch & lösungsfokussiert. -> enabling people & organizations to bring digital & analog learning together

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