Kreativwirtschaft – Was ist das wirklich?

 

„Es gibt Bibliotheken für Medien, und es gibt Bibliotheken für Dinge“, sagt Stefan Kaplon, der Leiter der Stadtbibliothek Verden im Interview während des MOOC Leuchtfeuer 4.0. FabLabs und Makerspaces gehören zur „Bibliothek der Dinge“. Das sind nun aber nicht einfach Räume, aus denen etwas ausgeliehen wird. Es sind Räume, in denen Neues entsteht: Produkte, Dienstleistungen, Startups, Ideen. Die Methoden dazu sind Co-working und Kollaboration.

Der radikale Kulturwandel, der sich hier vollzieht, ist ein sozio-ökonomischer. Es ist eine äußerst starke Entwicklung hin zur so genannten Kreativwirtschaft. Die hat ihre Wurzeln zwar in Kunst, Kultur und Design. Mittlerweile wirkt das Mindset dahinter jedoch längst Branchen übergreifend. Das „Kreativ-“ im Begriff bezieht sich heute vor allem auf die Art des Arbeitens & Wirtschaftens, weniger auf die Produkte. Der Begriff bildet einen Paradigmenwechsel ab: Das Unternehmerische („Entrepreneurship“) ist kokreativ und kollaborativ geworden. Es hat mit klassischen Organisations- und Führungskulturen nichts mehr zu tun. Das ist keine Randerscheinung.

Kreativwirtschaft ist eine dynamische Bewegung, die einen Wandel anzeigt, den sie selber ausgelösst hat. Der bei ihr seinen Ausgang genommen hat. Ein gutes, weil funktionierendes Beispiel: Die Firma LIIP in Zürich. Und diese radikal neue Form des Wirtschaftens ist längst in der ökonomischen Realität angekommen. Im Moment kristallisieren sich denn auch das unternehmerische Denken und die spartenübergreifende Vernetzung als zunehmend wichtige Merkmale der Kreativwirtschaft heraus, wie in der NZZ zu lesen ist.

Sie hat bereits heute einen großen und stetig wachsenden Anteil an den Prozessen der Wertschöpfung unserer Gesellschaft, wie auch Dominic Chenaux im Interview mit Radio 3fach betont. Er ist der Leiter vom Neubad in Luzern – einer beeindruckenden Initiative, die genau diese Entwicklung auf sehr lebendige und erfolgreiche Weise abbildet – vor allem in ihrem eigenverantwortlich ökonomischen Aspekt. Auch Dominic betont, dass der Begriff der Kreativ-Wirtschaft längst ein globales Phänomen ist, das in einem „Nest“ wie Luzern erst langsam Fuß zu fassen scheint. Doch bereits ein Blick auf die Nachbarmetropole Zürich zeigt: In der Stadt Zürich allein finden rund 33 000 Beschäftigte „in rund 5000 Betrieben der verschiedenen Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft ihr Auskommen. Bei einem Umsatz von über 14 Milliarden Franken erzielt die Kultur- und Kreativwirtschaft eine Bruttowertschöpfung von rund 3,2 Milliarden Franken.“

Was ist neu an den neuen Initiativen?

  • Motivation, Initiative und Engagement kommen nicht aus der Politik und nicht aus klassisch ökonomischen oder generell aus „institutionellen“ Kontexten. Sie gehen von einzelnen Menschen aus, die sich zusammentun und etwas auf die Beine stellen. Der Aspekt der gemeinschaftlichen Verantwortung spielt eine zentrale Rolle, um überhaupt aktiv und wertschöpfend werden zu können.
  • Die Initiativen bilden sich um konkrete Frage- und Problemstellungen herum, die in den meisten Fällen mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen (Energie, Umwelt, Bildug, Arbeit, Gesundheit u.v.m.) zu tun haben. Es geht um lebenswertes und nachhaltiges Leben und um die Frage, wie dafür gemeinsam verantwortet und unter Einsatz aller benötigten Kräfte und Fähigkeiten Lösungen gefunden werden.
  • Weil die Fragen und Probleme der Gegenwart von hoher Komplexität und gegenseitiger Abhängigkeit sind, gestalten sich die neuen Initiativen maximal agil hinsichtlich ihrer Ressourcen: Zeit, Infrastruktur, Räume, Woman- und Manpower werden nicht „zugeteilt“ und „budgetiert“, sondern auf konkreten Bedarf hin generiert und eingesetzt.

Coworking im Neubad Luzern

Der Zusatznutzen dieses „echten“ Coworking liegt in der Haltung gegenüber kollaborativem Arbeiten und in der Vielfalt der Berufe, die dabei aufeinander treffen. Im Coworking des Neubad arbeiten z. B. „Fotografen, ein Interaction Designer, Seniorinnen und Senioren, Filmemachende, Grafiker, Architektinnen, Startups, ein Musiker, Kinder- und Jugendorganisationen, eine Texterin, Startups, NGO’s, eine Biologin, eine Human Resource Beraterin, Kunstschaffende, usw.“ Dementsprechend werden die Arbeitsplätze auch nach bestimmten Kriterien vergeben: „Gute Gesamtdurchmischung der Arbeitsbranchen, Bereitschaft mit und nicht neben den anderen Nutzenden zu arbeiten, regelmässige Anwesenheit am Arbeitsplatz, aktive Mitgestaltung des Neubads.“

Nina Oberländer, eine der Protagonistinnen des MOOC schreibt im Forum über diese Haltung, die einen Maker und eine Makerin in diesem Sinne ausmacht – mit Bezug auf Mitch Altman von „Noisebridge“, einem Hakerspace in San Francisco:

Ein Maker ist jemand, „die*der einen Sinn sucht und diese Welt etwas besser machen will. Jemand die*der Werkzeuge zur Lebenserleichterung kreieren möchte, dem die Umwelt am Herzen liegt. Jemand der seinem urmenschlichen Bedürfnis folgt, Teil einer funktionierenden Gemeinschaft zu sein. Er holt recht weit aus aber ich finde es einen guten Ansatz, denn ich habe auch das Gefühl, dass es nicht nur darum etwas zu ‚machen‘ sondern auch um die Haltung, wie man etwas tut und aus welchem Grund.“

Ganz konkret: Wo finde ich Unterstützung, wie mache ich erste Schritte?

Klick dich hier zum Video.

Welchen Nutzen haben Menschen, die sich auf den Weg in neue Formen des Arbeitens geben, von bestehenden Initiativen? Von Coworking-Spaces, Makerspaces und FabLabs? Das ist die Kernfrage, um die sich derzeit im MOOC Leuchtfeuer 4.0 alles dreht. Es braucht ja Anlaufstellen, Orte und Räume der Begegnung, wo Menschen mit ähnlichen Anliegen aufeinander treffen und sich gegenseitig unterstützen in jeder erdenklichen Hinsicht und Weise.

Hereinspaziert

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Autor: Christoph Schmitt

collaboration coach & learning engineer. swiss based, exploring the planet(s) for better education, in love with creative knowledge working www.bildungsdesign.ch -> enabling people & organizations to bring digital & analog learning together -> building the bridges between fields & professions of education -> to help teachers teach & learners learn

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