Bildung in der digitalen Zukunft: Jetzt wird’s ganz konkret!

haende

Buzzwords bevölkern den Äther. Key Notes fliegen uns um die Ohren. Aber Entwicklungen finden keine statt. Weil sich das Bildungssystem nicht verändert, wird es nach und nach ersetzt durch Alternativen. Warum machen Schulen und Hochschulen nicht mit? Weil ihre beiden Hauptmerkmale in Zukunft nicht mehr gefragt sind: Pädagogik und Didaktik. Das ist richtig dicke Post. Begründet wird diese Entwicklung an anderer Stelle ausführlich. Mir geht es jetzt um die Frage: Was kommt auf uns zu?

Ich werde immer wieder gefragt: „Wie sehen denn Bildung und Schule in Zukunft aus? Skizzieren sie mal was! Werden sie konkret!“ Nun: Einerseits gibt es die Alternativen schon. Es gibt sie digital (udacity, coursera, edX & Konsorten), und es gibt sie analog. Alternative Lernprojekte schießen wie Pilze aus dem Boden, wie jüngst wieder zu lesen war: Freie Schulen sind massiv im Kommen.

In diesem Artikel zeige ich jetzt, was erfolgreiche Bildung in Zukunft auszeichnet. Und noch einmal: Es geht nicht um die Frage, ob wir das so wollen oder nicht. Es geht nur um die Frage, wie wir das gestalten.

Here we go:

Es gibt keine Fächer mehr

In Zukunft gibt es thematische Schwerpunkte und Anliegen, um die herum sich Interessierte gruppieren, mit dem Ziel, Lösungen zu erarbeiten. „Fächer“ sind dabei nur hinderlich. Lernen bedeutet reale Probleme lösen. Deshalb arbeiten lernende Menschen in Projekten. Bedarfs-, ergebnis- und produktorientiert. Ausschließlich an echten Themen.

Es gibt keine Klassen mehr

Projektgruppen formieren sich altersdurchmischt (abteilungs-, firmen- oder branchendurchmischt) anhand von aktuellen, relevanten Themen, selbstgewählten Aufgaben und Projekten. Sie haben immer ein bedarfsorientiertes Ziel, das selbstformuliert ist. Sie sind „Kreise“ im Sinne von Holacracy. Sie arbeiten als „communities of practice“. Selbstorganisiert und hierarchiefrei. Die Arbeitsform ist kollaborativ. Die Gruppen lösen sich nach Projektabschluss auf.

Es gibt keinen Unterricht mehr

Unterricht ist immer fremdgesteuert. Lernen immer selbstgesteuert. Deshalb sind alle Lernprozesse in Zukunft strukturell selbstorganisiert. Lernen und Bildung sind nicht mehr institutionell. Lernende Menschen finden sich zu Projektgruppen zusammen. Sie organisieren, erschaffen und benutzen die Infrastruktur, die sie benötigen. Das Ressourcenmanagement ist selbstorganisiert, auch bezüglich der benötigen Informationen.

Es gibt keine Jahrgänge mehr

Menschen lernen voneinander. In jedem Alter. Altersdurchmischung vereinfacht und garantiert das Hineinwachsen in Selbstorganisation und Selbstverantwortung. Unterschiedliche Formen und Stufen der Kompetenzentwicklung inspirieren, ergänzen und skalieren sich gegenseitig.

Es gibt keine Prüfungen mehr

Es gibt vielfältige, an den jeweiligen Projekten und ihrem Bedarf ausgerichtete Formen der Dokumentation und der Präsentation im Sinne von „Auswertungen“. Menschen lernen sich selbst in Prozessen kennen und einschätzen. Sie holen sich über „appreciative inquiry“ Feedback, um die eigenen Entwicklungsprozesse zu gestalten, zu reflektieren und zu steuern. Leistungen werden kollaborativ erbracht. Individuelle Kompetenz & Expertise wird in selbstorganisierten, digitalen Portfolios dokumentiert.

Es gibt keine Noten mehr

Es gibt selbstgesteuerte (!) Feedback-Systeme, die mir ermöglichen, Selbst- und Fremdeinschätzung für meine eigene Entwicklung (mit zunehmendem Alter auch „Professionalisierung“) zu nutzen: Stärkenorientiert, potenzialorientiert, bedarfsorientiert. Bedarfe und Bedürfnisse zu erkennen, einzuschätzen und zu vernetzen, ist eines der wichtigsten Anliegen dieser Prozesse.

Es gibt keine Lehrpläne mehr

Den Prozessen sind keine Inhalte vorgegeben. Ziele werden in offenen Formen an Kompetenzen ausgerichtet und festgemacht. Das „Curriculum 4.0“ (zugleich Leitbild der Organisation) reduziert sich auf sieben Fragen:

a.    Was wollen wir erreichen

b.    Warum wollen wir es erreichen?

c.    Wie wollen wir es erreichen?

d.    Was müssen wir dazu können?

e.    Wie kommen wir dazu, das zu können?

f.     Wie sieht Hilfe dafür aus?

g.    Wie holen wir uns die?

 

Es gibt keine Lehrer mehr

Didaktische und pädagogische Expertise sind nicht mehr gefragt. Gefragt sind Kompetenzen in den Bereichen systemisch-lösungsorientierter und sozialer Beratung, Meditation, Gestaltpsychologie, gewaltfreie Kommunikation, Moderation und TZI-Gruppenleitung.

Es gibt kein Papier mehr

Das Informationsmanagement ist digital. Es gibt keine pädagogisch-didaktischen „Lehrbücher“. Alles ist open source. Papier findet nur als kreative Materie statt.

 

Lernen findet in Zukunft (wieder) ohne pädagogisch-didaktische Zwischenwirte statt. Menschen in jedem Alter entwickeln ohne pädagogisch-didaktische Umwege die Kernkompetenzen des 21. Jahrhunderts.

Eine spannende Vertiefung des Themas finden Sie im Sommerinterview mit Gunnar Sohn und Christoph Schmitt.

Advertisements

Autor: Christoph Schmitt

collaboration coach & learning engineer. swiss based, exploring the planet(s) for better education, in love with creative knowledge working www.bildungsdesign.ch -> enabling people & organizations to bring digital & analog learning together -> building the bridges between fields & professions of education -> to help teachers teach & learners learn

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s