Wenn du nochmal drückst, kommt der Lift schneller. Ehrlich!

Pavlovs-dogs

Handeln hat ja immer Konsequenzen.

In der Erziehung und in der Bildung werden wir darauf getrimmt, dass ein bestimmtes Handeln bestimmte Konsequenzen nach sich zieht (vulgo: „hat“). Auch das Unterlassen. Auf diese Weise kommt das kausale Denken in uns. Eigentlich das monokausale Denken.

Wenn du das tust, oder lässt, dann „geschieht“ jenes. Strafen funktionieren so. Zumindest in der Erziehung. Das macht sie vorhersehbar und damit handhabbar. Und darauf kommt’s im Leben an. Eine Erklärung ist mehr wert als 1000 Erklärungen. Dieses Prinzip heißt „Komplexitätsreduktion“.

Wenn das einmal in uns Wohnung genommen hat, beginnen wir systematisch damit, uns die Welt auf diese Weise zu erklären. Nicht weil die so ist oder funktioniert, wie wir sie erklären, sondern weil wir einfache Erklärungen brauchen. Sonst drehen wir ab. Irgendwann. Recht bald eigentlich. Es braucht nicht viel, und wir laufen mit dem Gefühl durch die Welt, alles sei so schrecklich kompliziert. Da helfen dann nur noch: einfache Erklärungen.

Die haben etwas Magisches. Wenn die Fußgängerinnenampel nicht innert nützlicher Frist (über die ja unsere aktuelle Befindlichkeit befindet) grün signalisiert oder wenn der Lift nicht kommt, dann drücken wir einfach noch Mal.

Total verallgemeinert könnte ich sagen: Das meiste, was in unserem unmittelbaren Umfeld geschieht, bringen wir ganz selbstverständlich mit uns und unserem Handeln in Verbindung. Mit dem, was wir tun und nicht tun. Wir unterstellen uns tatsächlich pausenlos einen Einfluss: Weil wir etwas getan haben oder nicht, kuckt uns der so an und die nicht, stecken andere die Köpfe zusammen und macht ein Vierter ausgerechnet jetzt wieder genau das – oder eben das gerade nicht.

Das ist natürlich alles Quatsch. Reine Magie.

Andererseits: Alles, was kurz hinter der Grenze unserer unmittelbaren Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsschwelle passiert, das hat mit uns und unserem Handeln dann nichts mehr zu tun. Flüchtlingsströme, Eisbergschmelzaktionen, Überschwemmungen, tote Korallenriffe. Ich bitte Sie!

Der gute alte Ashby meinte mal, „dass ein System, welches ein anderes steuert, umso mehr Störungen in dem Steuerungsprozess ausgleichen kann, je größer seine Handlungsvarietät ist. Eine andere Formulierung lautet: Je größer die Varietät eines Systems ist, desto mehr kann es die Varietät seiner Umwelt durch Steuerung vermindern.“

Scheiße, ist das kompliziert. Aber geil.

Je mehr ich in der Lage bin, Komplexität (auch die eigene) und Zusammenhänge zu durchschauen, um so größere Einflussmöglichkeiten habe ich – auf alles und noch mehr. Umgekehrt: Je einfacher ich gestrickt bin, umso weniger kann ich tatsächlich beeinflussen. Ich kann dann zwar möglicherweise Präsident der USA werden, kriege aber anschließend  nichts gebacken und brauche immer jemanden, der mir die Welt erklärt.

Mit möglichst einfachen Erklärungen: Warum alles so ist, wie es ist, und wie es dazu kommen konnte. Was die Lügenpresse damit zu tun hat und die Rechte, die Linke, die Migranten, die Frauen, die Schwulen. Die Politiker, die Digitalisierung, der Chef.

Das ist übrigens auch die Ursache dafür, wenn sich so gut wie nichts ändert in deinem Leben: Weil du es so gut wie immer auf zwei bis drei deiner Lieblingsalgorithmen reduzierst.

So ein Schwachsinn, nicht wahr?

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Autor: Christoph Schmitt

collaboration coach & learning engineer. swiss based, exploring the planet(s) for better education, in love with creative knowledge working www.bildungsdesign.ch -> enabling people & organizations to bring digital & analog learning together -> building the bridges between fields & professions of education -> to help teachers teach & learners learn

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