Lernen in Netzwerken

Corporate Learning - Training und Wissensmanagement

Das ist keine neue Idee, nur geht das heute sehr viel leichter. Wenn wir von 90% informellem Lernen in Organisationen ausgehen, dann ist das immer Lernen in Netzwerken, in persönlich erreichbaren Netzwerken. Das persönliche Netzwerk besteht aus Menschen und allen zugänglichen und mir bekannten Informationsquellen (die ja alle mal von Menschen erstellt wurden). Die technischen Möglichkeiten erhöhen heute „nur“ die Erreichbarkeit. Über Soziale Medien kommen wir heute an Experten, die ich sonst nie erreichen würde. Und auf einfache Weise kommen wir heute an Dokumente, Videos, Online-Kurse – ohne uns aus dem Haus begeben zu müssen.

vernetzg-von-terimakasih0 Bild: terimakasih0 bei Pixabay

Wenn sich also unsere Zielgruppen alle Informationen für ihren Entwicklungsprozess immer leichter selbst beschaffen können, hat das natürlich Auswirkungen auf unser „Geschäft“ als Corporate Learning Professionals. Zumal das Bewusstsein dafür steigt, dass ja ohnehin der allergrößte Teil des betrieblichen Lernens in Eigenregie der Mitarbeiter stattfindet. Ein Teil unseres Jobs war es…

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Was heisst Dialog?

„Als Monolog bezeichne ich das Ziel einer Diskussion, also die Entwicklung einer richtigen oder wahren Sichtweise. Als Dialog bezeichne ich die Entwicklung von möglichst vielen Sichtweisen.“

Dialog

Im Dialog kann ich erkennen, wie andere Menschen sprechen, wie sie welche Worte verwenden. Dabei wird mir bewusst, wie ich spreche und wie ich sprechen könnte. Im Dialog kann ich auch erkennen, dass der Ausdruck „Dialog“ sehr verschieden verwendet gespraechsrundewird. Gemeinhin wird der Ausdruck „Dialog“ für ernst gemeinte oder ernsthaft geführte Vermittlungsgespräche verwendet, etwa als Dialog zwischen Religionen oder zwischen Kriegsparteien. Als Vermittlungsgespräche unterscheiden sich Dialoge von den Monologen, die dort, wo Vermittlung notwendig wird, üblicherweise geführt werden. „Dialog“ bezeichnet auch eine rhetorische Form, etwa als sokratischer Dialog oder galileischer Diskurs, in welcher ein eigentlicher Monolog durch einen fiktiven Idioten, der Fragen stellt, „dialogisiert“ wird. Dia-log wird in diesen Interpretationen als Zwiegespräch von einem Mono-log unterschieden, in welchem eben nur einer oder nur eine Meinung spricht.

Ich verwende den Ausdruck „Dialog“ in Anlehnung an M. Buber und D. Bohm. Ich interpretiere dabei Dialog quasi-etymologisch als „dia logos“, was ich…

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Warum individuelle Leistungsbeurteilungen sinnlos geworden sind – und wie die Alternativen aussehen

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Der Schwarm. Sinnbild für funktionale Dynamik und Emergenz, die in kollaborativen Prozessen stecken. (Quelle)

Bis heute gehen wir in Arbeit und Ausbildung davon aus, dass wir „Leistung“ einzelnen Menschen zuordnen können und müssen. Über die ganze Schul- und Ausbildungszeit hinweg werden wir individuell benotet – von vorgesetzten Individuen, die uns dadurch von konkurrierenden Individuen separieren. Einen Job bekommen wir, weil wir „Einzelleistungen“ dokumentieren, Beurteilungen von Mitarbeitern fokussieren auf deren individuelle Leistungen. 

Dieses Modell hat ausgedient.

