Kehraus.

Bildschirmfoto 2017-10-12 um 09.36.06Wir betrügen die junge Generation um ihre Zukunft mit der Begründung, sie darauf vorzubereiten. Wir verweigern ihnen die dringend benötigten Kompetenzen für die Gestaltung ihres Lebens und ihrer Gesellschaft in der Zukunft. Dadurch, dass wir konsequent und unbeirrt an einem nutzlosen Bildungssystem festhalten, verweigern wir ihnen auf der ganzen Linie die Perspektiven auf eine Zukunft, die so radikal anders sein wird als das Gestern und das Heute. Weil wir uns das nicht vorstellen können, weil wir in unserem Mindset festsitzen, vergeuden wir die Lebenszeit der kommenden Generation.

Und wir tun es mit Verve. Wir zelebrieren es. Wir sorgen jeden einzelnen Tag dafür, dass alles so bleibt, wie es ist. Vor allem in der Bildung. Wir kümmern uns nicht. Wir informieren uns nicht. Wir halten stattdessen in zweierlei Hinsicht am Alten fest. Erstens soll das Alte bleiben: Lehre, Besserwisserei, Bulimie-Pädagogik, Vermittlungsdidaktik, Reproduktion bestehender Verhältnisse. Malen nach Zahlen. Engstirnig und ums eigene Überleben im System besorgt, gefangen in der Vorstellung von der eigenen Unverzichtbarkeit. Überzeugt davon, dass der neue Wein unter allen Umständen in die alten Schläuche muss. Komme, was da wolle.

Zweitens: Wir halten nicht nur das Alte fest. Wir halten uns an ihm fest, wie sich die Passagiere der untergehenden Titanic an allem festgehalten haben, was in Griffweite war. Wir realisieren nicht, wie sinnlos es ist, sich in Überlebenshoffnung an etwas festzuhalten, das selbst im Untergang begriffen ist. Darum tun wir es.

Und wie sollen Menschen in so einer Haltung jungen Menschen Lust auf eine Reise machen können, die Zukunft heißt? Gar nicht.

Das ist eine bedeutsame Verantwortungslosigkeit. Der Verrat an der nächsten Generation ist auch ein Verrat an so vielen dringend zu ergreifenden Chancen, die wir dem Planeten schulden: Lösungen in den weltweiten Migrationsfragen, der geopolitischen und regionalen Neuordnungen, der ökologischen Radikalwende, der Erfindung neuer ökonomischer Systeme, der Entwicklung tragfähiger sozialer Konzepte für unser Zusammenleben: Partizipation. Ganz zu schweigen von den radikalen Veränderungen, die durch die Digitalisierung in all diesen Bereichen bereits am Anheben ist: Das Verschwinden von Arbeit, die Entstehung und Vernetzung digitaler Intelligenzen.

Diese Agenda ist mit dem Mindset, an dem unser Bildungssystem auf allen Ebenen und in allen Formaten so unbeirrt festhält, nicht nur nicht zu schaffen. Wir verhindern durch unsere mal weinerliche, mal polternde Ignoranz eine entsprechende Bildung und Ausbildung. Wir verhindern, dass sich ein Geist der Vernetzung und der Kollaboration entwickeln kann, der die Grundlage für das Lösen all jener Herausforderungen ist, die wir konsequent vertagen.

Wir sind das Problem, zu dessen Lösung wir antreten.

MerkenMerken

MerkenMerken

Advertisements

Autor: Christoph Schmitt

collaboration coach & learning engineer. swiss based, exploring the planet(s) for better education, in love with creative knowledge working www.bildungsdesign.ch -> enabling people & organizations to bring digital & analog learning together -> building the bridges between fields & professions of education -> to help teachers teach & learners learn

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s