Warum wir auch in Zukunft eine Unterschicht brauchen. Eine Polemik.

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Der Physiker Michio Kaku geht davon aus, dass vor allem repetitive Jobs in Zukunft nicht mehr von Menschen erledigt werden, sondern von Robots. Diese These erklärt er hier im Video. Ich hingegen vermute, dass vor allem die repetitiven Jobs bleiben werden. Die Leute werden einfach nicht mehr dafür bezahlt.

Ich vermute das, weil sich Kultur immer viel, viel langsamer verändert als Technik oder Organisation oder Abläufe. Unsere Kultur baut vor allem auf einem „Oben-Unten“-Gegensatz auf, der im Moment alles andere als kleiner wird und der das Ganze trägt: White und blue collar, Gymnasium und Hauptschule, Arbeit und Hartz 4, Frauen und Männer, Ansässige und Geflüchtete, Lehrer und Belehrte, Gewinner und Verlierer, und so weiter und so fort. Der Rassismus hat für mich eine ähnliche Funktion. Es gibt immer diesen Gegensatz. Anders kennen und können wir Kultur nicht. Sie gebiert diesen Gegensatz und teilt die Menschheit ein und auf. Bis hinein in die Stadt- und Wohnviertel, und erst recht in die Regionen der Welt. Wo die einen wohnen, wohnen die anderen nicht – außer es gibt genug kulturelle Abgrenzungsrituale („Zäune“).

Deshalb vermute ich, dass unsere Kultur an dieser Unterscheidung so lange wie nur möglich festhalten wird. Nicht zuletzt deshalb, weil das Meiste, was wir im Moment und auch in Zukunft tun, im Innersten davon geprägt und angetrieben ist, „nicht zu denen gehören zu müssen“, „nicht abzusteigen“, „sich klar abzugrenzen“. Das zugehörige Narrativ: „Versicherung“ – durch Policen, Verträge und Sprachspiele. Durch die Art wie wir reden („Sprachcode“), mit wem wir in den Sozialen Medien unterwegs sind, mit wem wir unsere Freizeit verbringen, mit wem wir arbeiten und so weiter. Wir haben Angst, bei den Abgehängten zu landen, und das bringt diese Abgehängten auch in Zukunft erst hervor. Ihren Stand, ihre Kultur – und damit unsere gemeinsame.

Wir können nicht ohne die Unterschicht – deshalb werden wir auch immer eine entsprechende Arbeit für sie haben. Das ist zynisch. Aber es ist Realität.

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Autor: Christoph Schmitt

collaboration coach & learning engineer. swiss based, exploring the planet(s) for better education, in love with creative knowledge working www.bildungsdesign.ch -> enabling people & organizations to bring digital & analog learning together -> building the bridges between fields & professions of education -> to help teachers teach & learners learn

3 Kommentare zu „Warum wir auch in Zukunft eine Unterschicht brauchen. Eine Polemik.“

  1. Ich denke, dass sowohl Physiker Kaku als auch Autor Schmitt es nicht auf den Punkt bringen: In Zukunft wird all das automatisiert, was sich automatisieren lässt 😉
    Das muss weder repetitiv noch simpel sein, die Grenzen sind sehr verschwommen und noch nicht auszumachen.

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