Auch wenn unsere Schulen das nach wie vor ganz anders sehen. Gefordert und gefördert, benotet und anderweitig sanktioniert werden immer Individuen, einzelne Menschen. Auch dort, wo traditionelle Bildungsformate unter starken Geburtswehen umstellen auf SOL (Selbst Organisiertes Lernen), stehen der und die einzelne Lernende im Zentrum der Bewertung. Mein Eindruck ist, dass „SOL“ in vielen Köpfen gleichgesetzt wird mit individuell bewertbarem Lernen und seinen Ergebnissen. Auch das neue Kultphänomen der Kompetenz wird stillschweigend als etwas verstanden, das Ausdruck von Dispositionen eines einzelnen Menschen ist. Überall dort, wo über Formen und Formate der Qualifizierung, des Prüfens und „Messens“ erbrachter Leistungen reflektiert wird, kommt also das Individuum in den Blick. Auch wo ausschließlich kollaborative Prozesse stattfinden, wird Beurteilung am Ende immer am Individuum und an „dessen Beitrag“ festgemacht. Wir können nicht von dem absurden Versuch lassen, Einzelleistungen „heraus zu rechnen“.

Wertschöpfung ist definitiv kollaborativ geworden

Diese Vorstellung entspricht schon lange nicht mehr den realen Prozessen in Forschung, Entwicklung, Produktion, Verkauf, Logistik – und was es da sonst noch so gibt an Prozessen der Wertschöpfung. Weder hier noch beim „Lernen“ finden wir irgendwo isolierbare Leistungen eines Individuums, sondern ausschließlich und durch und durch kontextuelle und systemische strukturierte Prozesse.

Der kontextuell-systemische Zugang zu Lernen & Arbeiten geht also umgekehrt vor wie unser Schulsystem: Sowohl Prozesse des Lernens als auch solche, in denen es dezidiert um ökonomische Wertschöpfung geht, werden umso besser erfasst und beschrieben, je mehr sie als kollaborative und ko-kreative Prozesse verstanden, aufgegleist, organisiert, durchgeführt und begleitet (gecoacht) werden. Hier ist der Beitrag des Einzelnen oder mehrerer Einzelner einer Gruppenleistung nicht „vorgeschaltet“. Die Leistung ergibt sich vielmehr aus den Formen der Kollaboration.

Leistung wird hier nicht als Summe von Beiträgen mehrerer Individuen angesetzt. Wir gehen umgekehrt davon aus, dass Leistung erst aus einer bestimmten Form der Kollaboration hervorgehen kann, die auch den beteiligten Individuen erst ermöglicht, einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Dieser Beitrag entsteht erst durch Kollaboration und in ihrem Verlauf, und kann am Ende nicht individuell herausgerechnet werden. Leistung und ihre Erbringung sind in diesem Verständnis ein durch und durch kontextuelles Phänomen: Der Kontext entscheidet hier über die Qualität von Prozessen, und er entscheidet auch über die konkreten Möglichkeiten einzelner Personen, einen sinnvollen Beitrag zu leisten.

Der Kontext ermöglicht dir, eine Leistung zu erbringen.

Wir wissen aus der systemischen Organisationsberatung, dass ein Mensch, der in bestimmten Kontexten nur einen sehr kleinen Zugriff auf seine Ressourcen hat, in einem anderen Kontext sprüht vor Einsatz und Kompetenz. Kontexte bestimmen über Möglichkeiten und Grenzen individueller Leistung – nicht umgekehrt.

Das bedeutet auch, dass es keinen Sinn mehr macht, übergeordnete Qualifikationen festzulegen (auch keine Kompetenzen-Raster), die über alle konkreten, heute und in Zukunft möglichen Formen der Kollaboration hinweg Bestand haben sollen, und die überall eingesetzt werden könnten. Das macht keinen Sinn, weil es die Lern- und Arbeitskontexte sind, die über die Entwicklung und den Einsatz von Fähigkeiten und Kompetenz entscheiden.

In dieser Sichtweise werden auch herkömmliche Bewertungsformate und -muster (Prüfungen, Benotungen, Beurteilungsgespräche oder gar Arbeitszeugnisse) hinfällig. Sie können nämlich das, worum es bei Bildungs- und Arbeitsprozessen 4.0 geht, nicht erfassen – und messen können Sie es schon gar nicht.

