Grillparty statt Freiheit!

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Es soll Gefängnisinsassen geben, die es geschafft haben, die Gitter vor ihren Fenstern zu entfernen, um anschliessend damit eine Grill-Party in ihrer Zelle zu organisieren.

Das ist ein treffendes Bild dafür, wie wir hier in dieser Weltgegend mit den Möglichkeiten von Freiheit und Autonomie umgehen. In der Schule, in unseren Beziehungen, am Arbeitsplatz.

Das neue Paradigma lautet: Die Freiheit liegt im Kampf um sie. 
Nicht darin, sie zu erreichen. Wir haben sie zu einem Projekt gemacht. Aber nicht um frei zu werden, sondern um zu feiern, wenn die Gitter gefallen sind. Dann tun wir uns etwas Gutes: Nach dieser harten Arbeit an der Freiheit erlauben wir uns ein Zückerchen, weil  wir „es geschafft“ haben.

Die Freiheit hat sich verwandelt. Sie ist kein Ziel mehr. Es gibt sie nicht mehr als eine Zeit nach dem Sprengen der Ketten – als ein Leben in ihr. Es reicht völlig, sich der Möglichkeiten bewusst zu sein, die mann oder frau sich geschaffen hat. Es reicht, um die Möglichkeiten zu wissen. Steppenwolf reloaded. Das gitterfreie Fenster ist ausreichend. Jederzeit gehen zu können, alle möglichen Alternativen zu haben, das reicht – um zu bleiben, um auszuhalten. Um zu harren.

„Nicht eingesperrt“ zu sein, ist die ersehnte Erfahrung oder Errungenschaft. Und  es ist die größte Selbsttäuschung, die wir uns gegenwärtig leisten.

Es ist das neue Gefängnis.

Möglich wurde diese Neukomposition von Lebenssinn vielleicht dadurch, dass die ursprünglichen, die „biblischen Kämpfe“ um Freiheit und Unterdrückung, die immer auch Kämpfe gegen etwas waren, längst gekämpft sind. In unserer Gegend.

Die einstigen Gegner sind jetzt Freunde. Auch in der Verwendung bei Facebook.

Die antike Freiheit hingegen, die heute als Erzählung unter vielen daherkommt, war eine Befreiung. Ein Vernichten von Rahmenbedingungen. Heute ist die Freiheit selbst zu einer Rahmenbedingung geworden – zu einer totalen. In unserer Gegend. Deshalb ist ein Kampf nur noch gegen die Freiheit möglich. Gegen ihre Risiken und Gefahren.

Dieser Kampf wird in Form einer Ablehnung geführt. Die Ablehnung der Freiheit als Konsequenz. Wir machen lieber eine Grillparty. Wir trocknen die schnellen Tränen am Grill. Tränen nicht über den Verlust an Freiheit oder Möglichkeiten sondern höxtens über verweigerte Streicheleinheiten. Das Leben wird mehr und mehr zum Kinderspiel. Mit Tränen des Trotzes. Enttäuschung statt Zorn. Und Empörung. Ganz viel Empörung.

Aber wir kämpfen weiter.

Für die nächste Grillparty.

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Autor: Christoph Schmitt

collaboration coach & learning engineer. swiss based, exploring the planet(s) for better education, in love with creative knowledge working www.bildungsdesign.ch -> enabling people & organizations to bring digital & analog learning together -> building the bridges between fields & professions of education -> to help teachers teach & learners learn

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