An ihre Stelle treten individuell gestaltete Portfolios, in denen ich festhalte und präsentiere, in welchen Kontexten ich unter welchen Bedingungen, mit welchen Teams zusammen welche Ziele erreicht habe. Lückenlos und verlinkt.  Als Lernender ebenso wie als Mitglied eines Arbeitsteams. Ein attraktives und erprobtes Beispiel für Online-Portfolios ist MAHARA.

Lohnenswerte Reflexionen über unseren überholten Leistungsbegriff finden Sie übrigens hier.

Über Angstmacherei und Dekadenz

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Beim Fotografen Klaus Pichler wird Dekadenz künstlerisch gebrochen (Quelle).

Eine neue Studie aus Allensbach kommt zum Schluss: „Konkrete Ängste haben die Deutschen vor Gewalt und Kriminalität, vor einem Anschlag im Inland, vor mehr Flüchtlingen und einer Einmischung der Bundesrepublik in militärische Konflikte“. Diese Ängste seien gegenwärtig so stark, dass trotz materieller Sicherheit der Zukunftsoptimismus in Deutschland steil nach unten gegangen sei. Woher diese Ängste?

„Je besser es uns geht, umso anfälliger sind wir für Ängste vor dem Verlust dieses Niveaus“. So könnte eine sozialpsychologisch gefärbte Erklärungs-Schlagzeile lauten: Je mehr ich habe, umso größer wird die Angst, es zu verlieren. Die Sorge gilt dann nicht mehr dem Erhalt von Leben, sondern dem von Luxus. Da ist sicher etwas dran, aber es kann für eine große Zahl von Menschen in Deutschland nicht gelten. Zu ungleich ist hierzulande die Verteilung dessen, was Luxus in materieller Hinsicht erst ermöglicht. Deshalb ist auch das Gezanke um Sozialneid meines Erachtens eine Scheindebatte, die von Wichtigerem ablenkt.

Wie sollen wir das alles bloß schaffen?

Viel interessanter ist für mich die Tatsache, dass z.B. eine fehlende Überzeugung, anstehende Herausforderungen meistern zu können, ganz zuverlässig Zukunftsängste auslöst. Auf den ersten Blick erscheint dann auch verständlich, wenn vor allem Gewalt, Kriminalität, militärische Konflikte und flüchtende Menschen als Angstreiber wirken: Was um alles in der Welt können wir gegen diese diffusen und zugleich real erscheinenden Gefährdungen tun?

Vielleicht ist es also weniger die Angst vor einem wie auch immer gearteten Verlust, die derzeit um sich greift, sondern die Überzeugung, nicht gewappnet zu sein für das, was kommen könnte.

 

Die neue Lust am Verängstigen

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Hysterisch aus Gewohnheit? Hier der Blog dazu.

Es mag auf den ersten Blick spitzfindig klingen, aber das, was Ängste auslöst, muss nicht immer der Grund für diese Ängste sein. Oftmals sind unsere Ängste schon lange am Gären, sodass es am Ende fast egal ist, an welchen vermeintlichen Auslöser sich sich heften. Wie ich darauf komme?

Historiker, Soziologen und Wirtschaftsexperten werden nicht müde uns zu beschreiben, dass wir in einer – verglichen zu allen anderen Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg – sicheren Zeit leben. Auch betonen sie nachvollziehbar, dass die Flüchtlingsströme unsere Volkswirtschaften weder unterwandern noch kollabieren lassen. Dennoch koalieren unsere Ängste vor allem mit eben diesen Phänomenen. Wieso?

Zum einen hängt das sicher damit zusammen, dass der ununterbrochene Medienstrom von nichts Anderem mehr berichtet als von dem, was uns Angst machen soll. Und womöglich haben wir sie genau deshalb. Horrorszenarien werden mittlerweile dadurch „real“, dass sie entsprechend häufig wiederholt, kommentiert und interpretiert werden. Es ist für populistische politische Phrasendrescher und für Medien, die solche Phrasen munter vervielfältigen, offenbar enorm lustvoll, mit diesen Szenarien Ängste zu schüren. Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Hinzu kommt: Wer bereits verunsichert ist, lässt sich viel leichter noch mehr verunsichern. Wer keine Reserven hat, ist schneller am Limit. Auch mental, auch psychisch.

Das gilt nicht nur für Individuen. Das gilt auch für Gesellschaften. Der Schriftsteller Thomas Mann hatte für dieses Phänomen ein Auge, denn auch zu seiner Zeit war die Gesellschaft hoch verunsichert und kraftlos. Sie war manipulierbar und jederzeit bereit für hysterische An- und Ausfälle. Und das ist kaum 100 Jahre her.

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Der Meister der Dekadenz-Literatur: Thomas Mann (Quelle)

Geringe Vitalität und Innovationskraft

Vor elf Jahren schreibt der Literaturprofessor Hermann Kurzke, es sei zwar ein wenig peinlich, „aber die Aktualität Thomas Manns beruht hauptsächlich auf der Aktualität der Dekadenz. Das westliche Mittel- und Nordeuropa ist in hohem Masse dekadent. Es wird geprägt von müden und mürben Spätkulturen mit geringer Vitalität und Innovationskraft. Es kann seine Probleme noch artikulieren, aber anpacken oder gar lösen kann es sie offenbar nicht“. (Elend, Glanz und Komik der Dekadenz, Tages-Anzeiger, 26.8.2005).

 

Diese Worte klingen in meinen Ohren vertraut. Kurzkes Aufzählung jener Eigenschaften, die die Aktualität solch kraftloser Dekadenz beschreiben, könnten als Diagnose auf dem Krankenblatt unserer gegenwärtigen Kultur stehen. Umso mehr, als sie heutzutage grosse Bevölkerungsanteile Europas charakterisieren: „Mangel an Tatkraft, geringer Glaube an sich selbst, Reflexionsüberhang, Entscheidungsschwäche, Zukunftsangst, Orientierungsverlust, Vergnügungssucht, Überempfindlichkeit, Weichlichkeit bei latenter Grausamkeit, Narzissmus, Haltlosigkeit, Depressivität und Handlungslähmung, Identitätsschwäche, Rollenspiel, Egozentrik, Mangel an Gemeinsinn, Sexualisierung, Psychologisierung, Nervosität, Hypochondrie, Alkoholismus, Fress- und Magersucht, Historismus, Entpolitisierung und Ästhetizismus, Stilpluralismus, Manierismus, Zitatverliebtheit an Stelle von Eigenschöpfung, Schein statt Sein, Dezisionismus bei gleichzeitig schwacher, gelegentlich aber theatralisch auftrumpfender Willenskraft.“

Wie sollte eine Gesellschaft, die sich in diesem „Zauberberg-Komplex“ eingenistet hat, keine Angst haben vor den Herausforderungen einer Zukunft, die uns mit technischen, ökologischen, kulturellen und ökonomischen Herausforderungen konfrontiert, wie sie nur selten in dieser Wucht antreten?

Womöglich handelt es sich also bei dem, was Allensbach den Deutschen entlockt, um Stellvertreter-Ängste. Meine Vermutung ist sogar, dass uns ganz andere Phänomene Angst machen müssten. Und zwar keine blockierende Angst , sondern eine, die uns zum Handeln bringt. Die uns unsere Kräfte zusammenspannen lässt, um gemeinsam zu lösen, was wir alleine nicht bewältigen können.

Wir sind nämlich in keiner Weise vorbereitet auf die Folgen der digitalen Transformation, die eine kulturelle Revolution ist. Uns fehlen die mentalen ebenso wie die ganz praktischen Möglichkeiten, diese Revolution („Disruption“) aktiv zu gestalten. Wir lassen uns mehr oder weniger hilf- und atemlos vor ihren technischen Effekten hertreiben. Unsere Bildungssysteme beharren stur auf überholten Strategien und Formaten und enthalten jungen Menschen konsequent jene Fähigkeiten vor, die sie zukunftsfähig machen würden. Die Berufsbildung, die unternehmerischen Strukturen, die Arbeits- und Finanzmärkte, sie alle lassen sich zwar dort, wo es nicht anders geht, auf digitale Technologien ein. Bisher stellt sich aber niemand ernsthaft der Frage, wie wir mit den kulturellen und sozialen Veränderungen umgehen wollen, die das alles mit sich bringt.

Was mir deshalb vor allem Angst macht, ist die Ergebenheit, mit der wir uns bei aller sonstigen Aufgeregtheit in diese Passivität hineinschicken: Wir müssen dringend etwas tun. Am besten wir tun besorgt.

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aus „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett

Wie Schulen »echte« Mitbestimmung ermöglichen — Schule und Social Media

In der Blogparade von Jan-Martin Klinge und Dejan Mihajlovic wurde die Frage aufgeworfen, wie viel Mitbestimmung eine Schule brauche. Die bisherigen Beiträge diskutieren viele wichtige Aspekte (man findet sie hier ganz unten). Deshalb konzentriere ich mich hier auf einen Zugang, der mir wichtig erscheint. * * * Echte Mitbestimmung an Schulen bedeutet, dass Schüler*innen bei allen […]

über Wie Schulen »echte« Mitbestimmung ermöglichen — Schule und Social Media

Grillparty statt Freiheit!

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Es soll Gefängnisinsassen geben, die es geschafft haben, die Gitter vor ihren Fenstern zu entfernen, um anschliessend damit eine Grill-Party in ihrer Zelle zu organisieren.

Das ist ein treffendes Bild dafür, wie wir hier in dieser Weltgegend mit den Möglichkeiten von Freiheit und Autonomie umgehen. In der Schule, in unseren Beziehungen, am Arbeitsplatz.

Das neue Paradigma lautet: Die Freiheit liegt im Kampf um sie. 
Nicht darin, sie zu erreichen. Wir haben sie zu einem Projekt gemacht. Aber nicht um frei zu werden, sondern um zu feiern, wenn die Gitter gefallen sind. Dann tun wir uns etwas Gutes: Nach dieser harten Arbeit an der Freiheit erlauben wir uns ein Zückerchen, weil  wir „es geschafft“ haben.

Die Freiheit hat sich verwandelt. Sie ist kein Ziel mehr. Es gibt sie nicht mehr als eine Zeit nach dem Sprengen der Ketten – als ein Leben in ihr. Es reicht völlig, sich der Möglichkeiten bewusst zu sein, die mann oder frau sich geschaffen hat. Es reicht, um die Möglichkeiten zu wissen. Steppenwolf reloaded. Das gitterfreie Fenster ist ausreichend. Jederzeit gehen zu können, alle möglichen Alternativen zu haben, das reicht – um zu bleiben, um auszuhalten. Um zu harren.

„Nicht eingesperrt“ zu sein, ist die ersehnte Erfahrung oder Errungenschaft. Und  es ist die größte Selbsttäuschung, die wir uns gegenwärtig leisten.

Es ist das neue Gefängnis.

Möglich wurde diese Neukomposition von Lebenssinn vielleicht dadurch, dass die ursprünglichen, die „biblischen Kämpfe“ um Freiheit und Unterdrückung, die immer auch Kämpfe gegen etwas waren, längst gekämpft sind. In unserer Gegend.

Die einstigen Gegner sind jetzt Freunde. Auch in der Verwendung bei Facebook.

Die antike Freiheit hingegen, die heute als Erzählung unter vielen daherkommt, war eine Befreiung. Ein Vernichten von Rahmenbedingungen. Heute ist die Freiheit selbst zu einer Rahmenbedingung geworden – zu einer totalen. In unserer Gegend. Deshalb ist ein Kampf nur noch gegen die Freiheit möglich. Gegen ihre Risiken und Gefahren.

Dieser Kampf wird in Form einer Ablehnung geführt. Die Ablehnung der Freiheit als Konsequenz. Wir machen lieber eine Grillparty. Wir trocknen die schnellen Tränen am Grill. Tränen nicht über den Verlust an Freiheit oder Möglichkeiten sondern höxtens über verweigerte Streicheleinheiten. Das Leben wird mehr und mehr zum Kinderspiel. Mit Tränen des Trotzes. Enttäuschung statt Zorn. Und Empörung. Ganz viel Empörung.

Aber wir kämpfen weiter.

Für die nächste Grillparty.